EZB-Ratssitzung: Wo bleibt die Inflation?

EZB-Ratssitzung
Wo bleibt die Inflation?

Mario Draghi stellt die Inflationsprognose der EZB vor. Inzwischen sind die Warnungen mancher Experten vor einer Hyperinflation verstummt. Die größere Gefahr sind fallende Preise. Sie könnten Draghi zum Handeln zwingen.
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DüsseldorfKnapp drei Jahre ist es her, da titelte die Wirtschaftswoche: „Axel Weber geht, die Inflation kommt.“ Zum damaligen Zeitpunkt hatte Axel Weber gerade seinen Rücktritt als Bundesbank-Chef erklärt. Die Story lässt sich knapp zusammenfassen: Webers Rücktritt sei das Signal für eine Neuausrichtung der europäischen Geldpolitik  –  nun drohe mehr Inflation. Nicht wenige Ökonomen vertraten diese These. Sie stützten sich zum Beispiel auf die anschwellende Bilanzsumme der Europäischen Zentralbank (EZB). Auf dem Höhepunkt der Krise im Sommer 2012 war diese auf immerhin 3,1 Billionen Euro gestiegen. Oder auf die Anleihekäufe der EZB.

Inzwischen ist klar: Die große Inflation bleibt aus. „Es wird auf absehbare Zeit in der Euro-Zone keine hohe Inflation geben“, sagt Christian Schulz, Ökonom von der Berenberg Bank. Wenn überhaupt, besteht die Gefahr sinkender Preise. Das hat verschiedene Gründe. Aber der Reihe nach.

Am heutigen Donnerstag hat die EZB beschlossen, den Leitzins unverändert bei 0,25 Prozent zu belassen. Auf seiner Pressekonferenz um 14.30 Uhr wird Mario Draghi die Inflationsprognose der EZB bis 2016 vorstellen. Bislang rechnet die Notenbank für 2014 mit einer Kerninflation von 1,3 Prozent. Damit ist der um besonders schwankungsanfällige Güter wie Energie bereinigte Preisanstieg gemeint. Doch zwischen Prognose und Realität klafft eine Lücke: Im Februar stieg die Kerninflation zwar von 0,8 auf 1,0 Prozent – damit liegt sie aber immer noch deutlich unter dem von der EZB prognostizierten Wert. „Trotz des überraschenden Anstiegs wird die EZB wohl gezwungen sein, ihre Inflationsprojektionen für 2014 und 2015 am Donnerstag zu reduzieren“, erwartet Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer.

Auch wenn am Zins nicht gedreht wird, könnte die Revision der Prognose eine weitere Lockerung der Geldpolitik nach sich ziehen. Schließlich würde damit das Inflationsziel der EZB von unter, aber nahe zwei Prozent in noch weitere Ferne rücken. Nach der vergangenen EZB-Sitzung hatte Draghi betont, er wolle vor weiteren Schritten zunächst die Inflationsprognose abwarten. „Die prominente Erwähnung der Inflationsprognose durch Draghi hat die Erwartung geweckt, dass die EZB aktiv werden könnte“, sagt Berenberg-Ökonom Schulz. Inzwischen sei dies aber unwahrscheinlich geworden. Die neuen Daten zu Inflation und Konjunktur hätten den Druck deutlich gemindert.

Nicht nur die Kerninflation im Februar ist gestiegen. Auch die Einkaufsmanagerindizes für die Euro-Zone und der Ifo-Index über die Stimmung der deutschen Unternehmen fielen überraschend positiv aus. Ganz ausschließen will aber auch Schulz eine weitere geldpolitische Lockerung nicht. „Denkbar wäre, dass die EZB den Vorschlag der Bundesbank aufgreift und auf die geldpolitische Neutralisierung der Anleihekäufe verzichtet“, sagt er.

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  • @Liesa

    1- wir haben keine Deflation und wir werden auch keine haben, wenigstens in nächster Zeit nicht. Deflation ist definiert durch Unterversorgung des Marktes mit Geld. Geld ist aber gerade mehr als reichlich in Umlauf. Was uns zur Zeit zu einigermaßen stabilen Preisen verhilft, ist der Preisdruck durch die Schwellenländer und die allgemeine Verunsicherung, die zu Investitions- und Kaufunlust führt.

    2- Für Inflation braucht es keinen Staat und schon garnicht die Gießkanne der sozialen Wohltaten. Inflation ist historisch schon nachgewiesen, als es noch keinen Staat gab, und schon gleich garkeinen Sozialstaat. Inflation entsteht durch Geldübergang. Den haben wir bereits, nur wird er gebremst durch die ungewöhnlich niedere Umlaufgeschwindigkeit. Das lockere Geld fließt zurück zur Quelle, der EZB, als Einlagen. Das kann sich jedoch jederzeit und überraschend ändern. Vergl. meinen früheren Beitrag hier.

  • ich find die ja langsam richtig geil. Erst labern die das volk so lange zu, dass das volk glaubt das eine 10%ige preiserhöhung eigentlich nur 1,5% sind. Und jetzt, wo selbst michel langsam bemerkt das es doch 10% sind, macht man michel angst vor einer deflation.

    Einfach nur cooL!
    Langsam verstehe ich, wofür die etwa 150 preise(z.b. karlspreis) da sind. Die typen sind alle nur genial.
    Verarschen und berauben das volk und lassen sich dafür noch wählen und bezahlen.
    Perfekter gehts kaum.

    Ich nur dominastudios sind noch genialer.

  • Dann frage ich mich, warum die Immobilienpreise in anderen europäischen Ländern erheblich nachgeben ;-) In rd. 25 Jahren leben vorraussichtlich nur noch rd. 60 Mio. Menschen in Dtl. Zur Zeit wandern jährlich rd. 250.000-300.000 Menschen nach Dtl. ein, was vor wenigen Jahren ilusorisch erschien. Warum war Deutschland noch nie ein besonderns interessanter Markt für Immobilienakteure (Kappungsgrenzen, Mietrecht, und ganz neu Mietpreisbremse)? Alles in allem keine Inflation... eher pähnomenal. Ich möchte die Gesichter sehen, wenn die Preise um 30 % nachgeben - wenn es in der Schweiz, Niedlande, Frankreich, Spanien, Tschechien etc etc am Immobileinmarkt wieder aufwärts geht. Was haben veränderte Angebots- und Nachfragesituationen mit Inflation zu tun? Es ist ja in Deutschland nicht so, dass die Immobilienpreise/ -mieten (unter sonst gleichbleibenden Bedingungen) plötzlich anziehen würden, wie es bei einer Inflation üblich wäre...

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