EZB-Sitzung Was, wenn Mario Draghi auch anders kann?

Nach Jahren der Geldflut hat die Europäische Zentralbank einen ersten kleinen Schritt hin zu steigenden Zinsen gewagt. Analysten mahnen vor der Ratssitzung am Donnerstag, die EZB auf ihrem neuen Kurs nicht zu unterschätzen.
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Es wäre nicht das erste Mal, das Mario Draghi die Finanzwelt überrascht. Quelle: dpa
Mario Draghi

Es wäre nicht das erste Mal, das Mario Draghi die Finanzwelt überrascht.

(Foto: dpa)

EZB gleich ultralockere Geldpolitik - mit der Europäischen Zentralbank verbinden die meisten Niedrigstzinsen und eine gigantische Geldschwemme. Seit Jahren fluten die Währungshüter die Märkte mit billigem Geld um nach Euro- und Staatsschuldenkrise die Wirtschaft im Euro-Raum anzukurbeln.

Dabei gingen die Zentralbanker unter ihrem Präsidenten Mario Draghi alles andere als zimperlich vor. Erst verabreichte man den klammen Banken eine gewaltige Liquiditätsspritze, Draghi sprach 2012 von einer „dicken Bertha“. Dann, 2014, wurde aus dem Einlagenzins für Banken ein Strafzins. Im März 2016 drückte man schließlich den Leitzins nach anderthalb Jahren von 0,05 Prozent noch tiefer auf das Rekordniedrigniveau von null Prozent.

Schon ein Jahr zuvor begann die EZB im Monatsrhythmus, Staats- und später auch Unternehmensanleihen im zweistelligen Milliardenwert zu erwerben. Das Kaufprogramm wurde jüngst verlängert und hat ein Gesamtvolumen von 2,4 Billionen Euro.

Über diesen Anreiz sollen Geschäftsbanken das billig beschaffbare Geld vermehrt an Unternehmen verleihen und auf diese Weise Konjunktur und Inflation anzukurbeln – das in den Statuten festgelegte Ziel der EZB. Die Währungshüter peilen eine Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an. Bei dieser sehen sie ein stabiles Preisniveau, in dem die wirtschaftliche Entwicklung am nachhaltigsten gedeihen kann.

Freilich kann man darüber streiten, ob diese Strategie der Stimuli die richtige ist. Gerade in Deutschland sieht man die ultralockere Geldpolitik kritisch. Ökonomen diskutieren lebhaft. Sparer, Banken und Versicherer klagen über Niedrigzinsen. Der ehemalige Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble avancierte zwischenzeitlich zum Chefkritiker der EZB.

Die Konjunktur in Europa aber zieht an, der Ausblick hellt sich auf, die Preise steigen moderat und nähern sich der Zwei-Prozent-Marke – wenn auch nur langsam. Das lässt die kritischen Stimmen aber nur umso lauter werden. Denn mit jedem Schritt Richtung Ziel wächst der Druck auf die Zentralbanker, die Zügel zu strafen. Die Sorgen: Die Konjunktur könnte überhitzen, die Inflation überschießen, Vermögenswerte wie Immobilien oder Aktien eine Blase bilden.  

Auch innerhalb des Zentralbankrates selbst, der die geldpolitischen Entscheidungen trifft, nehmen die Diskussionen zu. Bundesbank-Chef Jens Weidmann plädiert schon seit längerem für eine strengere Gangart. Auf seiner Seite weiß er etwa die nationalen Notenbanken der Benelux-Staaten und des Baltikums. Mehrmals hatte Weidmann den expansiven Kurs in einer für Notenbanker ungewöhnlich deutlichen Art und Weise kritisiert.

Und inzwischen hat die EZB tatsächlich einen ersten Schritt hin zu einer Normalisierung unternommen. Auf der Sitzung im vergangenen Oktober halbierte der Rat die bis September 2018 verlängerten monatlichen Anleihekäufe auf 30 Milliarden. Der Anfang vom Ende der ultralockeren Geldpolitik.

Im jüngsten Beschluss aber sehen Experten einen Zeitenwechsel, wenn auch in Zeitlupe. Die auf Vorsicht bedachte EZB-Führung wird alles verhindern, was den Eindruck eines zu forschen Ausstiegs vermitteln könnte. Turbulenzen auf den Finanzmärkten wären gefährlich für Realwirtschaft. Gleichzeitig gilt es, Entschlossenheit und Handlungsbereitschaft zu demonstrieren.

Draghis „Jedi-Gedankentrick“
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1 Kommentar zu "EZB-Sitzung: Was, wenn Mario Draghi auch anders kann?"

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  • Was, wenn Mario Draghi auch anders kann?

    Wie jetzt? :)

    Wurde sein bisheriges Verhalten als Potenz angesehen?

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