Fed-Protokoll
US-Notenbank sorgt sich um die Inflation

Nicht nur EZB-Präsident Mario Draghi, sondern auch die Notenbanker jenseits des Atlantiks wollen höhere Preise. Die Experten der Ratingagentur Moody's hatten ein etwas anderes Protokoll der US-Notenbank erwartet.
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WashingtonDie anhaltend niedrige Inflation bereitet der US-Notenbank Fed zunehmend Sorgen. Auf ihrem jüngsten Zinstreffen debattierten die Währungshüter ausgiebig über die Aussichten für ein Anziehen der Teuerung, wie aus den Protokollen der September-Sitzung der Notenbank hervorgeht, die die Fed am Mittwoch veröffentlichte.

Viele Teilnehmer hätten ihre Sorge zum Ausdruck gebracht, dass die schwachen Inflationszahlen in diesem Jahr Entwicklungen widerspiegeln könnten, die länger anhielten. Einige Geduld sei daher angemessen bei der Rücknahme der geldpolitischen Unterstützung, während Trends bei der Teuerung geprüft würden. Dennoch waren laut Protokoll viele Dollar-Wächter der Ansicht gewesen, dass eine weitere Zinsanhebung in diesem Jahr wahrscheinlich gerechtfertigt sei.

Für die Ratingagentur Moody's  waren die Protokolle etwas mehr „dovish“ als erwartet, signalisieren also eher eine weiter anhaltende expansive Geldpolitik. Für die Experten sei eine Zinserhebung im Dezember dieses Jahres nicht unbedingt mehr hundertprozentig sicher. Die Analysten erwarten zwar weiterhin eine Erhöhung gegen Ende 2017, aber die künftigen Inflationsdaten müssten dafür in die richtige Richtung zeigen.

Die US-Notenbank hob bislang zweimal in diesem Jahr ihren Leitzins an, zuletzt im Juni. Sie hatte im September die Füße still gehalten aber zugleich angekündigt, dass sie ihr in den Jahren nach der Finanzkrise durch Wertpapierkäufe auf 4,5 Billionen Dollar angeschwollenes Portfolio ab Oktober eindampfen will. Fed-Chefin Janet Yellen und weitere US-Notenbanker hatten zuletzt die Erwartung bekräftigt, dass ein weiterer Zinsschritt bis zum Jahresende erfolgen könnte, falls die Konjunktur dies zulässt. Aktuell liegt der Leitsatz für die Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld in der Spanne von 1,0 bis 1,25 Prozent.

Die Fed peilt eine Inflationsrate von zwei Prozent an. Dabei achtet sie besonders auf Preisveränderungen bei den persönlichen Ausgaben der Verbraucher (PCE), die Energie- und Nahrungsmittelkosten ausklammert. Dieser Wert sank im August allerdings leicht auf 1,3 Prozent – die Notenbank-Zielmarke liegt damit nach wie vor nicht in Reichweite.

Der Präsident der Fed von Chicago, Charles Evans, sieht daher seine vorsichtige Haltung bestätigt. Es würde nicht schaden, wenn die Fed länger warten würde mit einer weiteren Zinsanhebung, um die Inflationsentwicklung zu prüfen, sagte das stimmberechtigte Mitglied am Mittwoch in Zürich. Der Präsident der Notenbank von San Francisco, John Williams, plädierte dafür, bei den Zinsanhebungen in den kommenden zwei Jahren ein sachtes Tempo zu gehen, bis ein neuer Normalwert von 2,5 Prozent erreicht sei.

Ihr zweites Ziel Vollbeschäftigung hat die Notenbank dagegen praktisch erreicht. Im September war die Arbeitslosenquote auf 4,2 Prozent gefallen, was der niedrigste Wert seit 2001 ist. Allerdings ging aufgrund der Folgen der Wirbelstürme Harvey und Irma die Beschäftigung zum ersten Mal seit sieben Jahren zurück. Es kam zu zeitweiligen Entlassungen, Neueinstellungen wurden verschoben.

Wie aus dem Protokoll hervorgeht, hatten die Fed-Mitglieder wegen der Wirbelstürme mit einem schwachen Arbeitsmarktbericht gerechnet. Sie waren jedoch der Auffassung, dass dies die Wirtschaftsentwicklung auf mittlere Sicht nicht dämpfen werde. Die meisten Sitzungsteilnehmer rechneten zudem damit, dass es zu stärkeren Lohnzuwächsen im Zuge eines sich weiter verbessernden Arbeitsmarktes kommen werde.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • https://www.nzz.ch/finanzen/fonds/die-etf-anleger-wetten-auf-trump-ld.1321423

    Die ETF-Anleger wetten auf Trump
    2017 wird vermutlich ein Rekord-Jahr mit Blick auf die Kapitalzuflüsse in Exchange Traded Funds (ETF). Die US-Aktien-ETF sind gerade wieder einmal beliebt.
    Claudia Gabriel11.10.2017, 20:30 Uhr
    378 Mrd. $ Neugelder sind im vergangenen Jahr in Exchange Traded Funds (ETF) geflossen. Dieses Jahr sind es bereits wieder 458 Mrd., besagt die Statistik des Gross-Anbieters Blackrock. Das Jahr 2017 ist auf Rekord-Kurs.
    …..................................

    US-President TRUMP wird in die Wirtschaftliche Geschichte der USA als der MACHER eingehen !

    Die Weltwirtschaft hat noch gar nicht richtig den Start der USA berechnet wie es unter TRUMP startet und selbst nach einem Ende seiner Regierungszeiten für die USA weitere Folge Erfolge einbringen wird.

    Alle geben sich Weltweit als Experten aus und erreichen nichts.
    TRUMP macht und lässt machen und die USA ist längst im Aufwind !!!

    Und dann kommt auch mehr Inflation ! Gesunde Inflation und nicht kranke Inflation wie innerhalb der Europäische Union !!!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Notenbanken sollten einfach mal darüber nachdenken, ob das Geld, das sie so munter verteilen vielleicht nicht bei den richtigen Leuten ankommt?

    Wir haben nämlich jede Menge Inflation - bei den Vermögenspreisen. Und so lange das Geld nur dort seine Kreise zieht, muss man sich über die schwache Inflationsrate nicht wundern.

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