Fed-Chefin Yellen
US-Großbanken drohen deutlich strengere Kapitalvorgaben

Die sogenannten Stresstests sollen zeigen, wie krisenfest Banken sind. Nun erwägt die US-Notenbank Fed Änderungen bei ihrer Methodik. Für die großen Institute könnte das deutlich höhere Anforderungen bedeuten.

WashingtonDie US-Notenbank Fed erwägt Änderungen bei ihren jährlichen Stresstests für Banken. Die seit der Finanzkrise 2008 verschärfte Bankenregulierung hätte einen Zusammenbruch der größten Banken des Landes verhindert. Zudem sei vermieden worden, kleinere Institute zu stark zu belasten. Die Fed wolle das noch weiter vertiefen und prüfe daher, die Anforderungen an den jährlichen Stresstest bei Banken mit Einlagen unter 250 Milliarden Dollar (223 Milliarden Euro) zu senken. Auch eine Änderung der Methodik steht im Raum. Basierend auf einigen neuen Methoden könnten die Ergebnisse dann auch bestimmen, wie viel Kapital ein Geldhaus als Puffer gegen Krisen vorhalten müsse, sagte Fed-Chefin Janet Yellen am Mittwoch in einer Anhörung vor dem Finanzausschuss des US-Repräsentantenhauses. Für die acht größten US-Institute, die weltweit als systemrelevant angesehen werden, könnte das deutlich höhere Anforderungen bedeuten.

Yellen sieht sich wegen ihres Festhaltens an der Niedrigzinspolitik unter Druck. Dazu kam jetzt mit dem Skandal um gefälschte Bankkonten der Bank Wells Fargo ein weiteres Problem. Yellen sieht sich deswegen mit Vorwürfen konfrontiert, die Bankenaufsicht habe versagt.

Auch darum ging es bei der Anhörung. Beobachter rechneten mit harten Nachfragen, warum die Praktiken der Aufsicht nicht aufgefallen seien. Wells-Fargo-Chef John Stumpf wird als Konsequenz aus dem Skandal der Millionen-Bonus gestrichen.

Wells-Fargo-Mitarbeiter hatten ohne Erlaubnis der Kunden Millionen von Bankkonten eröffnet und Online-Banking-Aktivitäten vorgetäuscht, um die von der Unternehmensführung gesetzten Verkaufsziele zu erreichen. Als dies bekannt wurde, feuerte die Bank deshalb rund 5300 Angestellte. Die Aufsichtsbehörden verhängten eine Strafe von 185 Millionen Dollar gegen Wells Fargo.

Gleichzeitig hat Yellen ein überwiegend positives Bild der amerikanischen Wirtschaft gezeichnet und damit die Erwartung einer weiteren Zinserhöhung in diesem Jahr gestützt. Auf dem Arbeitsmarkt würden derzeit ungewöhnlich viele Stellen geschaffen, sagte Yellen. Sollte dies so weitergehen, müsse sogar mit einer Überhitzung gerechnet werden. Die US-Wirtschaft hat sich in den vergangenen Jahren deutlich von den Nachwehen der Finanzkrise erholt. Die Erwerbslosenquote liegt bei unter fünf Prozent. Damit ist für viele Experten das Fed-Ziel Vollbeschäftigung de facto erreicht. Allerdings ist die Inflation geringer als von der Notenbank angestrebt, ebenso die Lohnzuwächse vieler Arbeiter und Arbeitnehmer.

Innerhalb der Fed ist daher umstritten, ob und wann die Zinsen das nächste Mal erhöht werden sollen. Erst am Dienstag sprach sich Fed-Vize Stanley Fischer gegen zu starke Schritte aus. Die Federal Reserve hatte im Dezember 2015 erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen wieder leicht angehoben. Seitdem liegt der Schlüsselsatz für die Versorgung der Banken mit Geld in einer Spanne von 0,25 bis 0,5 Prozent. Die Zentralbank hat weitere Schritte angedeutet, bislang aber dieses Jahr noch nicht nachgelegt. Fachleute erwarten die nächste Zinserhöhung nicht vor Dezember. Bis dahin sorgt vor allem die US-Präsidentenwahl am 8. November für Unsicherheit.

Auch am Mittwoch kamen wieder gegensätzliche Stimmen aus der US-Notenbank. Für den Fed-Präsidenten von Minneapolis, Neel Kashkari, können die Zinsen noch länger niedrig bleiben, weil es keinen Inflationsdruck gebe. Eine Preisblase am Immobilienmarkt sei ebenfalls nicht erkennbar. Anders äußerte sich dagegen John Williams von der Fed in San Francisco: "Es wird angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung immer schwerer, die unglaublich niedrigen Zinsen zu rechtfertigen." Der konjunkturelle Aufschwung würde durch eine Zinserhöhung nicht verlangsamt oder gar abgewürgt, betonte Williams. Zu lange zu warten, berge ein größeres Risiko.

Kritische Töne kamen unterdessen vom Internationalen Währungsfonds. IWF-Chefin Christine Lagarde sagte, die Prognose für das US-Wirtschaftswachstum 2016 werde erneut gesenkt. Details sollen kommende Woche veröffentlicht werden. Bereits im Juli hatte der Fonds seine Schätzung auf plus 2,2 von zuvor 2,4 Prozent gestutzt. Fed-Notenbanker Kashkari rechnet in nächster Zeit mit rund zwei Prozent Wachstum pro Jahr. Negative Auswirkungen könnte es durch die Konjunkturabkühlung in China und den geplanten EU-Austritt Großbritanniens geben.

Agentur
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