EZB-Ratssitzung
Mario Draghis Balanceakt

Nicht nur klassische Verfechter einer straffen Geldpolitik wie Bundesbank-Präsident Jens Weidmann plädieren für einen baldigen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Doch welche Signale sendet EZB-Präsident Mario Draghi?
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FrankfurtViele Sparer sehnen ein schnelles Ende der lockeren Geldpolitik in der Euro-Zone herbei. Mario Draghi könnte hierfür am heutigen Donnerstag ein Signal setzen. Nach der Ratssitzung in der estnischen Hauptstadt Tallin allerdings dürfte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) allenfalls leise Andeutungen einer geldpolitischen Wende machen.

Viele Ökonomen erwarten, dass die Notenbank ihre Kommunikation vorsichtig anpasst. Dies gilt als wichtiger Zwischenschritt auf dem Weg zum Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik. Konkrete Ankündigungen zum Abschmelzen der billionenschweren Anleihenkäufe der Notenbank werden allerdings noch nicht erwartet. Auch an den Leitzinsen, die auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegen, dürfte nicht gerüttelt werden.

„Letztlich steuert die EZB unserer Einschätzung nach in Trippelschritten in Richtung einer Abkehr von der gegenwärtigen ultra-expansiven Geldpolitik“, sagt Zinsstratege Christian Reicherter von der DZ Bank.

Chefvolkswirt Holger Schmieding von der Berenberg Bank geht davon aus, dass sich die Notenbank zuversichtlicher zur Konjunktur äußern wird: „Ich erwarte, dass die EZB bei der Risikobilanz angesichts der jüngsten Konjunkturentwicklung auf neutral schalten wird.“ Bisher betont die EZB die Abwärtsrisiken.

Noch einen Schritt weiter würde die EZB gehen, wenn sie auch ihren Zinsausblick anpasst. Bisher geht sie davon aus, dass die Zinsen für längere Zeit „auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben“. Wenn Draghi den Passus „oder einem niedrigeren Niveau bleiben“ streicht, schließt er damit de facto weitere Zinssenkungen aus.

Derzeit hat die EZB nicht nur den Leitzins auf null Prozent gesenkt, sondern kauft auch für monatlich 60 Milliarden Euro vornehmlich Staatsanleihen der Euro-Länder. Damit will sie die Inflation im gesamten Währungsraum in Richtung ihres Ziels von knapp unter zwei Prozent bringen. Die Käufe sind bis Dezember 2017 terminiert.

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Viele Stimmen im Rat mahnen zur Vorsicht

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  • @ Herr Narciso della Caccia08.06.2017, 13:57 Uhr
    "Die Welt ist massiv überschuldet, die Wirtschaft kann nur noch durch die Geldschwemmen der Zentralbanken am Laufen gehalten werden."

    Dann bekommen wir halt statt eines realen Wachstums ein inflationiertes Wachstum, das uns ermöglicht, aus den Schulden rauszuwachsen, Hauptsache Wachstum. :)

  • @Herr Holger Narrog Ihre Unverschämtheit ist gut, aber Sie können sich noch steigern! :D

    Auf geht's!

  • Der EZB-Beschluss enthält folgenden Passus: „Der EZB-Rat geht davon aus, dass die EZB-Leitzinsen für längere Zeit und weit über den Zeithorizont des Nettoerwerbs von Vermögenswerten hinaus auf ihrem aktuellen Niveau bleiben werden.“

    So siehts aus, alles andere wäre das Ende des Euros und mancher Staaten.
    Längere Zeit meint mind. 2 bis 3 Jahrzehnte.
    Die Welt ist massiv überschuldet, die Wirtschaft kann nur noch durch die Geldschwemmen der Zentralbanken am Laufen gehalten werden.
    Staaten, Private und viele Unternehmen sind überschuldet und hängen an den Kreditlinien der Banken.
    Warum machen sich unsere Medien nicht ehrlich und bringen die tatsächliche Lage der Welt auf die Agenda?
    Klare Fakten, anstatt diese täglichen fakenews!
    Traut auch endlich der Wahrheit ins Auge zu sehen!

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