Franken, Euro und die Schweiz
Ist dieser Mann ein Prophet?

Thomas Jordan ist der Notenbankchef, der den Franken vom Euro getrennt hat. Und er hat präzise die Euro-Krise vorausgesagt – vor genau 20 Jahren. Wir haben seine Doktorarbeit gelesen. Sie ist verblüffend aktuell.
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DüsseldorfMintgrüner schmuckloser Einband, nüchterne schwarze Schrift, das Exemplar der Unibibliothek wirkt wie neu, kaum gelesen: Ein Bestseller ist „Seignorage, Defizite, Verschuldung und Europäische Währungsunion“ nicht gerade. Dabei hätten einige Politiker vielleicht mal reinschauen sollen, in das 300-Seiten-Werk von Thomas Jordan, der das Buch mit dem sperrigen Titel als Doktorarbeit schrieb.

Es geht darin um Probleme der Eurozone, unterschiedlich hohe Verschuldung der beteiligten Länder und um die Frage, ob man Geld- und Fiskalpoltik wirklich trennen kann. Themen, die ausführlich diskutiert werden – mittlerweile.

Doch Thomas Jordan analysiert in dem Werk nicht rückblickend die Fehler, die zur Krise geführt haben – sondern die, die zur Krise führen könnten. Das Buch stammt aus dem Jahr 1994. Wer es jetzt ließt, erkennt: Der Autor hat die Krise kommen sehen.

Zumindest hat er einige der zentralen Probleme der Eurozone präzise vorausgesagt. Heute, zwanzig Jahre später, ist Jordan Chef der Schweizerischen Nationalbank SNB – und was der damals 30 Jahre alte Doktorand prognostizierte, verrät einiges darüber, wie der heutige Notenbank-Präsident der Schweiz tickt.

Vollkommen überraschend hat die Schweizer Zentralbank vergangene Woche ihre Währung, den Franken, vom Eurokurs abgekoppelt. Der bis dahin gültige Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro war damit passé und prompt schnellte der Kurs in die Höhe, mittlerweile ist er bei 1,01 Euro angekommen.

Während die Schweizer Unternehmen an der Börse in Zürich nach unten rauschten, begann die Suche nach der Antwort auf die Frage, was hinter dem plötzlichen Sinneswandel der SNB steckt. So vielfältig die Gründe sind – eine gewisse Skepsis gegenüber der Stabilität des Euro schwingt in der Entscheidung mit.

Notenbank-Chef Jordan verwies bei der Pressekonferenz auf das „schwierige internationale Umfeld“ in der Geldpolitik. Mit der Franken-Euro-Kursgrenze hatte er auch die Geldpolitik der Schweiz an die Entscheidungen von EZB-Chef Mario Draghi gekoppelt – und damit sollte Schluss sein.

Dass Jordan an einen Euro, so wie er konzipiert ist, nicht glaubt, wird schon in seiner Doktorarbeit klar. Seiner Analyse zufolge „kommen für eine Europäische Währungsunion zur Zeit nur Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Luxemburg in Frage.“

Kommentare zu " Franken, Euro und die Schweiz: Ist dieser Mann ein Prophet?"

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  • Solche „Propheten“ gibt und gab es auch in diesem Lande. Es war die Gruppe um Wilhelm Hankel, die gegen die schwachsinnige Formel von Kohl und Mitterrand, Politische Union und Währungsunion fest zu verbinden, Ende der 90er Jahre vors BVerfG gezogen sind. Die „Prophetie“ bestand aus der einfachen Formel, die jedem Studenten der VWL im 3. Semester verfügbar ist: Man kann Länder mit unterschiedlicher Wirtschafts- und Finanzstruktur nicht in eine gemeinsame Währungsunion stopfen; das muß so enden wie es heute bereits läuft: Im Chaos. Unsere Propheten galten damals als „Spinner“; heute sieht das ganz anders aus.

  • Der Euro ist als Nachfolger und Ablösung des Dollars konzipiert. Solange der Dollar als Weltreservewährung noch existiert, kann der Euro nur leiden. Die Probleme des Euros kommen von einem sterbenden Dollar, der die Alleinherrschaft beansprucht und keine gleichwertigen Konkurrenten zulässt.

  • Der Euro ist als Nachfolger und Ablösung des Dollars konzipiert. Solange der Dollar als Weltreservewährung noch existiert, kann der Euro nur leiden.

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