EZB-Sitzung „Wir erwarten eine längere Phase niedriger Inflation“

EZB-Chef Draghi senkt die Inflationsprognose für 2014. Und er sagt: „Wir sind uns der Risiken einer niedrigen Inflation über einen langen Zeitraum bewusst.“ Vorerst handelt er aber nicht, sondern belässt es bei Worten.
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Wir haben eine schlagkräftige Artillerie von Waffen, sagte EZB-Chef Mario Draghi auf der heutigen Pressekonferenz. Quelle: dpa

Wir haben eine schlagkräftige Artillerie von Waffen, sagte EZB-Chef Mario Draghi auf der heutigen Pressekonferenz.

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FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) erwartet trotz der wirtschaftlichen Belebung im nächsten Jahr eine weiter abnehmende Inflation in der Euro-Zone. Die Ökonomen senkten ihre Prognose für die Teuerungsrate 2014 von 1,3 auf 1,1 Prozent. "Wir dürften eine längere Phase niedriger Inflation erleben", sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt.

Gleichzeitig machte er deutlich: „Wir sind uns der Abwärtsrisiken einer niedrigen Inflation über einen langen Zeitraum bewusst,“ sagte Draghi. Die Währungshüter hatten ihren Leitzins im November auf das Rekordtief von 0,25 Prozent gedrückt, um die Gefahr einer Deflation - einem Preisverfall auf breiter Front - frühzeitig zu bannen.

2015 soll die Teuerungsrate auf 1,3 Prozent steigen, das wäre immer noch weniger als in diesem Jahr mit 1,4 Prozent. Die EZB spricht nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent von stabilen Preisen. Draghi erwartet "eine schrittweise Aufwärtsbewegung" in Richtung dieser Marke.

Angesichts von niedriger Inflation und schwachem Wachstum sei der Grad der Bereitschaft geldpolitisch aktiv zu werden sehr hoch, sagte Draghi. Der Rat habe zum Beispiel kurz über einen negativen Einlagenzins diskutiert.

Über eine mögliche Neuauflage von Langfristkredite (LTRO) an die Banken äußerte sich Draghi zurückhaltend. Zwar seien die beiden Ende 2011 und Anfang 2012 aufgelegten LTROs sehr erfolgreich gewesen, sagte Draghi. Das damalige Umfeld sei jedoch ein anderes gewesen als jetzt. „Heute ist der Grad der Unsicherheit beträchtlich niedriger.“ Außerdem sei beim letzten Mal das Geld, das die EZB den Banken geliehen habe, vor allem in Staatsanleihen geflossen statt direkt in die Wirtschaft. Daher wolle die EZB beim nächsten Mal sicherstellen, dass das Geld auch in der Wirtschaft ankomme.

Kommt eine neue Geldspritze für die Banken?
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4 Kommentare zu "EZB-Sitzung: „Wir erwarten eine längere Phase niedriger Inflation“"

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  • Ist uns eigentlich bewusst, was für ein Schauspiel sich hier vor uns entfaltet? Die EZB - eine Bank! - rückt permanent in den Vordergrund, was das wirtschaftliche Schicksal ganzer Länder betrifft! Regelmässig erfahren wir von Banker-Tricks, welche das Geschick von Nationen heben oder stürzen. Früher einmal war es die Wirtschaftsleistung, die Innovation und Produktion eines Landes. Heute lauschen Millionen den Worten eines Mannes, der selber nie irgend etwas Produktives geleistet hat, noch um die Realität des normalen Alltags weiss. Und dabei inszeniert er sich wie der Papst höchstpersönlich. Wir sind wahrlich tief gesunken und in die Fänge von Schurken geraten.

  • Wenn ich den Gesichtsausdruck und insbesondere die Augen von dem Kerl sehe, friere ich. Dem würde ich nicht mal einen Cent anvertrauen, geschweige denn die Europäische Zentralbank mit entsprechenden Machtbefugnissen!

  • ..senkten ihre Prognose für die Teuerungsrate 2014 von 1,3 auf 1,1 Prozent. "Wir dürften eine längere Phase niedriger Inflation erleben"

    Erstens stimmen die Angaben nicht für jeden, der Energie, Lebensmitteln und zB Versicherungen kaufen oder Miete zahlen muss.

    Zweitens ist Deflation für den Verbraucher günstig und erwünscht - mit dem gleichen Geld kann man mehr kaufen (sofern die Packungsinhalten der Waren im Supermarkt nicht dauernd weniger werden und die Klopapierrollen kürzer !)

    Nur, die Deflation wird von gierigen Politikern und insolventen Banken gefürchtet wie das Weihwasser vom Teufel, weil die Basis für die Besteuerung verringert wird, Schulden auf- statt abgewertet werden und wertlose Posten in den Bilanzen keine Chance mehr auf eine künstliche Aufblähung haben.

  • Draghi erzählt nur die halbe Wahrheit. Deutschland wird tendenziell relative Deflation in den inflationär aufgeblähten (also rein nominell und nicht durch eigene Leistungen gedeckten) Süden exportieren. Soweit hat Draghi recht.

    Umgekehrt wird der Süden aber seine Inflation nach Deutschland exportieren. Dies wird durch massive Ungleichgewichte in der Erzeugung neuen Geldes unterstützt, welche im Süden um ein vielfaches höher ist als im realwirtschaftlich eigentlich aktivsten Deutschland. Die so produzierten Weicheuros wandern dann auch munter nach Deutschland ein.

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