EZB-Ratssitzung – Liveblog
„Ausstieg ist nicht in Sicht“

Die EZB lässt den Leitzins unverändert. Änderungen gibt es beim Anleihekaufprogramm. Es wird mit geringerem Volumen verlängert. Doch die Notenbank dreht noch an anderen Stellschrauben. Das Liveblog.
  • 34

FrankfurtDie Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) haben an diesem Vormittag über eine erneute Lockerung ihrer Geldpolitik beraten – und einige wichtige Entscheidungen getroffen. Hier das Protokoll.

Die wichtigsten Entscheidungen der EZB im Überblick:

  • Der Leitzins bleibt unverändert bei 0,00 Prozent
  • Das Anleihekaufprogramm bleibt bis einschließlich März 2017 bei monatlich 80 Milliarden Euro
  • Ab April 2017 wird das Anleihenkaufprogramm gesenkt auf 60 Milliarden Euro monatlich
  • Der Einlagezins für Banken bleibt unverändert bei minus 0,4 Prozent.
  • Die Mindestlaufzeit beim Kauf von Anleihen sinkt auf ein Jahr (vorher zwei Jahre)
  • Die EZB darf nun Anleihen kaufen, deren negative Rendite höher als minus 0,4 Prozent ist

+++ Draghi zum Machtwechsel in den USA +++

Die Folgen des anstehenden Machtwechsels in den USA für die Euro-Zone lassen sich nach den Worten von EZB-Chef Mario Draghi noch nicht genau beurteilen. „Es ist sehr schwer einzuschätzen", sagte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt. Gleiches treffe auf die Entscheidung der Briten für einen EU-Austritt und das Nein der Italiener zur Verfassungsänderung zu. „In allen drei Fällen haben sich Märkte als viel widerstandsfähiger als erwartet erwiesen“, sagte Draghi angesichts steigender Kurse an den Aktienmärkten. Allerdings dürfte vor allem der Brexit und die politischen Veränderungen in den USA erst mittel- bis langfristig ihre Wirkung entfalten. „Wir sind noch in einer frühen Phase“, so Draghi.

+++ Fällige Papiere werden wieder reinvestiert +++

Die DZ Bank interpretiert die Reduzierung der monatlichen Anleihekäufe nicht als Ausstieg aus dem Programm der quantitativen Lockerung. Sie sie vorerst lediglich eine Rücknahme der Erhöhung von 60 auf 80 Milliarde per April 2016 und damit auch nicht der Beginn des vielzitierten „Tapering“. Zudem sollen fällig werdende Papiere reinivestiert werden, so dass das monatliche Kaufvolumen ab April 2017 über 60 Milliarden Euro liegen dürfte.

+++ Kein Tapering in Sicht +++

Auf die Frage, ob die EZB später wieder zum monatlichen Anleihenkauf in Höhe von 80 Milliarden Euro zurückkehren könnte, antwortet Draghi mit Ja und fügt hinzu „Kein Tapering in Sicht“. Also vorerst kein Stopp beim billigen Geld für die Märkte.

+++ Veränderte Inflationsprognose +++

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Prognosen ihrer eigenen Fachleute erst in drei Jahren wieder nahe an ihr Inflationsziel herankommen. Sie erwarten 2019 eine Teuerungsrate in der Euro-Zone von 1,7 Prozent. Die EZB spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Im zu Ende gehenden Jahr dürfte dieses Ziel mit 0,2 Prozent, 2017 mit 1,3 Prozent und 2018 mit 1,5 Prozent noch verfehlt werden. Damit wurden die September-Prognosen weitgehend bestätigt. „Es gibt Hinweise, dass sich die weltweite Konjunktur belebt“, ergänzte Draghi. Allerdings dürfte der Mangel an Reformeifer den Aufschwung in der Euro-Zone dämpfen.

+++ EZB kauft Anleihen mit hoher Minusrendite +++

Nicht nur an der Laufzeit des Anleihekaufprogramms hat die EZB gedreht. Bislang galt, dass keine Anleihen mit einer negativen Rendite gekauft werden dürfen, die über dem Einlagezins für Banken von minus 0,4 Prozent liegen. Nun hat die EZB freie Hand und darf - so Draghi - auch Anleihen mit höherer Negativrendite käuflich erwerben.

+++ Draghis Rede beflügelt die Aktienkurse +++

Die Entschlossenheit von Mario Draghi, die Markte weiterhin mit billigem Geld zu beflügeln, lässt die Aktionäre jubeln, Während seiner Rede steigt der deutsche Leitindex über die Marke von 11.100 Punkten auf ein neues Jahreshoch.

