Fed-Konferenz in Jackson Hole
Top-Event ohne Spitzenpersonal

Wann stoppt die US-Notenbank die Geldflut? Das ist seit Monaten weltweit die Frage aller Fragen. Das Notenbanker-Treffen in Jackson Hole im US-Staat Wyoming wird darauf allerdings auch keine Antwort geben.
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Frankfurt/WashingtonDie alljährliche Notenbank-Konferenz im amerikanischen Jackson Hole ist das absolute Spitzenereignis der Geldpolitik - eigentlich. 2013 muss das Treffen der obersten Währungshüter jedoch ohne zahlreiche Zentralbankchefs auskommen: Schon seit langem steht fest, dass der Vorsitzende der US-Notenbank Fed, Ben Bernanke, mit der Tradition brechen und dem bis Samstag dauernden Symposium in diesem Jahr fernbleiben wird. Doch auch etliche andere Top-Notenbanker haben abgesagt, wie aus der bereits durchgesickerten Agenda hervorgeht. Der Termin in den Rocky Mountains droht zum „Non-Event“ zu werden, wie es im Finanzmarkt-Jargon heißt.

Dass Bernanke sich nicht die Ehre gibt, hat zwar durchaus nachvollziehbare Gründe: Seine Amtszeit endet in etwa einem halben Jahr. Der Fed-Chef gilt als amtsmüde, will laut Vertrauten nicht weiter machen. US-Präsident Barack Obama hat bereits recht deutlich gemacht, dass er ihn nicht noch mal berufen wird. Dennoch ist der Ausfall des amerikanischen Notenbankchefs in Jackson Hole äußerst ungewöhnlich. Bis auf wenige Ausnahmen war es bislang üblich, dass er die Eröffnungsrede hält, die insbesondere an den Finanzmärkten regelmäßig großen Widerhall findet.

Vertreten wird Bernanke in diesem Jahr von der Vizechefin der Federal Reserve, Janet Yellen. Sie wird neben dem ehemaligen US-Finanzminister Larry Summers als aussichtsreichste Nachfolge Bernankes gehandelt. Umso spannender könnte sein, was sie zu sagen hat. Doch Presseberichten zufolge wird Yellen überhaupt keine Rede halten, sondern lediglich eine Diskussionsrunde leiten. Richtungsweisende Aussagen zur näherrückenden geldpolitischen Wende in den USA sind damit nicht sehr wahrscheinlich. Seit Monaten hält die Finanzmärkte die Frage in Atem, wann die Fed ihre massive Geldflut zur Ankurbelung der Wirtschaft einzudämmen beginnt.

Aber nicht nur zahlreiche Vertreter aus den Reihen der Federal Reserve, auch andere hochrangige Notenbanker werden in diesem Jahr die Reise in das idyllische Bergdorf Jackson Hole im US-Staat Wyoming nicht auf sich nehmen. Wie schon im Vorjahr wird EZB-Chef Mario Draghi fernbleiben. Ihn soll der Portugiese Vitor Constancio, Vizechef der Europäischen Zentralbank, vertreten. Der neue Chef der Bank of England, Mark Carney, wird ebenfalls nicht anreisen. Stattdessen wird der Vizevorsitzende Charles Bean anwesend sein.

Von den vier großen Notenbanken wird damit lediglich die Bank of Japan ihren Chef entsenden. Dass Haruhiko Kuroda den Marktteilnehmern wesentlich Neues vermitteln will, gilt unter Beobachtern allerdings auch als eher unwahrscheinlich. Damit droht Jackson Hole in diesem Jahr - zumindest aus Sicht der Märkte - zum Langweiler zu werden. Vielleicht sorgt der zuletzt wiederholt mit kontroversen Aussagen zur Euro-Krise vorgepreschte Internationale Währungsfonds (IWF) für Aufsehen: Chefin Christine Lagarde wird jedenfalls persönlich vor Ort sein.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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