EZB-Sitzung in Neapel
Draghi kauft jetzt auch „Ramschpapiere“

Zinsen gesenkt, Geld verteilt, Euro abgewertet – die EZB hat viel versucht, doch die Krise ist immer noch da. Jetzt geht die Zentralbank noch einen Schritt weiter. Kritiker warnen, die EZB werde zur „Bad Bank“.
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DüsseldorfWenn es um den Euro geht, dann lässt es Mario Draghi nicht an Entschlossenheit vermissen. Der EZB-Chef bewahrte die europäische Währung mit seiner berühmten „Whatever it takes“-Rede vor dem Zusammenbruch. Er senkte die Zinsen fast bis auf Null, stellte den Banken billige Kredite zur Verfügung. Beim heutigen Treffen der Europäischen Zentralbank (EZB) in Neapel legte Draghi nochmals nach: Die EZB will für ihr neues Wertpapier-Ankaufprogramm bis zu eine Billion Euro in die Hand nehmen.

Das Geld soll erstmals in umstrittene Kreditverbriefungen – sogenannte Asset Backed Securities (ABS) – und Pfandbriefe (Covered Bonds) fließen. ABS haben nicht den besten Ruf. Es handelt sich um komplexe Finanzinstrumente, die als Mitauslöser der Finanzkrise gelten. Unter den Papieren, die Notenbank aufkaufen will, sollen auch Vermögenswerte aus Griechenland und Zypern sein, deren Rating unterhalb von „BBB-“ liegt. Solche Papiere werden von Investoren als „Ramsch“ bezeichnet.

Ziel der Maßnahme: Durch den Verkauf an die EZB könnten die privaten Banken ihre Bilanzen bereinigen, hätten dadurch wieder mehr Spielraum, Kredite an die Wirtschaft zu vergeben. Genau das missfällt manchem Kritiker: Sie warnen vor einer Verlagerung von Risiken auf die Steuerzahler. „Mit dem Ankauf von ABS – welcher Qualität auch immer – nimmt die EZB enorme Risiken in ihre Bilanz und macht sich zu einer europäischen Bad Bank“, erklärte der ehemalige EZB-Direktor Jürgen Stark im Handelsblatt.

„Auch wenn die EZB nicht müde wird, das Gegenteil zu behaupten: Sie betreibt eine fiskalische Rettungspolitik, zu der sie durch die EU-Verträge explizit hätte befugt werden müssen“, sagte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Es sei offenkundig, dass die EZB damit ihr Mandat überschreite. „Die Bundesregierung ist verpflichtet, aktiv dagegen vorzugehen“, forderte Sinn.

Kommentare zu " EZB-Sitzung in Neapel: Draghi kauft jetzt auch „Ramschpapiere“"

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  • »Mario Draghi geht voran: Der Rat der EZB tagt heute ausnahmsweise nicht in Frankfurt, sondern in Neapel.«

    So, so Neapel, mir schwant Schlimmes.

  • Manchmal helfen Simplifizierungen: wenn heute Geld = Schuld ist (und nicht mehr eine Ware wie früher), dann kann eine Notenbank natürlich auch nur Schuldscheine emittieren. Somit sind die Schuldschein-Besitzer bzw. Scheingeld-Eigentümer (im doppelten Sinne!) die Gläubiger. Wenn nun eine Notenbank zur "Bad Bank" wird, was passiert dann letztendlich mit der Währung = den Schuldscheinen, die sie herausgibt?
    Es gilt das "Voltaire´sche Gesetz" (da es in der Geldgeschichte keine einzige Ausnahme gibt):
    "Papiergeld kehrt früher oder später zu seinem inneren Wert zurück – zu Null."
    Warengeld dagegen besitzt immer einen intrinsischen Wert. Es kann niemals wertlos werden (und es kann im Gegensatz zu Schuldgeld ultimativ Schulden tilgen).

  • @Rudolf Riedl: Der war gut. Dann sind es also Goldzähne ohne Verblendung, richtig?

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