EZB und die lockere Geldpolitik: Draghi erinnert sich an die Bazooka

EZB und die lockere Geldpolitik
Draghi erinnert sich an die Bazooka

Die EZB lässt den Leitzins im Euro-Raum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Doch zugleich öffnet EZB-Chef Mario Draghi die Tür für eine noch expansivere Geldpolitik weit. Noch in diesem Jahr dürfte es soweit sein.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank hat am Donnerstag die Zinsen unverändert belassen – gleichzeitig aber klar gemacht, dass sie zu weiteren Stützungsmaßnahmen für die Wirtschaft des Euro-Raums bereit ist. Die 25 Mitglieder des EZB-Rates behielten den Hauptrefinanzierungssatz auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent beibehalten, der Einlagensatz und der Spitzenrefinanzierungssatz blieb unverändert bei minus 0,2 Prozent, beziehungsweise 0,3 Prozent. Allerdings: Auf der Zinssitzung im Dezember wird geprüft, ob die Geldpolitik die Konjunktur auch ausreichend stimuliert, sagte Notenbank-Chef Mario Draghi am Donnerstag auf Malta.

„Der EZB-Rat ist gewillt und in der Lage zu handeln, indem er alle Instrumente nutzt.“ Das Programm solle bis September 2016 laufen, notfalls auch länger. Zuletzt waren am Finanzmarkt wegen der niedrigen Inflation Spekulationen aufgekommen, die Europäische Zentralbank (EZB) könne die Maßnahmen ausweiten.

Experten haben Draghis Worten gespannt gelauscht: „Für die Sitzung am 3. Dezember hat die EZB die Erwartungen massiv geschürt. Weitere expansive Maßnahmen sind damit vorprogrammiert“, sagt Jan Holthusen, Leiter Zins- und Anleihenresearch der DZ Bank. „Am wahrscheinlichsten ist für uns, dass das Anleihekaufprogramm verlängert wird, ohne dass die EZB ein Enddatum kommunizieren wird.“ Auch eine Erweiterung des Katalogs der kaufbaren Anleihen sei nach Einschätzung des Experten zu erwarten.

Auch andere Finanzprofis interpretieren Mario Draghis Aussagen ähnlich: Der heutige Tag sei richtungsweisend für das, was kommen werde, zeigt sich etwa Luke Bartholomew überzeugt, Portfolio Manager beim Vermögensverwalter Aberdeen Asset Management. „Draghi hat stark signalisiert, dass das QE-Programm der EZB im Dezember ausgeweitet und verbreitet werden wird“, so der Fachmann.

Mit den Wertpapier-Käufen will die EZB die Banken zur Vergabe von mehr Krediten an die Wirtschaft bewegen, was die Konjunktur anschieben und die Inflation anheizen soll. Die Zentralbank hat ihr umstrittenes Programm im März gestartet. Es soll ein Volumen von 1,14 Billionen Euro haben.

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  • Ziel ist eine Abwertung des Euro und damit eine Tilgung der Schulden. Da das Mandat der EZB jedoch kein Währungskursziel vorsieht, muss eine fadenscheinige Begründung herhalten. Die südeuropäischen Staaten haben Preisstabilität noch nie als Priorität gesehen und sie tun es auch heute nicht. Munter Schulden machen und wenn es nicht mehr geht, dann kommt die Abwertung. QE macht süchtig und ein kontrollierbarer Ausstieg ist schon heute nicht mehr möglich. Das System kollabiert, wenn die Enteigung der Gläubiger zugunsten der Schuldner abgeschlossen ist.

  • Sehr geehrter Herr Walter Rehm,
    der Hund wackelt mit den Schwanz und nicht der Schwanz mit den Hund.

  • Ein Blick auf den DAX!!!!welcher jetzt noch einmal 90 Punkte gestiegen ist...ja außerbörslich ist ja noch viel mehr möglich...
    Man fragt sich nur haben sie aus den libormanipulatinen nichts gelernt????
    Wie kann es nur möglich sein das ein DAX sein Jahrestief ausschließlich
    außerbörslich bei 9300 hatte?

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