EZB und Geldpolitik
Draghi in Öl

Auf der heutigen EZB-Ratssitzung wird die Notenbanker vor allem der niedrige Ölpreis beschäftigen. Der Verfall birgt Risiken für die Preisstabilität. EZB-Chef Mario Draghi könnte die Geldpolitik bald weiter lockern.

FrankfurtFür Mario Draghi hätte das neue Jahr kaum schwieriger beginnen können. Die Probleme in China und der dramatische Verfall des Ölpreis könnten die ohnehin sehr niedrige Inflation im Euro-Raum noch weiter drücken. Damit beginnt bereits die Debatte um eine weitere Lockerung der Geldpolitik.

Erst im Dezember hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Strafzins für Einlagen der Banken verschärft und ihr bestehendes Anleihekaufprogramm bis März 2017 verlängert. Grund war der schwächere  Inflationsausblick. Mittelfristig strebt die EZB eine Preissteigerung von knapp zwei Prozent an. Im Dezember lag diese jedoch mit 0,2 Prozent meilenweit davon entfernt.

Nun spekulieren die Märkte bereits über weitere Lockerungsübungen der EZB. Denn auch wenn sich Verbraucher über niedrigere Preise freuen, bereitet dies Notenbankern große Sorgen. Bei fallenden Preisen besteht die Gefahr, dass Verbraucher und Unternehmen in Erwartung weiter sinkender Preise ihre Investitionen und den Konsum hinausschieben. Es droht dann eine Abwärtsspirale aus sinkenden Preisen und wirtschaftlichem Niedergang.

Um das zu verhindern könnte die EZB noch mehr billiges Geld in die Märkte pumpen. Allerdings wird sie vermutlich zunächst noch abwarten, wie sich Ölpreis und Konjunktur weiter entwickeln. „Auf der Pressekonferenz dürfte EZB-Präsident Draghi alle Optionen offenhalten, eindeutige Signale aber vermeiden“, erwartet Commerzbank-Volkswirt Michael Schubert. Er geht davon aus, dass sich Draghi wegen der Kritik nach der jüngsten Zinssitzung vorsichtiger äußern wird. Die Finanzmärkte hatten im Dezember eine noch weitergehende Lockerung der Geldpolitik erwartet und enttäuscht auf die verkündeten Maßnahmen reagiert. 

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