EZB
Weidmann stellt sich hinter Draghi

Staatsanleihenkäufe der EZB hat Bundesbank-Präsident Weidmann stets kritisiert. Dabei bleibt er auch. Doch neuerdings sieht er beispielsweise Handlungsbedarf. Insider spekulieren bereits über die Hintergründe.

FrankfurtMitten im Sturm heftiger Angriffe deutscher Politiker gegen seine Geldpolitik hat EZB-Präsident Mario Draghi einen unerwarteten Verbündeten gefunden: Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Sonst ein Kritiker vieler Beschlüsse im EZB-Rat, hat er sich demonstrativ hinter Draghi gestellt.

Einen grundsätzlichen Wandel der Bundesbank bedeute Weidmanns Fürsprache dennoch nicht, sagen hochrangige Notenbanker und Personen aus dem Umfeld des EZB-Rats zur Nachrichtenagentur Reuters. Manche Insider stellen allerdings eine Änderung im Tonfall bei Weidmann fest. Womöglich versuche der Bundesbank-Chef, mehr Einfluss vor den nächsten großen EZB-Entscheidungen zu gewinnen.

Weidmann hatte unlängst die Unabhängigkeit der Notenbank verteidigt und die ultra-lockere Haltung in der Geldpolitik in Schutz genommen. Attacken deutscher Politiker aus den Reihen der Union gegen die EZB und ihren Präsidenten hatten zuvor deutlich an Schärfe zugenommen. Finanzminister Wolfgang Schäuble hatte der EZB-Niedrigzinspolitik sogar eine Mitschuld für das Erstarken euroskeptischer Kräfte gegeben. Und aus der CSU waren laute Rufe ertönt, der nächste EZB-Präsident müsse ein Deutscher sein.

Weidmann zeige einige Anzeichen, zur Mehrheitsansicht zurückzukehren und fange an, die EZB gegen politische Angriffe aus Deutschland zu verteidigen, so einer der Insider. Durch seine Opposition gegen viele geldpolitische Initiativen der EZB habe er aber solchen Angriffen den Boden bereitet.

Das Verhältnis zwischen der EZB-Führung und deutschen Ratsmitgliedern war in den vergangenen Jahren nie frei von Spannungen. Weidmanns Amtsvorgänger Axel Weber und der damalige EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark waren 2011 aus Protest über die lockere Geldpolitik von Draghis Vorgänger Jean-Claude Trichet sogar zurückgetreten. Und auch Weidmann sah sich mit seinen Positionen seit Amtsantritt im Mai 2011 bei wichtigen Entscheidungen häufig in der Minderheit im EZB-Rat.

Ganz erfolglos blieb Weidmanns Kritik allerdings nicht. So wurden beim Design des von ihm abgelehnten billionenschweren Anleihen-Kaufprogramms Haftungsrisiken nur zu einem geringen Teil vergemeinschaftet. Und auch der jüngste EZB-Beschluss, den 500-Euro-Schein aus dem Verkehr zu ziehen, enthält einige Vorstellungen der Bundesbank. Er bleibt beispielsweise gesetzliches Zahlungsmittel.

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