EZB-Sitzung Die unheimliche Stärke des Euro

Der Euro steigt und steigt – seit Ende 2012 hat er gut 15 Prozent zum Dollar aufgewertet. Für die EZB kommt das zur Unzeit. Der starke Euro schwächt die Wirtschaft und weckt Deflationsangst. Das setzt Draghi unter Druck.
35 Kommentare
Der starke Euro wird zur Last für die Wirtschaft im Euroraum und zum Problem für die EZB. Quelle: Getty Images

Der starke Euro wird zur Last für die Wirtschaft im Euroraum und zum Problem für die EZB.

(Foto: Getty Images)

DüsseldorfSogar Jens Weidmann sah sich zu einer Stellungnahme genötigt. Wenn der Euro so stark steige, dass er die Inflation spürbar beeinflusse, würde er einer weiteren Zinssenkung den Vorzug gegenüber anderen unkonventionellen Maßnahmen geben, sagte der Bundesbank-Chef vor einer Woche im Gespräch mit Market News.

Dies sind ungewöhnliche Töne vom stärksten geldpolitischen Hardliner im EZB-Rat. Das Wort Zinssenkung geht Jens Weidmann nicht alle Tage über die Lippen. Fast hätte man meinen können, er sei allergisch dagegen. Der Grund für die ungewöhnlichen Worte ist der Höhenflug des Euro. Seit Ende 2012 hat die europäische Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar etwa 15 Prozent an Wert gewonnen. Die Euro-Aufwertung kommt für die EZB zur Unzeit. Sie macht Importe billiger und drückt damit das Preisniveau.

Dabei steigen die Preise ohnehin schon viel langsamer als von der EZB vorgesehen. Ihr langfristiger Zielwert für die Inflation liegt bei knapp zwei Prozent. Im März fiel die Inflationsrate jedoch auf 0,5 Prozent. Nach Schätzung der EZB drückt eine Euro-Aufwertung um zehn Prozent die Inflation langfristig um 0,5 Prozentpunkte. Je mehr sich die Preiseentwicklung der Nullmarke nähert, desto größer die Gefahr, in einen Teufelskreis zu geraten. Die Erfahrung aus Japan zeigt: Wenn erst mal die Unternehmen und Haushalte mit sinkenden Preisen rechnen, lässt sich eine Spirale aus Preisrückgängen und einer Rezession nur schwer stoppen.

Doch nicht nur die dämpfende Wirkung des starken Euro auf die Preise ist ein Problem. Auch für die Wirtschaft im Euroraum ist ein hoher Euro-Kurs Gift. Er verteuert die Exportprodukte aus den Euro-Ländern und erschwert damit die Anpassung für die südeuropäischen Länder.

„Die Zeit zu reden ist vorbei“
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: EZB-Sitzung - Die unheimliche Stärke des Euro

35 Kommentare zu "EZB-Sitzung: Die unheimliche Stärke des Euro"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ad 1) Die Schweiz hat eher ein Deflations-, denn ein Inflationsproblem (s.u.). Individuelle Pseudo-Wahrenkörbe mögen gefühlt einen anderen Effekt haben, sind aber unerheblich. Wie viel Cola trinken Sie denn so auf der Skihütte? Wie oft parken Sie dort? An wie vielen Kongressen nehmen Sie teil? Welchen Teil machen diese Posten an ihren Ausgaben aus? Nonsens.
    Ad 2) Eine einzige Stadt in Japan liegt unter den zehn teuersten, das ist Fakt:
    http://www.focus.de/finanzen/news/tokio-von-der-spitze-verdraengt-das-sind-die-teuersten-staedte-der-welt_id_3660766.html Japan steckt seit langer Zeit in der Deflation. Der angebliche Dr.-Titel ist wohl aus der Vererinärmedizin, nur können Sie einem Wirtschaftswissenschaftler nichts vom Pferd erzählen.
    Ad 3) Die SNB verkauft im Rahmen ihrer Offenmarktgeschäfte CHF-Papiere und kauft EUR-Papiere. Die Geldmenge wird dadurch nicht verändert. Dadurch sind rund 50% der SNB-Bilanz EUR: http://www.snb.ch/ext/stats/balsnb/pdf/defr/A3_2_Devisenanlagen_der_SNB.pdf
    Somit ist es richtig, das die Schweiz "im Risiko" ist - so wie alle anderen Zentralbanken auch, denn der EUR macht global rund 25% der Devisenreserven aus.

  • > Die SNB druckt anders als Fed und BoJ nicht Geld. Sie interveniert am Devisenmarkt, um den Mindestkurs EURCHF von 1,20 zu verteidigen.

    Und für diese Interventionen "druckt" sie CHF in sehr, sehr grossen Mengen. Die USD des FEDs landet zu einem großen Teil wieder auf Konten des FEDs in Form von "excess reserves". Diese liessen sich durch Auflagen, Vorschriften oder Gesetze regulieren.

    Die CHF landen bei irgendwelchen Käufern, die in vermeintliche Sicherheit flüchten. Die SNB legt die gekauften USD und EUR in europäische Staatsanleihen (hauptsächlich dt. + fr.) an. Das ist gewissermassen der 3. Rettungsschirm für die Eurozone. Damit hängt die Schweiz mit im Risiko.

