Fed-Sitzung
Die nächste Zinserhöhung liegt in der Luft

Wie erwartet bleiben die Leitzinsen in den USA zunächst unverändert. Aber die Notenbank Fed gibt bei ihrer jüngsten Sitzung einen leisen Hinweis, dass sie im Dezember zur Tat schreiten will.
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New YorkMichael Feroli hat Recht behalten. Der Volkswirt von JP Morgan hatte vermutet, dass die US-Notenbank Fed an einem entscheidenden Punkt ihrer Stellungnahme das Wörtchen „etwas“ einfügen werde. Und das hat sie getan: Sie will vor der nächsten Zinserhöhung noch „etwas mehr Fortschritte“ in der wirtschaftlichen Entwicklung sehen. Beim letzten Mal hieß es einfach „mehr Fortschritte“. Dieser kleine Zusatz, so sagte Feroli schon vorab, könnte als verhaltene Ankündigung einer Zinserhöhung im Dezember angesehen werden.

Auffällig ist auch, dass dieses Mal nur zwei Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses gegen den Beschluss gestimmt haben, weil sie eine sofortige Zinserhöhung bevorzugt hätten: Esther George, Chefin der Fed Kansas, und ihre Kollegin Loretta Mester aus Cleveland. Bei der letzten Sitzung hatte zusätzlich noch Eric Rosengren aus Boston gegen die Mehrheit gestimmt. Man kann davon ausgehen, dass Fed-Chefin Janet Yellen versuchen wird, für den nächsten Zinsschritt eine einstimmige Entscheidung zu bekommen.

Im Dezember 2015 hatte die Fed zum ersten Mal seit der Finanzkrise die Leitzinsen angehoben. Sie stiegen um einen viertel Prozentpunkt auf eine Spanne zwischen 0,25 und 0,5 Prozent. Der nächste Schritt dürfte ähnlich klein ausfallen.

Die US-Notenbank versucht seit langem, ihre Zinspolitik zu normalisieren. Sie hat schon den ersten Schritt im Jahr 2015 immer wieder hinausgeschoben. Anfang 2016 waren die US-Notenbanker noch überwiegend der Meinung, dass es im laufenden Jahr zu mehreren weiteren Zinserhöhungen kommen werde. Jetzt kann es noch maximal eine einzige geben.

Im Laufe der vergangenen Monate haben Fed-Chefin Janet Yellen und ihre Kollegen sich mehr und mehr die Theorie zu eigen gemacht, dass der sogenannte neutrale Zinssatz, bei dem die Wirtschaft weder gebremst noch angetrieben wird, deutlich gesunken sei und möglicherweise auch auf lange Zeit niedrig bleibe. James Bullard, Chef der Fed St. Louis, hat im Sommer sogar die Meinung vertreten, eine einzige weitere Zinserhöhung bis hinein ins Jahr 2018 sei genug.

Auf der anderen Seite ist aber in der Fed auch die Sorge zu spüren, bei einer neuerlichen Rezession kaum Spielraum zur Zinssenkung zu haben, wenn man die Sätze zuvor nicht deutlicher angehoben hat. Anders gesagt: Die Notenbank steht vor der Wahl, mit zu schnellen Schritten die wirtschaftliche Erholung zu gefährden oder mit zu langsamen Schritten vorzugehen und immer weiter mit beinahe leeren Händen dazustehen.

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