EZB-Stresstest und Banken
Befreiungsschlag? Von wegen!

Es soll ein Wendepunkt in der Euro-Krise sein: Mit ihrem Stresstest will die EZB bei den Banken aufräumen und der lahmenden Wirtschaft im Euro-Raum Luft verschaffen. Doch der Schub dürfte nur schwach ausfallen.
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FrankfurtFür Mario Draghi ist es ein Meilenstein, wenn am Sonntag die Ergebnisse des Bankenstresstests auf dem Tisch liegen. Monatelang haben Experten des Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB) die Bilanzen von 128 Großbanken aus dem Euroraum durchleuchtet. Ihr Ziel lautete: Endlich Transparenz in die Zahlen der Institute zu bringen. Der umfangreiche Bilanzcheck soll das Vertrauen in die europäischen Banken stärken – und damit der schwächelnden Wirtschaft im Euroraum auf die Sprünge helfen.

Doch ob das gelingt, ist umstritten. „Der Stresstest wird kein Befreiungsschlag für die Konjunktur“, schreibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer Analyse. Die Berenberg Bank beziffert den Wachstumseffekt durch das Ende der Bilanzprüfung und den Stresstest für die Eurozone mit 0,2 Prozent. Zum Vergleich: Der aktuell schwache Wechselkurs des Euro bringt nach ihren Berechnungen einen positiven Konjunkturimpuls von ebenfalls 0,2 Prozentpunkten, der Rückgang des Ölpreises sogar 0,4 Prozentpunkte.

Die Skepsis von Ökonomen gegenüber dem Stresstest hat mehrere Gründe. Es gibt Zweifel, ob er wirklich der lahmenden Kreditvergabe auf die Sprünge hilft. Außerdem trifft der aktuelle Konjunktureinbruch die Banken hart: Ihnen drohen neue Abschreibungen auf notleidende Kredite und Staatsanleihen. 

Draghi dagegen gibt sich nach außen optimistisch. Bereits für 2015 rechnet er mit einem positiven Impuls für die Kreditvergabe der Banken. Sie war zuletzt in der Eurozone Monat für Monat gefallen. Einen wichtigen Grund dafür sieht die EZB in den Bilanzproblemen der Banken. Gerade in den Peripherieländern gibt es große Unsicherheit über faule Kredite, was ein wichtiger Grund dafür sein könnte, dass sich die dortigen Banken mit dem Neugeschäft zurückhalten und überproportional hohe Zinsen verlangen.

Die EZB beklagt, dass ihre Zinspolitik in Peripherieländern nicht ankommt. Obwohl sie den Leitzins auf das Rekordtief von 0,05 Prozent gesenkt hat, sind die Zinsen für Mittelständler in Portugal, Italien und Spanien zum Teil sehr hoch. 

Kommentare zu " EZB-Stresstest und Banken: Befreiungsschlag? Von wegen!"

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  • Der Stress wandert dann von den privaten Banken zur EZB. Das ist aber nicht weiter schlimm. Die EZB ist nicht so stressanfaellig. Und sollte sie etwas Kapital verlieren, kann sie ja neues Kapital von ihren Eignern anfordern. Die zieren sich auch bei einer Kapitalerhoehung nicht so wie die Aktionaere privater Banken.

    Und sollte einer der Mitgliedstaaten gerade etwas klamm sein, kann er sich bei den Geschaeftsbanken Geld leihen um die Kapitalerhhoehung mitzumachen.

    Hoert sich das nicht fast wie Ironie an?

  • Banken sind unter Stress, wenn sie zuwenig Eigenkapital haben oder zuviele zweifelhafte Kredite. Aber wer sollte ihnen mehr Eigenkapital geben, wenn sie zuviele zweifelhafte Kredite haben?

    Sie koennten natuerlich ihr Kreditvolumen zurueckfuehren. Aber die EZB will ja eher dass das Kreditvolumen erweitert wird.

    Daher ist dem Herrn Draghi der rettende Gedanke gekommen: Die EZB kauft den Banken Kredite ab und je mehr faule Kredite die EZB kauft, desto schneller laesst der Stress der Banken nach. Die koennen dann wieder Kredite geben. An die Wirtschaft zum Wohl der Konjunktur und natuerlich auch an die Staaten.

  • Der Test ist das Papier nicht wert ,auf dem er steht.Im Kleingedrucktem steht explizit,dass die Tester nicht für das Ergebnis ihrer Analyse haften.Es ist eine Meinungsäußerung der EZB-mehr nicht.Hintenrum mussten in letzter Zeit schon wieder Banken mit Krediten gestützt werden.Versteckt findet sie nur der Insider.Aber er gibt sie.

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