Fed-Entscheidung
Bernankes letzter Streich

Bernanke hat gesprochen: Die US-Notenbank beginnt 2014 mit dem Tapering. Es ist die letzte große Entscheidung des Fed-Chefs. Seiner Nachfolgerin Janet Yellen hinterlässt er einen klar vorgezeichneten Pfad.
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CharlotteBen Bernankes Amtszeit als Vorsitzender der US-Notenbank stand größtenteils im Zeichen der Krisenbewältigung. Daran ändert sich auch bis zum Schluss nichts: Die lockere Geldpolitik, die die Konjunktur stützen soll, setzt die Fed vorerst fort. Allein die monatlichen Anleihekäufe von bisher 85 Milliarden Dollar sollen ab Januar auf 75 Milliarden Dollar reduziert werden. Die US-Wirtschaft ist nach Ansicht der Fed also noch nicht wieder gesundet, aber zumindest ist der Patient nicht mehr bettlägerig.

Am besonders niedrigen Leitzins von null bis 0,25 Prozent hat die Fed nicht gerüttelt. Vielmehr machte sie deutlich, dass sich am Zins auch mittelfristig nichts ändern wird: Während Bernanke in der Vergangenheit versprochen hat, den Leitzins nahe null zu halten, bis die Arbeitslosigkeit unter 6,5 Prozent fällt, schlich sich in die heutige Stellungnahme des Offenmarktausschusses noch das Wörtchen „mindestens“ ein.

Auch bei einer niedrigeren Arbeitslosenquote können die Märkte also mit billigem Geld rechnen, solange die Inflation unter zwei Prozent liegt. Von den 17 Mitgliedern des Offenmarktausschusses rechnen zwei damit, dass der Leitzins 2014 erhöht wird, zwölf erwarten das für 2015 und drei für 2016.

„Wir erwarten, dass sich das Wachstum in den nächsten Jahren ausweitet“, sagte Bernanke nach der Bekanntgabe der Fed-Maßnahmen. Jedoch machte er auch klar, dass die Erholung nur langsam vorankommt – also kein Grund zur Euphorie. Die Märkte waren mit dem Kurs der Fed überaus zufrieden: Die Aktienkurse schossen nach oben, der S&P 500 notierte etwa eineinhalb Stunden nach der Ankündigung 1,4 Prozent im Plus, der Dow Jones 1,5 Prozent.

„Dem Markt gefällt diese Nachricht“, sagt Jeffrey Kleintop, Marktstratege bei LPL in Boston, der Agentur Bloomberg. „Dieser Schritt war sehr klein, mehr ein Test. Das deutet darauf hin, dass die Fed vorsichtig vorgehen wird.“ Die Märkte in Europa waren zur Zeit der Fed-Entscheidung bereits geschlossen.

Es war das letzte Mal, dass Bernanke als Vorsitzender der Fed nach einer Sitzung des Offenmarktausschusses vor die Presse trat und eine Einschätzung der Wirtschaftslage präsentierte.

Die nächste vierteljährliche Rede im März dürfte seine designierte Nachfolgerin Janet Yellen halten, die am 1. Februar ihre Arbeit als Fed-Vorsitzende aufnehmen wird – vorausgesetzt, der Senat nimmt ihre Nominierung an. Weder die Entscheidung zum Tapering noch der Zeitplan dafür wären jedoch anders ausgefallen, wenn kein Wechsel an der Fed-Spitze bevorstünde, sagte Bernanke.

Janet Yellen, derzeit Vizevorsitzende der Federal Reserve, ist dafür bekannt, dass sie eine expansive Geldpolitik favorisiert. „Sie unterstützt unsere Entscheidungen von heute voll und ganz“, sagt Bernanke. Der Wechsel an der Fed-Spitze dürfte also nahtlos vonstattengehen.

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Fed sitzt zwischen den Stühlen

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  • Vollkommen egal was Bernanke sagt.Wenn die Blase platzt,will´s wieder keiner gewesen sein.Das war doch 2000 oder 2007 nicht anders.
    Auch da wurde gesagt,dass die Niedrigzinspolitik im Vorfeld der Grundstein beider Blasen war,genau wie jetzt.

  • Zensur ist etwas anderes. Lesen Sie noch einmal genau nach. Abgesehen davon, dass es Unsinn ist, was Sie schrieben, verstieß es gegen unsere Netiquette. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Liebe Redaktion,
    mein Mommentar war höchstens ein Denkanstoß.
    Was ihr macht ist " ZENSUR ", hatten wir alles schon mal!!

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