Fed-Entscheidung
Yellen schafft sich Spielraum

Die Fed-Chefin sagt de facto die Zinserhöhung im März ab, bleibt aber grundsätzlich bei der Linie, die geldpolitische Schraube vorsichtig weiter anzuziehen. Die Märkte macht das nervös.

WashingtonFed-Chefin Janet Yellen hat die Märkte am Mittwoch darauf vorbereitet, dass im März wahrscheinlich noch keine weitere Zinserhöhung ansteht. Zugleich haben sie und ihre Kollegen im geldpolitischen Ausschuss der US-Notenbank (Fed) aber vermieden, eine grundsätzlich pessimistischere Sichtweise als in der letzten Sitzung im Dezember zu präsentieren, wo sie zum ersten Mal seit Jahren den Leitzins leicht auf gut ein Viertel Prozentpunkt erhöht hatten. Damit hat Yellen wieder allen Spielraum, den sie braucht. Sie kann im März abwarten, aber zugleich ihre Linie beibehalten, die Zinsen nach und nach behutsam zu erhöhen.

Die Sprache der Fed zu entziffern ist eine Art Geheimwissenschaft mit hohem Irrtumsrisiko. Die Analysten der Beratungsgesellschaft IHS halten eine Zinserhöhung im März immer noch für möglich, aber unwahrscheinlich. Die meisten Ökonomen gingen ohnehin bereits davon aus, dass der nächste Schritt erst im Juni erfolgt. Und die Investoren rechnen eher mit zwei Anhebungen im laufenden Jahr als mit vier, wie sie die Fed selber noch im Dezember prognostiziert hatte. Insofern passen die Linie der Fed und die Erwartungen der Märkte jetzt besser zusammen.
Zugleich hat Yellen aber auch nicht zu weiche Töne angeschlagen. Das zeigt die Reaktion der Börse, die nach Bekanntgabe des Statements nachgegeben hat. Die Gefahr, dass die Märkte erneut ihre Hoffnung auf die Unterstützung der Geldpolitiker setzen und sich damit in falscher Sicherheit wiegen, scheint also gebannt. Der konservative Ökonom Martin Feldstein hatte zuvor in einem Interview mit der Website „Marketwatch“ gewarnt, Yellen solle sich nicht von den Turbulenzen an den Märkten beeinflussen lassen, sondern ihre Zinserhöhungen durchziehen.

Entscheidend in dem Statement ist der Satz: „Für die Inflation wird kurzfristig weiterhin ein niedriger Wert erwartet.“ Die niedrige Inflation war schon im Dezember das stärkste Argument gegen eine Zinserhöhung, während der Arbeitsmarkt dafür sprach und schließlich den Ausschlag gab. Bisher hat die Fed nur betont, dass sie mittelfristig eine Rückkehr zu den gewünschten zwei Prozent erwartet, das hat sie jetzt auch nochmal wiederholt. Die Bezugnahme auf die kurzfristig niedrige Rate aber ist neu und spricht relativ deutlich gegen eine kurzfristige Zinserhöhung.

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Ein Hauch mehr an Inflation käme Yellen zugute

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