EZB und Bundesbank
Herr Weidmann, wo sind Sie?

Jens Weidmann war der wichtigste Kritiker von EZB-Chef Draghi. Als Einziger stimmte er gegen den Kauf von Anleihen. Nun begeht Draghi den nächsten Tabubruch – doch Weidmann hält sich zurück. Er steckt in einem Dilemma.
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DüsseldorfVor genau zwei Jahren hatte Jens Weidmann beim Notenbanker-Treffen im amerikanischen Jackson Hole seinen großen Auftritt. Damals war er der Einzige prominente Vertreter aus dem EZB-Rat. Denn dessen Chef Mario Draghi und die gesamte EZB-Spitze hatten damals Wichtigeres zu tun: Sie arbeiteten an den Details für das Anleihekaufprogramm OMT. Jens Weidmanns Rat war dabei nicht gefragt. Als Einziger von 23 Mitgliedern im EZB-Rat stimmte er gegen Draghis Pläne. Weidmann galt als einsamer Kämpfer. Deutsche Zeitungen feierten ihn deshalb als Gralshüter der Stabilitätskultur. Inzwischen ist von dem rebellischen Geist nicht mehr viel geblieben, denn der Bundesbank-Chef steckt in einem Dilemma.

Dieses Jahr nutzte Draghi die Bühne in Jackson Hole am vergangenen Wochenende für den nächsten Tabubruch. Er rief die Mitgliedsländer offen zu mehr Flexibilität in der Haushaltspolitik auf. Sprich: Sie sollen mit mehr Schulden die Wirtschaft ankurbeln. Außerdem stellte Draghi deutlicher als je zuvor großangelegte Anleihekäufe in Aussicht. Er sagte, die EZB werde sich notfalls „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln" gegen eine Deflationsspirale stemmen.

Außerdem sickerten neue Details zum geplanten EZB-Kaufprogramm für Kreditverbriefungen (ABS) durch. Die Zentralbank will sich dabei vom weltgrößten Vermögenverwalter Blackrock beraten lassen. Durch Verbriefungen können Kredite verschiedener Risikoklassen gebündelt und handelbar gemacht werden.

Geschäfte mit solchen Kreditpaketen sind allerdings hoch umstritten, da sie als Mitauslöser der Finanzkrise 2007/2008 gelten. Die Gefahr besteht darin, dass die Mischung von Krediten die Risiken verschleiert. Dennoch könnte die EZB gezielt Kreditverbriefungen kaufen. Das würde Geschäftsbanken entlasten, die dann Freiräume für neue Kredite hätten.

Zu alldem ist von Weidmann nicht mehr viel Kritisches zu hören. Vor zwei Jahren noch hatte er das Anleihekaufprogramm der EZB mit markigen Worten kritisiert. „Der Geldsegen der Zentralbanken würde anhaltende Begehrlichkeiten wecken“, sagte er damals dem „Spiegel“. „Wir sollten die Gefahr nicht unterschätzen, dass Notenbankfinanzierung süchtig machen kann wie eine Droge.“ Damals warnten manche Ökonomen sogar vor einer drohenden Hyperinflation.

Kommentare zu " EZB und Bundesbank: Herr Weidmann, wo sind Sie?"