  • Wie niedlich, es gibt immer noch Menschen, die an das Deflationsmärchen glauben.

    Von den 10 teuersten Städten der Welt liegen 6 in Japan. Und das nach über 20 Jahren Deflation.

    2013 kostete die Cola 0,5l auf der Skihütte 5,- SFr., 2014 kostet sie 6,- SFr., Parkplätze wurden gebührenpflichtig gemacht, das Tagesticket für den Skilift kostet 10% mehr. Kongressteilnahme (z.B. KATZ) 20% mehr. Sprit bleibt teuer. Eine neue Immobilienblase bläht sich auf, aber Immobilien sind ja nicht Teil des Warenkorbs.

    Spannend, dass die Statistiker sich trauen, die Teuerung mit einer Genauigkeit von 3 Stellen hinter dem Komma anzugeben. Vielmehr be-ein-druck-end. ;-)

  • 1. Die SNB druckt anders als Fed und BoJ nicht Geld. Sie interveniert am Devisenmarkt, um den Mindestkurs EURCHF von 1,20 zu verteidigen.
    2. In den letzten Monaten herrschte in der Schweiz eher Deflation:
    Februar 2014 -0,141 %
    Januar 2014 0,054 %
    Dezember 2013 0,067 %
    November 2013 0,080 %
    Oktober 2013 -0,255 %
    September 2013 -0,055 %
    August 2013 -0,045 %
    Juli 2013 -0,003 %
    Juni 2013 -0,128 %
    Mai 2013 -0,507 %
    3. Die einzige Inflationsgefahr dort geht vom irrationalen Preisdruck am Immobilienmarkt aus (klassische asset price inflation). Ob und wenn ja wann sich daraus eine allgemeine Teuerung entwickelt, kann niemand mit Sicherheit sagen.

  • Länder wie Griechenland sind seit Einführung des Euro nicht deshalb so richtig unter die Räder gekommen, weil die eigenständig bepreiste Drachme abgeschafft wurde, sondern weil sie für die Staatshaushaltsfinanzierungen mit Anleihen die gleichen Zinssätze erhalten haben wie z.B. Deutschland. Die Zinssätze hätten mindesten 2%-Punkte höher sein müssen. Die Bepreisung von Währungen führt dazu, daß u.a. durch Gelddrucken seitens der Zentralbanken(z.b. Schweiz. Nationalbank, Jap. Nationalbank, USFed) der Währungswert absichtlich und künstlich gemindert wird. Der sfr stünde ohne das Gelddrucken der SNB deutlich höher als er aktuell steht( 1 sfr= 1 € und nicht 1 sfr= 0,82 €). Dies wird sich in Zukunft inflationär auswirken, oder anders ausgedrückt, der Wert der sich im Umlauf befindlichen Währungen wird willkürlich gemindert.

  • Länder wie Griechenland sind seit Einführung des Euro deshalb so richtig unter die Räder gekommen, weil sie für die Staatshaushaltsfinanzierungen mit Anleihen die gleichen Zinssätze erhalten haben wie z.B. Deutschland. Die Zinssätze hätten mindesten 2%-Punkte höher sein müssen. Die Bepreisung von Währungen führt dazu, daß u.a. durch Gelddrucken seitens der Zentralbanken(z.b. schweiz. Nationalbank) der Währungswert absichtlich und künstlich gemindert wird. Der sfr stünde ohne das Gelddrucken der SNB deutlich höher als er aktuell steht( 1 sfr= 1 € und nicht 1 sfr= 0,82 €). Dies wird sich in Zukunft inflationär auswirken, oder anders ausgedrückt, der Wert der sich im Umlauf befindlichen sfr wird verwässert..

  • Danke. Ich will auch vorerst nur forschen. Für einen Einstieg ist es meiner Meinung nach noch zu früh. Die DWS hat einen recht grossen Fonds in diesem Bereich, Performance geht so.
    Daimler hat zuletzt eine Anleihe in China mit grossem Erfolg emittiert, allerdings nur 60 Mio. EUR (umgerechnet) Gegenwert. Ich denke aber, da wird sich in den nächsten Monaten etwas bewegen. Und wenn Mario es den Japanern nachmachen will, dann sinkt mein Bedarf an EUR-Anlagen im Nichtaktienbereich Richtung 0...

  • Keine gute Idee: Ziel der KPCh war es, über Dim-Sun-Bonds den Yuan salonfähig zu machen, was aber nicht wirklich funktioniert. Funding in USD und Swap CNY ist deutlich günstiger für die Firmen. Gleichzeitig wird die chinesische Währung gezielt abgewertet (siehe EURCNY und USDCNY seit Anfang Januar). Viel Glück!

  • Geil, der Drucker will über das "Design von QE" nachdenken. Anders gesagt: Die GS-Anwälte sollen überlegen, wie die EZB am EU-Recht vorbei operieren könnte. Da können sich die Junges beim Bundesgrundgesetzgericht ja schon mal ein paar Termine blocken...und ich werde mal nach Anleihen in chinesischer Währung forschen :-)

  • Heht doch schon mal in die "richtige" Richtung
    EZB-Chef Draghi: Fragmentierung des Kreditmarktes muss weiter reduziert werden
    vor < 1 Min (14:45) - Echtzeitnachricht
    Wie ich diese Zentralbanktage liebe, es gibt keinen schöneren Markt...

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%