Finanzbranche am Tropf
Wie die EZB den Banken hilft

Die Europäischen Zentralbank konzentriert ihre Rettungsbemühungen vor allem auf die Finanzbranche. Nirgendwo sonst hat sie so viel Geld regnen lassen. Ein Überblick.
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FrankfurtDie Europäische Zentralbank hat in den vergangenen Monaten eine beispiellose Liquiditätswelle losgetreten. Dabei überhäufte sie vor allem die Banken mit frischen Euros und erleichterte ihnen die Refinanzierung. Dahinter steckt ein Kalkül: Die EZB stützt lieber die Banken als die Staaten. Dadurch will sie den Druck zu Reformen aufrechterhalten. Für die Banken bedeutet dies eine Reihe von Erleichterungen:

Refinanzierungsgeschäfte

Gegen Sicherheiten als Pfand erhalten die Geschäftsbanken Geld von der Zentralbank, das sie als Kredit an ihre Kunden weiterreichen können. Seit Oktober 2008 können die Institute Geld in unbegrenzter Höhe bei der EZB leihen (Vollzuteilung). Zudem hat die Notenbank ihr Instrumentarium um Geschäfte mit längeren Laufzeiten ergänzt: Derzeit können Banken für bis zu drei Jahre Geld zum jeweils gültigen Leitzins leihen. Mit dem ersten dieser Tender im Dezember 2011 verlieh die EZB 489 Milliarden Euro.

Geringere Anforderungen an Sicherheiten

Bei den Refinanzierungsgeschäften müssen Banken Sicherheiten hinterlegen, beispielsweise Staatsanleihen. Von der Bonität dieser Sicherheiten hängt auch das bilanzielle Risiko der Zentralbank ab. Im Verlauf der Finanzkrise hat die EZB die Liste möglicher Sicherheiten erweitert und ihre Bonitätsanforderungen teilweise verringert. Am 8. Dezember 2011 beschloss der EZB-Rat, vorübergehend auch Kreditforderungen, also Bankkredite, die auf nationaler Ebene als notenbankfähig eingestuft werden, als Sicherheiten zuzulassen. Die Kriterien sind hier aber noch ebenso ungeklärt wie die Frage, ob bei einem Kreditausfall die jeweiligen nationalen Notenbanken oder gemäß dem Kapitalschlüssel alle Banken der Euro-Zone in die Pflicht genommen werden. Um angeschlagenen Banken zu helfen, hat die EZB zudem bis auf weiteres die Mindestanforderungen an die Sicherheiten marktfähiger Schuldtitel ausgesetzt, die von den Regierungen Griechenlands, Irlands und Portugals entweder selbst begeben oder von ihnen garantiert werden.

Leitzinsen

Ihre Höhe bestimmt die Refinanzierungskosten der Banken. Seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 hat die EZB ihre Leitzinsen in sieben Schritten bis Mai 2009 auf das Rekordtief von einem Prozent gesenkt. Zwei Zinserhöhungen im April und Juli 2011 wurden zum Jahresende wieder zurückgenommen.

Mindestreserve

Sie schreibt vor, welchen Prozentsatz ihrer kurzfristigen Kundeneinlagen Geschäftsbanken bei der Notenbank hinterlegen müssen. Eine Erhöhung der Reserve entzieht den Instituten Liquidität, eine Senkung verschafft ihnen mehr finanziellen Spielraum. Im Dezember 2011 hat die EZB den Mindestreservesatz von zwei auf ein Prozent halbiert.

Staatsanleihekäufe

Sie stützen die Banken indirekt, indem sie tendenziell die Kurse von Anleihen angeschlagener Euro-Staaten stabilisieren und somit Risiken in den Bankbilanzen reduzieren. Seit Mai 2010 hat die EZB auf dem Sekundärmarkt, also von der Finanzbranche, Anleihen angeschlagener Staaten wie Griechenland, Spanien und Italien für 213 Milliarden Euro in ihr Portfolio genommen. Notfallkreditlinien In Mitgliedstaaten wie Irland oder Griechenland können Banken auch die Emergency Liquidity Assistance nutzen. Auf diesem Weg können Geschäftsbanken Gelder der nationalen Notenbank erhalten, die in einer Form besichert sind, die den Anforderungen für eine Refinanzierung bei der EZB nicht genügen würde.

Kommentare zu " Finanzbranche am Tropf: Wie die EZB den Banken hilft"

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  • In anderen Bereichen wäre die Staatsanwaltschaft schon aktiv.

  • Für mich hört sich das an wie SCHLARAFFEN - LAND an. Für Banken.
    Muß ich denArtikel wirklich ERNST nehmen, oder ist das Satire ?

    Wäre schön, wenn es Schlaraffenland wirklich gäbe.
    Sieht doch fast so aus, oder habe ausgerechnet ich ein Wahrnehmungsproblem?

    Im Moment ist doch alles bestens:
    ich sehe beim Einkaufen nur gepflegte Menschen, sorgfältig gekleidet, die aus und in gepflegte Autos von beträchtlichen Ausmaßen und reichlich Neuwert steigen. Gibt es irgendwo ein Problem in Deutschland? Es fahren keine Panzer durch die Straßen, die U-Bahnen fahren pünktlich, Strom fließt. Es gibt genug zu essen. Benzin ist nicht rationiert. Um was geht es denn eigentlich?
    Wenn Wir Geld brauchen? Dann lassen wir welches drucken und ALLE profitieren davon. Wer halt clever ist, profitiert ein wenig mehr. Na und? Aber das war doch schon IMMER so! Hauptsache kein Krieg im eigenen Land.

    Angeblich (laut medizin. Gutachten) habe ich aber inzwischen auch den NA-I-V Virus! Kennt den irgend jemand genauer? Bitte schreiben Sie mir!

    handelsblatt.com ätsch selbsthilfeprojektdeutschland.de

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