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  • Also zunächst mal :Die Ratingagenturen haften auch weiterhin nicht für ihre "AAA"-Ratings.Das haben sie erst kürzlich wieder betont.Wenn Draghi sich dahinter versteckt-er will nur "AAA" geratete ABS Papiere aufkaufen,kann er sich gleich hinter Griechenland verstecken-ist genau so gut oder schlecht....von der Sicherheit her.
    Das Zweite ist der Aufkauf von Staatsanleihen.Er ist ohne politisches Mandat(ESM) der EZB verboten.Der EZB,nicht der FED,nicht der Bank of England,nicht der Bank of Japan usw.Warum ist der Aufkauf der EZB verboten und den anderen nicht?Weil es sich bei der EZB um einen Staatenverbund suveräner Nationalstaaten,im Gegensatz zu den anderen Einzelstaaten handelt.Eine FED würde auch nie Anleihen von Argentinien oder Kuba aufkaufen,nur weil man gemeinsam,auf dem amerikanischen Doppelkontinent lebt.Eine Bundesbank hat und durfte Staatsanleihen Deutschlands in den Siebziger Jahren aufkaufen.Sie hat aber nie,Staatsanleihen Italiens oder Frankreichs aufgekauft.Sie hat mal kurz DM verkauft und Franc gekauft,um die DM zu schwächen und den Franc zu stärken,aber das waren alles kurzfristige Transaktionen,in kleinem Stil,um die DM nicht zu sehr aufzuwerten,wegen der Exporte und so.Draghi begeht also eine Mnadatsüberschreitung,wie beim OMT und wie beim OMT wird unser oberstes Gericht sich das nicht bieten lassen.Die 6:2 Richterstimmen gegen Draghis OMT-Programm im Februar waren eindeutig.Eine Verweisung an den Europäischen Gerichtshof,wird es diesmal wohl nicht geben.Es muss sich nur jemand finden,der dagegen klagt,denn wo kein Kläger,da kein Richter.Herr Dr.Gauweiler,wenn es dazu käme,agieren Sie!Sie hätten gute Chancen,als Sieger vom Platz zu gehen,denn unser Bundesverfassungsgericht,könnte,ja wird diese Mandatsüberschreitung Draghis sicher als Affront gegen sich auffassen,hat es doch schon sein OMT-Programm schon abgelehnt und das war noch auf 1-3 jährige Staatsanleihen begrenzt und in einer Notsituation verabschiedet worden,im Gegensatz zu heute.

  • Nie, - geben Sie mir ein Beispiel in der BRD ?

  • Die AfD hat sich doch schon gleich nach der Wahl als Mogelpackung entpuppt!
    Kontrollierte Opposition, so wie zuvor die Piraten, oder mal früher der Richter "Gnadenlos".

    Daß die AfD eine Mogelpackung ist, kann man ganz einfach erkennen:
    Das Geldsystem dieses Regimes ist ein reines Schuldgeldsystem. Jeder einzelne Euro entsteht nur als Schuld.
    Den Großteil des Geldes erzeugen die Geschäftsbanken mit der Giralgeldschöpfung. Einer Bilanzverängerung.

    Dem Stimmvieh wird eingeredet, daß die Banken die Guthaben der Sparer als Kredite vergeben. Das ist FALSCH. Die Banken erzeugen das Geld mit Knopfdruck aus dem Nichts.

    Für dieses Geld, das nur als Kredit geschaffen wird, werden aber Zins und zinseszinsen fällig. Es muß also immer mehr zurpckgezahlt werden, als überhaupt vorhanden ist.
    [...]

    Der Zinseszins bedeutet also einen exponentiellen Zwang zu Wachstum und Verschuldung.

    Was heißt also sparen in diesem System? Es heißt, daß die Geldmenge schrumpft! Was bedeutet es aber für ein Pyramidensystem, wenn keine neuen Spieler dazukommen?
    Es kollabiert! Es gibt keine sanfte Landung. Entweder das Pyramidensystem geht weiter, oder es ist aus.

    Deshalb muß auch die Geldmenge immer weiter wachsen.
    Folglich ist die AfD eine Mogelpackung, weil sie suggeriert, daß Schuldenabbau in diesem System möglich sei. Es ist nicht möglich! Schuldenabbau führt zu Deflation und zum Platzen des Mindestreservensystems, das ein legalisiertes Pyramidensystem ist!

    Wenn die AfD also auf Stimmenfang geht, so tut sie das, weil sie den Menschen eine Scheinlösung suggeriert, die gar nicht existiert!

    Ein Sparkurs der BRD führt in diesem System zur Deflation in den Südländern und ihrer wirtschaftl. Zerstörung.

    Das System ist der Fehler.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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