Federal Reserve
US-Notenbank bleibt lockerer Geldpolitik treu

Die US-Notenbank rührt den Leitzins weiterhin nicht an. Und daran soll sich bis weit ins Jahr 2014 so schnell auch nichts ändern. Die Nachricht sorgte an der Börse für Begeisterung - aber es gibt auch mahnende Stimmen.
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Angesichts der einsetzenden Erholung am Arbeitsmarkt greift die US-Notenbank vorerst nicht zu weiteren Milliardenspritzen für die Wirtschaft. Die Federal Reserve (Fed) teilte am Dienstag nach einer Sitzung des für die Geldpolitik zuständigen Offenmarktausschusses (FOMC) in Washington mit, dass sie kein neues Ankaufprogramm auflege. Die Notenbanker um Fed-Chef Ben Bernanke ließen sich jedoch eine Hintertür offen und wollen Umfang und Zusammensetzung ihrer Wertpapierbestände regelmäßig prüfen und bei Bedarf anpassen, um der Wirtschaft Beine zu machen.

Ob die Fed aber wie von manchen Experten erwartet noch dieses Jahr weitere Konjunkturstützen gewähren wird, ließ sie offen. Die Notenbank blickt zumindest etwas optimistischer auf die Konjunktur als zuletzt: Die Arbeitslosenquote sei „merklich gesunken“, auch wenn sie noch immer erhöht sei. Die Fed erwartet auch in den nächsten Quartalen moderates Wachstum. Sie strich zugleich einen Verweis auf das nachlassende Wachstum der Weltwirtschaft, der sich noch im Begleit-Text zum Zinsentscheid im Januar fand.

Wie damals signalisierten die Notenbanker nun erneut, den Leitzins bis lange ins Jahr 2014 hinein auf niedrigem Niveau belassen zu wollen. Er liegt derzeit bei 0 bis 0,25 Prozent. Gegen das Niedrigzins-Bekenntnis stimmte erneut der Präsident der Fed von Richmond, Jeffrey Lacker. Die US-Aktien bauten nach der Fed-Erklärung ihre Zugewinne weiter aus, ebenso der Dollar seine Zugewinne zum Euro. Die Preise für US-Staatsanleihen gaben hingegen nach. „Fed-Chef Bernanke ist offenbar skeptisch, was die Stärke der Konjunkturerholung betrifft. Er dürfte zusätzliche Maßnahmen zumindest in der Hinterhand behalten wollen“, meint Fed-Beobachter Bernd Weidensteiner von der Commerzbank. Ob der Fed-Chef nachlege, hänge von den Daten der nächsten Monate ab.

Die US-Wirtschaft hat sich zuletzt wieder gefangen - insbesondere die Lage am Arbeitsmarkt hat sich aufgehellt. In den vergangenen drei Monaten wurden jeweils mehr als 200.000 Stellen geschaffen. Über eine halbe Million Amerikaner mehr sind nun in Lohn und Brot als Ende vorigen Jahres. Sie melden sich auch als Verbraucher wieder verstärkt zurück. Die US-Einzelhändler verbuchten im Februar die größten Umsatzzuwächse binnen fünf Monaten. Die Arbeitslosenquote ist mit 8,3 Prozent so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr, für amerikanische Verhältnisse jedoch noch immer sehr hoch.

Die Fed erwartet laut ihrer Januar-Prognose, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dieses Jahr um moderate 2,2 bis 2,7 Prozent zulegen wird. Die Arbeitslosenquote soll jedoch bis zum Jahresende kaum mehr sinken. Da die Notenbank nicht nur für Preisstabilität, sondern auch für Vollbeschäftigung sorgen soll, kann sie sich angesichts dieser Aussichten nicht beruhigt zurücklehnen. Viele Experten rechnen trotz aufgehellter Lage am Arbeitsmarkt und günstigen Wachstumsaussichten daher damit, dass die Fed der Wirtschaft noch dieses Jahr weiter auf die Sprünge helfen wird.

Zwölf von Reuters befragte Primärhändler, die direkt Geschäfte mit der Zentralbank abwickeln, erwarten, dass die Fed dafür 525 Milliarden Dollar in die Hand nehmen wird. In der Krise hatte die Fed bereits mit zwei Runden von Staatsanleihen- und Wertpapierkäufen im großen Stil versucht, der Konjunktur Dampf zu machen. Insgesamt wurden dafür 2,3 Billionen Dollar in den Wirtschaftskreislauf gepumpt. Die meisten der befragten Primärhändler rechnen damit, dass die Fed noch in der ersten Jahreshälfte nachlegen wird. Mit Spannung richten sich die Blicke daher auf die Zinssitzungen im April und Juni, wenn Bernanke die Beschlüsse im Anschluss vor der Presse erläutern wird.

So hätten sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt verbessert und die „Spannungen auf den globalen Finanzmärkten gelockert“, wie es in der Mitteilung des Offenmarktausschusses hieß. Allerdings gebe es noch immer bedeutsame Abwärtsrisiken im Wirtschaftsausblick.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Geld ist nicht etwas, was durch Produktion und Handel, durch Verkauf und Kauf geschaffen wird. Geld ist der Ersatz für eine Ware oder eine Dienstleistung, die ich im Tausch für empfangene Waren/Dienste erhalte - als ein Versprechen dafür.

    Geld ist eine Ware, die sofortige oder spätere Nachfrage befrieden soll. Nicht mehr.

  • @ bueschl

    Sie irren - nichts "fängt von vorne an". Kapitalismus, ja sogar die Dialektik der menschlichen Geschichte an sich ist kein "Zyklus", sondern ein EINMALIGER PROZESS.

    http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/WiderspruchStoffFormPreprint.pdf

    http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=21&posnr=83&backtext1=text1.php

  • @ karstenberwanger

    Wir steuern nicht nur auf den Kollaps der Finanzen zu, sondern auf eine spiegelbildliche Entwertungslawine des durch diese Finanzblasen künstlich initiierten und beatmeten Realkapitals. Denn schließlich bricht ja dann auch noch die durch die astronomischen überkapazitäten künstlich erzeugte Kaufkraft weg (nicht zu vergessen die alte Binsenweisheit, wonach an einem industriellen Arbeitsplatz zwei bis drei weitere im so genannten Dienstleistungssektor hängen).

    Das Spiel ist aus.

    http://www.math.uni-hamburg.de/home/ortlieb/WiderspruchStoffFormPreprint.pdf

    http://www.exit-online.org/textanz1.php?tabelle=autoren&index=21&posnr=83&backtext1=text1.php

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