Faule Kredite
Bundesbank-Präsident unterstützt EZB-Vorstoß gegen Problemdarlehen

Die Bundesbank ist begeistert, die italienischen Banken hingegen befürchten Nachteile: Der EZB-Vorschlag zu notleidenden Darlehen erntet Lob, aber auch Kritik. Auch eine gemeinsame Einlagensicherung spaltet die Gemüter.
  • 0

FrankfurtDer Vorstoß der Europäischen Zentralbank (EZB) zum Abbau fauler Kredite in den Bankbilanzen stößt bei der Bundesbank auf Beifall. Notleidende Darlehen belasteten in den betroffenen Ländern die Finanzierungsbedingungen und damit auch die Wachstumsaussichten, sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann am Freitag auf einer Branchenkonferenz in Frankfurt laut Redetext. Institute müssten daher ihre Problemkredite abbauen. Ferner seien Regeln für den Umgang mit ihnen in der Zukunft nötig. „Die Vorschläge, die die EZB in dieser Hinsicht jüngst gemacht hat, scheinen mir ein vernünftiger Weg nach vorne zu sein“, sagte Weidmann.

Die EZB-Bankenwächter hatten kürzlich Richtlinien zum künftigen Umgang mit neuen Problemdarlehen vorgestellt. Die faulen Kredite in der Euro-Zone summierten sich zuletzt auf 844 Milliarden Euro. Ein Viertel davon entfällt auf Banken in Italien.

Von dort hagelte es heftige Kritik an dem EZB-Vorstoß, da befürchtet wird, dass heimische Banken durch die Vorgaben zu stark belastet werden. Zudem besteht die Sorge, dass die EZB ähnliche Vorgaben bald auch für den Altbestand an faulen Darlehen machen werden.

Der hohe Bestand an Problemdarlehen in vielen Bankenbilanzen ist für Weidmann auch ein gewichtiges Argument gegen die Einführung einer gemeinsamen Einlagensicherung (Edis) in der EU: Versicherungen deckten üblicherweise nur künftige Schadensfälle ab und nicht bereits bestehende, führte er aus. „Um daher für eine gemeinsame Einlagensicherung geeignet zu sein, müssen Banken in der Euro-Zone entweder notleidende Kredite komplett über Rückstellungen abdecken oder sie verkaufen“, sagte der Bundesbank-Chef. Eine gemeinsame Einlagensicherung stößt auch in der Bundesregierung und bei deutschen Banken auf Skepsis.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Faule Kredite: Bundesbank-Präsident unterstützt EZB-Vorstoß gegen Problemdarlehen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%