EZB-Schattenrat
Experten bezweifeln Wirkung der EZB

Der Schattenrat begrüßt die Beschlüsse des Gipfels in Brüssel zur Bankenunion. Die Experten erwarten außerdem weitere Schritte der EZB. Der Einfluss, den die EZB mit ihrer Geldpolitik nehmen könne, sei aber gering.
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Die meisten Analysten rechnen damit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag erstmals den Leitzins unter ein Prozent senkt, um eine tiefe Rezession zu verhindern. Bei der letzten Sitzung des EZB-Schattenrats sprachen sich 13 der 15 europäischen Banken-Chefvolkswirte und Wirtschaftswissenschaftler für eine Senkung des EZB-Leitzinses von einem auf ein halbes Prozent aus. Die meisten messen diesem Schritt allerdings nur eine symbolische Bedeutung bei.

"Eine Zinssenkung wird die Nachfrage in den Ländern anregen, in denen die Übertragung der geldpolitischen Impulse über die Banken in die Wirtschaft noch funktioniert", sagte Andrew Bosomworth, Senior Fund Manager bei Pimco in München. "Aber die Wirkung auf die Wirtschaft in den Ländern, die das private Kapital scheut, wird mehr symbolisch sein, weil sich an der ungleichen Liquiditätsverteilung nichts ändert", fügte er hinzu.

"Eine Zinssenkung ist besser, als gar nichts zu tun, und sollte wenigstens das Vertrauen etwas stärken", gab Janet Henry, Europa-Chefvolkswirtin der britischen HSBC eine verbreitete Meinung in dem Gremium wieder. Außerdem würde eine Senkung des Ausleihzinses der EZB die Finanzierungskosten der Banken in den Krisenländern senken.

Neben dem Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich die Banken gegen Hinterlegung von Sicherheiten Kredite bei der EZB besorgen können, sollte die EZB nach Ansicht der Volkswirte auch den Einlagensatz senken, zu dem diese überschüssige Liquidität auf EZB-Konten parken können. Damit würde es für diese interessanter, so die Hoffnung, das Geld an andere Institute mit Liquiditätsbedarf weiterzugeben, anstatt es bei der EZB zu parken. Der Einlagensatz liegt derzeit bei 0,25 Prozent.

Einige der Schattenräte halten auch einen leicht negativen Einlagensatz für erwägenswert. Von einer Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes profitieren vor allem die Banken in den Krisenstaaten. Dagegen werden die Banken in Deutschland und anderen stabileren Ländern belastet, wenn der Einlagensatz sinkt. Denn die Liquidität, die die Banken in den Krisenländern bei der EZB holen, findet zu einem großen Teil ihren Weg in die starken Länder, wo die Banken sie zum Einlagensatz bei der EZB anlegen müssen.

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  • insbesondere letzte absatz: dem auto und herr werner viellen dank!!!!!!!!!!!!!!!

  • Frau Merkel bei Geheimabsprachen erwischt ? Ewige Zinsen ?

    http://www.focus.de/digital/handy/handy-geschichte-mobilfunk-im-wandel-der-zeit_did_12098.html

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