Fed-Entscheidung: Nichts wie weg von der Null-Linie

Fed-Entscheidung
Nichts wie weg von der Null-Linie

Fed-Chefin Janet Yellen lässt sich bei ihrem geldpolitischen Kurs von Daten nicht beirren. Sie will die US-Notenbank bis zum Ende ihrer Laufzeit möglichst weit in ungefährliches Fahrwasser bringen.
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WashingtonAlles nicht so schlimm: Das ist die Botschaft der US-Notenbank (Fed) nach ihrer Sitzung am Mittwoch, bei der die Leitzinsen unverändert blieben. Das schwache Wachstum im ersten Quartal von nur 0,7 Prozent ist nur ein vorübergehender Effekt.

Dass die Verbraucher nicht sehr mutig kaufen, dürfte sich ebenfalls bald wieder geben. Dass die Inflation zuletzt sogar nachgegeben hat, soll nicht weiter stören. Man vergisst beinahe, dass Fed-Chefin Janet Yellen einmal als Taube, als Anhängerin einer besonders vorsichtigen, weichen Geldpolitik galt.

Für Ökonomen und Investoren ist damit klar: Die Tür für eine weitere Zins-Erhöhung bleibt offen. Wahrscheinlich schon im Juni, vielleicht auch erst im September. In jedem Fall bliebe auch noch Spielraum für einen dritten Zinsschritt im laufenden Jahr, so, wie die Fed die Entwicklung selbst prognostiziert hat.

Yellens Amtszeit endet im Januar 2018. Zuletzt kamen zwar Spekulationen auf, dass US-Präsident Donald Trump sie für eine weitere Vierjahres-Periode vorschlagen könnte.

Aber die Wahrscheinlichkeit ist viel höher, dass er einen neuen Kandidaten auswählt, der aus dem Lager der Republikaner kommt oder jedenfalls besser dazu passt als Yellen, die für amerikanische Verhältnisse als moderat links gelten kann. Yellen hat daher jedes Interesse, bis zum Ende der Amtszeit die Geldpolitik so weit wie möglich zu normalisieren, um ein geordnetes Haus zu übergeben.

In den letzten Wochen haben Experten viel über Geldpolitik nahe der Linie von Null-Prozent Zinsen diskutiert. Ben Bernanke, Yellens Vorgänger, äußerte die Befürchtung, dass diese Linie in Zukunft häufiger erreicht werde als in der Vergangenheit. Geldpolitiker kommen dann in eine schwierige Situation.

Entweder sie gehen mit dem Zinssatz unter null, wenn eine weitere Lockerung der Geldpolitik notwendig ist. Oder sie blähen die Bilanzsumme mit Käufen von Zinspapieren auf – oder sie tun beides, wie etwa die Europäische Zentralbank. Beides hat unangenehme Nebeneffekte und zieht meist auch Kritik aus der Politik und der Öffentlichkeit an.

Zurzeit liegt der Leitzins der Fed in einer Spanne zwischen 0,75 bis 1,00 Prozent. Drei Schritte hatte es von der Null-Linie dorthin gebraucht. Aber bei einer neuen wirtschaftlichen Rezession wäre der Spielraum, mit Zinssenkungen gegenzuhalten, immer noch sehr klein.

Yellen wird sich daher keine Gelegenheit entgehen lassen, die Zinsen weiter zu erhöhen. Sie wartet nicht, bis die Daten zwingend dazu anraten. Ihr reicht es, wenn sich der nächste Schritt vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Daten gerade noch rechtfertigen lässt.

Zur Normalisierung gehört auch, die Bilanzsumme schrumpfen zu lassen, indem auslaufende Zinspapiere nicht mehr durch Neukäufe ersetzt werden. Das ist ein langwieriger Prozess. Aber die größte Unsicherheit dürfte es geben, wenn er angekündigt und gestartet wird. Die meisten Experten rechnen noch in diesem Jahr damit. Das würde bedeuten, dass Yellen auch in dem Punkt wenigstens die Weichen gestellt hat. Ihr Nachfolger muss ihr dann buchstäblich nur noch folgen – bis die nächste Krise oder Rezession aufzieht.

Kommentare zu " Fed-Entscheidung: Nichts wie weg von der Null-Linie "

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  • Jannet Yellen geht einen klugen Weg.

  • "Ben Bernanke, Yellens Vorgänger, äußerte die Befürchtung, dass diese Linie in Zukunft häufiger erreicht werde als in der Vergangenheit. Geldpolitiker kommen dann in eine schwierige Situation.

    Entweder sie gehen mit dem Zinssatz unter null, wenn eine weitere Lockerung der Geldpolitik notwendig ist. Oder sie blähen die Bilanzsumme mit Käufen von Zinspapieren auf – oder sie tun beides, wie etwa die Europäische Zentralbank. Beides hat unangenehme Nebeneffekte und zieht meist auch Kritik aus der Politik und der Öffentlichkeit an. "

    Und? Wieso denn überhaupt?
    Woran happert's woran krankt denn das System "freie Marktwirtschaft", dass es zum Aufrechterhalt massivste Manipulationen bedarf?

    "Irgendwie" scheint der Wirtschaftskreislauf nicht mehr so recht zu laufen...

    kleiner Tipp: es ist wie beim MONOPOLY "Spiel", nur mit Weitervererben der mit Hotels bebauten Straßen: dem einen Spieler, der die 20% Erben&Reichen repräsentiert gehört alles - dem Rest der "Spieler" nix.
    Damit nun irgendwie weiter "gespielt" werden kann, wird die Bank ganz komische Sachen machen müssen ...

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