+++ Draghi zeigt sich beim Anleihekaufprogramm entschlossen +++

EZB-Präsident Draghi erläutert in seiner Rede, dass die monatlichen Ankäufe von Vermögenswerten im Umfang von 80 Milliarden Euro bis mindestens Ende März 2017 erfolgt werden. Eventuell sogar darüber hinaus. Und zwar so lange, bis der EZB-Rat eine nachhaltige Korrektur der Inflationsentwicklung erkennt, die mit seinem Inflationsziel im Einklang steht. Zudem darf die EZB bald öffentliche Papiere kaufen, die nur ein Jahr Laufzeit haben. Bislang betrug die Mindestlaufzeit zwei Jahre.

+++ Höhe des Kaufprogramms steigt deutlich +++

Bislang war das Anleihekaufprogramm auf insgesamt 1,74 Billionen Euro angelegt. Mit der Verlängerung bis mindestens Ende Dezember 2017 schwillt diese Summe auf 2,28 Billionen Euro an.

+++ Ifo-Präsident begrüßt EZB-Entscheidung +++

Der ifo-Präsident Clemens Fuest hat die Entscheidung der Europäischen Zentralbank begrüßt, nach dem März die Käufe von Staatsanleihen zu verringern. „Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Auch wenn es besser gewesen wäre, den Umfang der Käufe Monat für Monat noch stärker zu verringern“, sagte er. „Denn nach Einschätzung des ifo Instituts wird die Euro-Inflationsrate bis März auf eine Jahresrate von 1,5 Prozent steigen und bis zum Jahresende auf 1,6 Prozent. Das ist nahe dran an den knapp unter zwei Prozent, die die EZB anstrebt. Das Argument der EZB für die Anleihekäufe trägt also 2017 nicht mehr.“ Hintergrund sei, dass der Rückgang der Ölpreise zum Stillstand gekommen sei und dass dieser drückende Effekt auf die Inflationsrate ganz mechanisch auslaufe. Fuest ergänzte: „Damit treten bei den Anleihekäufen der EZB die negativen Nebenwirkungen in den Vordergrund.“

+++ Kapriolen beim Bund-Future +++

Ebenso wie der Dax schwankte auch der Bund Future, der standardisierte Terminkontrakt auf eine zehnjährige Bundesanleihe, heftig. Im Vorfeld der EZB-Entscheidung stieg der Kurs auf 161,30 Euro, um anschließend schnell auf 160,30 Euro zu fallen.

Seite 1:

„Ausstieg ist nicht in Sicht“

Seite 2:

„Vorsichtiger Einstieg gelungen“

Kommentare zu " EZB-Ratssitzung – Liveblog: „Ausstieg ist nicht in Sicht“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die demograhische Fehlentwicklung und die fatale Migrationspolitik in den letzten Jahrzehnten, sowie die vielen Unbekannten -im wahrsten Sinne des Wortes- der Flüchtlingszuwanderungen in den nächsten jahren, sowie der vielleicht bestehende Terror durch den IS im Lande, wird das Bild und die Zahlen und Fakten für das Land nciht aufhübschen.

    Wer das glaubt oder annimmt, wird spätestens dann belehrt, wenn es einmal heißen sollte: "Die kranke Frau Europas."

    Wer dann die Mäuler stopfen und die Mägen satt kriegen will, steht dann auf einem ganz anderen Blatt.

    Es sind nur noch rund 13 Jahre, wenn es anstatt heute über 43 Mio. Erwerbstätige nur noch 39 Mio. gibt und davon etwa 40% mit einem Migrationshintergrund sind.

    Fragen sie mal was sie unter Industrie 4.0 oder unter digitale Transformation der Volkswirtschaft verstehen.

    Menschen ohne Schulabschluß oder Ausbildung werden diese und viele andere Fragen nicht beantworten können.

    Ob es die führenden Professoren von der Harvard University können, steht auf einem anderen Blatt.

    Zumindest werden auch in den USA sich Berufe (36%) so stark verändern oder wegfallen, dass viele keinen Anschluß mehr alten können oder es schlicht einfach keine Arbeit geben wird und dies heute schon klar sein muß.

    Und wir glauben in Deutschland fast weltfremden Politikern, dass es bei uns anders sein soll und uns die Zuwanderung mit Immigranten und Flüchtlingen in der demographischen Entwicklung helfen wird.

    Wenn ich in der Stadt bei Arzt bin und mich umschaue, sehe ich was morgen sein wird. Und nicht nur da.

    Das nennt man dann Realitätserfassung, sehr gehrte Politiker/-innen im Elfenbeinturm in Berlin.

  • Die Zuwanderung von Millionen von Fachkräften, sollte doch die Zahlen von Herrn Schwarz wesentlich verbessern. Es kann nur so sein, daß der Mehrwert noch nicht erfaßt werden kann, er ist sozuscheiben immateriell.

  • Wenn ein Geldfälscher den Markt mit 'Blüten' bereichert, ist er kriminell. Wenn Draghi künstlich den Geldmarkt aufbläht, dann ist er ein Held - merkwürdig.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%