Fed-Sitzung
Bernanke sucht die Bremse

Die US-Notenbank kauft jeden Monat für 85 Milliarden Dollar Staatsanleihen. Doch seit langem spekulieren die Märkte darüber, wann sie ihr Engagement zurückfährt. Heute könnte Fed-Chef Bernanke den ersten Schritt wagen.
  • 13

Es ist ein beispielloses Experiment in der Wirtschaftsgeschichte. Jeden Monat kauft die amerikanische Notenbank Fed für 85 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen auf. In einem Jahr ergibt sich daraus eine Summe von einer Billion US-Dollar – etwa so viel, wie die gesamte Wirtschaftsleistung Spaniens. Die Fed startete die Anleihekäufe in der Finanzkrise. Sie will damit die langfristigen Zinsen drücken und so der lahmenden US-Wirtschaft Schwung geben.

Inzwischen ist dies einigermaßen gelungen. Die US-Wirtschaft soll in diesem Jahr um zwei Prozent wachsen und die Arbeitslosigkeit ist seit der Finanzkrise von 9,6 auf 7,3 Prozent gefallen. Daher diskutieren die Märkte seit Monaten über eine baldige Drosselung der Anleihekäufe. Fed-Chef Ben Bernanke selbst heizte die Spekulationen an, als er im Juni sagte, die Fed wolle ihre Anleihekäufe noch in diesem Jahr verringern und bis Mitte 2014 ganz einstellen. An diesem Mittwoch könnte Bernanke den Worten bereits Taten folgen lassen. „Wir rechnen damit, dass die Fed ihre Anleihekäufe um zehn bis 15 Milliarden Dollar im Monat kürzt“, sagt Bernd Weidensteiner, US-Analyst bei der Commerzbank.

Die Wahrscheinlichkeit, dass es so kommt, ist groß. Ausgemachte Sache ist dies jedoch noch nicht. Möglicherweise hat Bernanke mit seinen Andeutungen im Juni schon mehr erreicht, als ihm lieb war. Die Märkte schlossen aus seinen Aussagen jedenfalls, dass die Fed nicht nur ihre Anleihekäufe drosselt, sondern auch bald eine Wende in der Zinspolitik vollziehen könnte. Diese veränderte Erwartung an den Märkten zeigte deutliche Wirkung: Die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen sind seither um fast einen Prozentpunkt gestiegen. In Europa legten die Anleihezinsen ebenfalls zu. Dagegen gerieten einige Schwellenländer-Währungen unter Druck, weil die Anleger dort mit geringeren Kapitalzuflüssen aus dem Dollarraum rechnen.

Kommentare zu " Fed-Sitzung: Bernanke sucht die Bremse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Fed macht gar nichts.Warum hat dann Bernanke im Mai die Märkte verrückt gemacht?Offenbar war ihm der anschließende Kurssturz im Dow zuviel.Nun man muss oder sollte wissen,dass die Herren und Damen der Fed selber stark am Aktienmarkt spekulieren.Das "Wallstreet Journal" berichtet darüber schon im Jahre 2000.Insofern war ihm wohl sein eigener Depotverlust seit Mai zuviel und so steuerte er jetzt um.Besonders glaubwürdig ist das natürlich nicht.Ich denke er wird den Ausstieg auf den Sanktnimmerleinstag verschieben.Denn die 6,5% AL-Quote sind eh interpretationsbedürftig,das wissen alle,die sich damit in den USA auskennen.Aber bitte,jeder wie er will.Die Fed Bilanzsumme wird damit natürlich gigantisch.

  • Um die DDR ist es nicht schade. Sie ist untergegangen weil eine Altherrenrunde (Politbüro) despotisch herrschte.
    Wie lange die Ehe zwischen Demokratie und Kapitalismus dauern wird, ist die spannende Frage der Zukunft.

  • Schade das die alte DDR nicht auf den selben Trichter kam:Einfach Geld drucken und schon ist die Welt wieder in Ordnung.Die Auslandsschulden der DDR betrugen zum Ende 41 Mrd DM.Das hat Bernanke in einer Woche neu gedruckt.Ja so gehts:Einfach 85 Mrd Monat für Monat drucken und schon ist die Welt in Ordnung-geniales Konzept.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%