EZB-Ratssitzung

„Wir können weitere Mittel aus der Schublade ziehen“

Die EZB senkt ihre Wachstumsprognose, hält aber den Leitzins stabil. Mario Draghi betont, dass die Notenbank zu weiteren Aktionen bereit sei. Auch zur Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht äußerte er sich.
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EZB-Chef Mario Draghi hält sich geldpolitisch alle Optionen offen. Quelle: dpa

EZB-Chef Mario Draghi hält sich geldpolitisch alle Optionen offen.

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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) lässt den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,5 Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Nach der Zinssenkung im Mai und angesichts zuletzt überraschend guter Stimmungsdaten aus vielen Unternehmen der Eurozone hatten die meisten Volkswirte weder eine weitere Senkung des Leitzinses noch zusätzliche Stützungsmaßnahmen erwartet.

EZB-Chef Draghi betonte jedoch: „Wir können jederzeit unkonventionelle Maßnahmen aus der Schublade ziehen.“ Der Rat habe ausführlich darüber diskutiert. Derzeit rechtfertige die Entwicklung aber keine weiteren Aktionen.

Die EZB korrigierte ihre ohnehin schon pessimistische Konjunkturprognose für die Euro-Zone noch einmal nach unten. Das Bruttoinlandsprodukt werde dieses Jahr voraussichtlich um 0,6 Prozent schrumpfen, hieß es in den Projektionen. Im März hatte sie noch mit einem Rückgang von 0,5 Prozent gerechnet. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet nur mit minus 0,3 Prozent. "Wir erwarten eine schrittweise Belebung im Laufe des Jahres", sagte EZB-Präsident Mario Draghi in Frankfurt. Das Tempo der Konjunkturerholung werde aber gedämpft ausfallen. 2014 soll es dann ein Wachstum von 1,1 (bislang: 1,0) Prozent geben.

Auf der Ratssitzung habe man verschiedene Aktionen diskutiert, um die Kreditvergabe an kleine- und mittelständische Unternehmen zu stützen, sagte Draghi. Er nannte beispielsweise die Möglichkeit, mittelständische Kredite zu verbriefen. Außerdem sei bereits beim letzten Mal über die Möglichkeit eines negativen Einlagezinses diskutiert worden. Dabei geht es darum, dass die EZB von Banken, die Geld bei ihr parken, Strafgebühren verlangen könnte. Draghi stellte klar: "Wir sind technisch zu negativen Einlagezinsen bereit."

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  • Draghi ist der Chef von Europa, weil er das Geld zur Staatsfinanzierung bereitstellt. Die Polit-Komiker können
    sich jetzt über wichtigere Themen wie Ölkannen, Homo-Ehe und die Bürgersteigbreite beraten, das entspricht auch eher ihren Fähigkeiten. Ist doch alles O.K. oder?

  • Ein Goldman, der der Mafiabank Milliarden geschenkt hat ist EZB-Chef. Damit hat die Finanzmafia einen Top-Lobbyisten in eine Spitzenposition gebracht, und er erfüllt seinen Auftrag. Am Ende werden Billionen Euro von den Bürgern zu den Reichen wandern. Die Maschine läuft.

    Warum er nun die Flasche Asmussen nach Karlsruhe schickt bleibt noch undurchsichtig. Aber es sollte auch der Aufgabe dienen.

  • Dudeneintrag aus dem Jahre 2030 (10 Jahre nach dem Zerfall der EU):

    Dragisches Geld; Synonym: für werloses Falschgeld
    Herkunft: im Zuge des Zerfalls der EU auf Grund der exzessiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank unter ihrem Präsidenten Mario Draghi, sprichwörtlich aus der vollkommenen Entwertung der damaligen Währung "Euro" entstanden: "Mit dragischem Geld bezahlen"

  • Wenn Europa mir gehören würde: würde ich sofort wegschmeißen.

