Fed-Entscheidung
Eine Spur Optimismus

Die Fed lässt den Leitzins unverändert, aber hält die Tür offen für eine Anhebung in den kommenden Monaten. Ihr Spielraum ist vor allem durch Einflüsse von außen eingeschränkt.

New YorkWährend das Lesen von Statements der US-Notenbank (Fed) sonst manchmal dem Entziffern von Hieroglyphen gleicht, waren sich am Mittwoch die Experten einig: Hier schwang ein Hauch Optimismus mit.

„Das Statement war etwas besser gestimmt als das nach der Juni-Sitzung“, schreibt JP-Morgan-Ökonom Michael Feroli, „die Veränderungen waren überschaubar, aber sie gingen in die optimistische Richtung“. Wie andere Experten auch findet er vor allem den Satz wichtig: „Die kurzfristigen Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick sind gesunken“.

Es ist etwas Spannung von der Fed gewichen seit der Juni-Sitzung, die kurz vor der Abstimmung über den Brexit, den Austritt der Briten aus der Europäischen Union, und kurz nach dem Bekanntwerden sehr schwacher Zahlen vom Arbeitsmarkt stattgefunden hatte. Seither hat der Brexit die Märkte verschreckt, aber sie haben sich wieder beruhigt. Und vom US-Arbeitsmarkt kamen wieder bessere Zahlen.

Feroli hält nach wie vor eine Zinserhöhung im Dezember für wahrscheinlich. Die Fed hatte erstmals nach Jahren im Dezember 2015 den Leitzins angehoben, um einen Viertel Prozentpunkt in eine Spanne zwischen 0,25 Prozent und 0,5 Prozent hinein. Seither blieben die Zinsen unverändert, wie auch am Mittwoch nach der Juli-Sitzung der Fed.

Die Ökonomen der Beratungsgesellschaft IHS meinen, Fed-Chefin Janet Yellen halte die Tür für eine Erhöhung im September offen, lassen aber auch Zweifel anklingen, dass es in dem Monat wirklich schon weitergeht.

Relativ ausführlich äußerte sich Christopher Probyn, der Chefvolkswirt von State Street: „Letztendlich dominieren nach wie vor die Ungewissheit durch den Brexit und die schwachen globalen Aussichten. Sollte sich das US-Wirtschaftswachstum jedoch weiterhin nahe der zwei Prozent bewegen, die Arbeitslosenquote abschwächen und die Inflation auf den Zielwert von zwei Prozent ansteigen, wäre die die Fed in der Lage, die Zinsen anzuheben, wahrscheinlich im Dezember.“ Laut Probyn könnten weitere Zinsschritte im Juni und im Dezember 2017 folgen.

Der Experte Win Thin der US-Bank Brown Brothers Harriman findet, dass die Fed genau das getan hat, was die Märkte erwarteten. Die Wall Street schloss am Mittwoch ganz leicht im Minus.

Die Fed versucht seit langem, die geldpolitischen Zügel anzuziehen – auch, um bei einer neuen wirtschaftlichen Krise mehr Handlungsspielraum zu haben. Sie steckt aber in einer schwierigen Situation. Zwar sind die Zahlen der US-Wirtschaft recht gut. Sie sind aber nicht so stark, dass eine Erhöhung der Zinsen wirklich dringend wäre.

Außerdem gibt es starke Einflüsse von außen. Von Europa geht Unsicherheit aus. Die Schwellenländer leiden unter einem zu starken Dollar, wenn die Fed zu schnell die Zügel anzieht. Ausländische Käufer stürzen sich auf langfristige US-Staatsanleihen und halten deren Renditen niedrig. Wenn die Fed die kurzfristigen Zinsen nicht über die langfristigen hinaus anheben will, wird sie allein dadurch schon gebremst.

Hinzu kommt, dass sie vor der US-Präsidentschaftswahl im November wahrscheinlich lieber still hält, um nicht in das politische Hick-Hack hineingezogen zu werden.

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