Finanzwächter
Was Bundesbanker auf dem Konto haben

Wer den Bewerbungsprozess der Bundesbank übersteht, erhält nicht nur einen Zuschlag aufs Gehalt – es lockt auch ein kostenloses Konto bei der Bank in der Notenbank. Alles über Deutschlands exklusivstes Geldhaus.
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DüsseldorfEs sind 3582 Finanzinstitute, die in Deutschland von der Bundesbank überwacht werden. Fast 3000 Aufsichtsgespräche führten die Beamten der Frankfurter Zentrale und ihrer Außenstellen im vergangenen Jahr im ganzen Land. Doch für Deutschlands exklusivste Bank ist kein Termin in den Kalendern der Finanzwächter vermerkt.

Dabei wäre der Dienstweg kurz, denn das exklusive Geldhaus hat seinen Sitz in der Zentrale der Notenbank in Frankfurt: Es ist die Bank in der Notenbank. Wer dort ein Konto eröffnen will, muss ein strenges Bewerbungsverfahren über sich ergehen lassen. Denn nur Mitarbeiter und Ehemalige erhalten das Privileg – zusätzlich zu einer Zulage von bis zu neun Prozent auf reguläre Beamtengehälter.

Auf Anfrage von Handelsblatt Online gibt die Bundesbank erstmals Details über die Größe des Bankgeschäfts für die Mitarbeiter bekannt: 21.500 Girokonten führt die Behörde für etwa 10.800 aktuelle Beschäftigte sowie Ehemalige – mit einem Einlagevolumen von 400 Millionen Euro. Im Durchschnitt hat damit jeder Notenbanker 18.600 Euro auf dem Konto. In den 16.100 Depots liegen Wertpapiere im Wert von 350 Millionen Euro (21.700 Euro pro Depot).

„Die hausinterne Konto- und Depotführung ist eine bankenübliche Personaldienstleistung“, schreibt die Bundesbank. Und da die Bundesbank nicht der Überwachung laut Kreditwesengesetz unterstehe, müsse auch das Kontogeschäft nicht überwacht werden.

Jeden Monat werden Gehalt oder Pension auf den Konten gutgeschrieben. Die Mitarbeiter können unter anderem per Online-Banking darüber verfügen – gebührenfrei. „Die Bank berechnet keine Entgelte“, heißt es in den Personalkonto-Bedingungen. Eine Verzinsung von derzeit 0,55 Prozent gibt es zudem für die Kontoguthaben. Dabei orientiere sich die Bank an der Zinsstatistik der EZB.

Und als der griechische Schuldenschnitt auch deutsche Anleger aufschreckte, weil bei mancher Direktbank wegen des Umtauschs der Papiere in viele Einzeltitel heftige Gebührenzahlungen anfielen, konnten sich betroffene Bundesbanker zurücklehnen: „Depotgebühren für Sonderleistungen (…) z.B. [für] Umtausch von Wertpapieren (…) werden nicht berechnet“, heißt es in den Depot-Bedingungen.

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10 Jahre Baufinanzierung für 0,73 Prozent Zinsen

Kommentare zu " Finanzwächter: Was Bundesbanker auf dem Konto haben"

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  • Auch ich bin äußerst verwundert über einen solch schlecht recherchierten Bericht. Und das vom HB. Sie vermitteln ein Bild vom teuer bezahlten Bundesbanker. Hätten Sie einmal genauer hingesehen, wären Ihnen sicher auch die vielen "Kleinverdiener" der Bundesbank aufgefallen, die von dem abgebildeten Gehalt nur träumen können... Welches Ziel verfolgt ein solcher Artikel?

  • Richtig - dort steht Bundesbankzentrale, aber nicht Bundesbank. 9 % haben nicht alle Mitarbeiter. Wenn man seriös zitieren will, sollte man schon die ganze Wahrheit sagen - alles andere wirkt doch nur wie Stimmungsmache. Vergleichen Sie die Gehälter (aber nicht nur das, was in dem Artikel angezeigt wird) mit den Gehältern bei Geschäftsbanken.

  • Ich habe den Bewerbungsprozess überstanden und arbeite bei der Bundesbank.

    1. Von dem oben angezeigten Gehalt kann ich nur träumen - obwohl ich nicht zum unteren Level der Beschäftigten zähle.
    2. Aus welchem Jahrhundert kommen Leute, die ein kostenloses Girokonto als Privileg ansehen? Das bieten doch inzwischen viele Banken an.
    3. Aus welchem Jahrhundert muss man kommen, dass man bequemes Online-Banking als Privileg ansieht? Das ist doch wohl schon länger Normalität!
    4. Ich habe ein Baudarlehen der Bundesbank und dafür zahle ich nicht 0,73 % Zinsen, sondern marktübliche, denn die Bundesbank passt ihre Zinsen regelmäßig den Marktbedingungen an - was im übrigen auch für Dispo-Zinsen auf dem Giro-Konto gilt.

    Ist jetzt wirklich jemand auf 0,55 % Verzinsung auf dem Personalkonto neidisch? Dann sollte er - und das war wenigstens mal die Wahrheit - daran denken, dass die Abhebungen am Geldausgabeautomaten außerhaöb der Bank recht hoch sind.

    Wer liefert denn solche Recherchen ab und wer veröffentlicht sie dann auch noch?
    Ich bin wirklich überrascht, dass das Handelsblatt es nötig hat, statt einer sauberen Recherche solch Stammtischgeschwätz zu veröffentlichen.

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