  • Was Draghi seit 2012 macht ist völlig irre.Er hat bi sheute nichts verstanden.Die Staaten sind bankrott,die Realwirtschaft erlebt keinen Aufschwung,die Aktienmärkte haben sich von der Realität entkoppelt.Die Drohung der EZB für Negativzinsen zeigt wo unser Bankensystem steht.Solche Strategien der Notenbank machen das System nicht stabiler,sie bewirken das Gegenteil.Es kann uns jederzeit um die Ohren fliegen.Wir sind genau betrachtet nur noch von Risiken umgeben und sitzen am Roulettetisch der EZB von der wir noch abhängig sind.Eine Schuldenbereinigung ist nicht in Sicht,von Umdenken keine Spur.Solange dies anhält sitzen wir eben auf dem Pulverfass,mit Draghi sind Umdenken und Lösungen nicht möglich. Sorry Draghi, you´re a failure for this job.Resign!

  • Vielleicht lohnt eine kleine Vorschau?

    1. Die Mär von den überteuerten deutschen (und US) Aktien. Deutschlands Wirtschaft hat die Finanzkrisen 2009 und 2011/12 genauso wie die der USA derart gestärkt hinter sich gebracht, daß viele Unternehmen größtenteils zurecht deutl. über 2007er Börsenwerten notieren (Dividenden nicht vergessen!). Im KGV siehts in weiten Teilen deutl. besser aus als damals.

    Ergo: Aktien sind nicht mehr günstig (wie noch Mitte 2012) aber auch nicht zu teuer. Eher sind mentale Schranken in zu vielen Köpfen zu sehen.

    2. Fast alle großen Wirtschaften der Welt tun derzeit beinahe alles, ihre Wirtschaften anzukurbeln, das läßt zumindest hoffen. Dazu gehört auch das Mittel der Finanzpolitik. Gehen die Zinsen nun in Kürze doch wieder etwas hoch, wie es der aktuell sehr bewußte und sehr präzise vorgetragene Vorstoß in den USA ankündigte, gehen die Börsen kurz in Deckung (geschieht gerade), stürzen aber nicht ab.

    Ergo: Wirtschaft in D und US wird schlimmstensfalls noch etwas stagnieren, eine weltweite Erholung ist aber deutl. wahrscheinlicher als ein Rückfall.

    Das ist alles. Interessant, daß über diese trivialen Zusammenhänge so viele hochangesehenen Personen soviel Unterschiedliches zu sagen haben.

    Wer Draghi & Bernanke verteufelt, hat bei der VWL-Vorlesung gepennt. Oder arbeitet für Pimco. Oder beides.

  • Tja,
    immer wenn ich draghi seh, -so habe ich mir immer den klassischen Mafiosi vorgestellt-. hätte mir nie gedacht, dass die mal an die macht kommen.
    Wer hätte sich auch 33 in Deutschland sich das Jahr 45 vorstellen können.
    Mittlerweile ist Widerstand zwecklos!

  • GoldmanSachs-Figuren ist ALLES, wiederhole ALLES, zuzutrauen.

    Unsere korrupten Zustimmäffchen werden dafür sorgen dass es "rechtmäßig" wird, sowas hat Tradition in Deutschland...

  • Oha, da werden Sie aber sicher vom Zensorkollektiv Felix Dscherschinski noch einen Rüffel wegen VTlerei bekommen.

    Verbunden mit einem hanebüchenen "is doch nich alles schlecht" Vergleich.

  • Das stimmt, Schaarschmidt.
    Wir müssen vom über-den-einen-Kammm-scheren weg.
    Und das geht nur, wenn wir akzeptieren, dass die Südländer frisches Geld für lau brauchen. Und wir uns dann halt auch drüber klar werden, dass es bei uns auch nicht ohne geht.
    Dann gehen wir den Weg über frisches Geld.
    Aber wir fangen damit "was Richtiges" an und die werfen es in ihr Finanzloch um nicht unterzugehen.

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