Geldpolitik
Asmussen warnt vor übersteigerter Inflationsangst

Der EZB-Präsident hat vor übertriebener Inflationsfurcht gewarnt. Sollte sich Inflationsdruck aufbauen, werde das Institut entschieden gegensteuern. Gleichzeitig verteidigte Asmussen das Anleihekaufprogramm.
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BerlinEZB-Direktor Jörg Asmussen hat vor übertriebener Furcht vor Inflation in der Euro-Zone durch die lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gewarnt. „Banken horten Geld. Was nicht stattfindet ist, dass es in den Geldkreislauf weitergegeben wird“, sagte Asmussen am Freitag auf einer von der Deutschen Bank ausgerichteten Konferenz in Berlin. Obwohl es in Zeiten der Krise durch die unkonventionellen Maßnahmen der EZB zu einer Ausweitung der Geldmenge gekommen sei, drohe somit keine Gefahr an der Preisfront.

„Furcht vor galoppierender Inflation hilft nicht. Es gibt keine Abstriche an unserer Politik der Geldwertstabilität“, betonte Asmussen. Wenn sich Inflationsdruck aufbauen sollte, werde die EZB gegensteuern, sagte der deutsche Geldpolitiker: „Da gibt es kein Pardon.“

Deutsche Bank Co-Chef Anshu Jain hatte kürzlich in einem Interview erklärt, er rechnet als Folge der Euro-Rettung mit einer höheren Inflation. Dies sei ein Preis, den man für Europa zahlen müsse. Asmussen äußerte sich nun nur wenige Stunden, nachdem die Brüsseler Statistikbehörde einen erhöhten Preisdruck in der Eurozone gemeldet hatte. Teure Energie hatte maßgeblich dazu beigetragen, dass die Verbraucherpreise im September auf Jahressicht um 2,7 Prozent anzogen. Die Inflationsrate ist somit weit höher als der EZB lieb sein dürfte. Sie entscheidet am Donnerstag über die Zinspolitik. Experten erwarten, dass die EZB den historisch niedrigen Leitzins von 0,75 Prozent vorerst nicht antasten wird. Die Währungshüter sehen mittelfristig stabile Preise bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

Asmussen verteidigte zugleich das von der Bundesbank abgelehnte Staatsanleihenankaufprogramm der EZB, das zur Stützung von unter den Euro-Rettungsschirm schlüpfenden Ländern aufgelegt werden soll. Die künftigen Bondkäufe zielten nicht darauf ab, einen „einheitlichen Zins“ in der Währungszone herzustellen. Allerdings solle der Teil der Renditen abgebaut werden, der mit Spekulation auf ein Auseinanderbrechen des Euro zusammenhänge. Asmussen betonte, er unterstütze im Gegensatz zu Bundesbankchef Jens Weidmann die geplanten Anleihenkäufe: „Aber nur unter strikter Konditionalität und nur, wenn es weiter Druck auf Reformen gibt.“

Der gesamten Eurozone und nicht nur den Südländern stehe ein schmerzlicher Anpassungsprozess ins Haus, der rund zehn Jahre dauern werde. Dabei dürften sich auch Staaten wie Deutschland, denen es derzeit gut gehe, nicht auf dem Erreichten ausruhen. Auch Frankreich müsse mehr zur Verbesserung seiner Wettbewerbsfähigkeit tun und sich kräftig anstrengen, um seine Haushaltsziele zu erreichen, mahnte Asmussen.

 

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Geldpolitik: Asmussen warnt vor übersteigerter Inflationsangst"

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  • Herr Asmussen hat vollkommen Recht, wenn er vor übertriebener Inflationsangst warnt. Sie haben allerdings auch Recht, wenn Sie darauf hinweisen, daß eine gewisse Inflationsangst berechtigt ist. Jedoch sind Ihre korrigierten Zahlen keine Inflationszahlen sondern betreffen eine Mischung aus Inflation und Teuerung. Dass bei steigender Weltbevölkerung Nahrungsmittel teurer werden, war früher oder später unausweichlich und hat mit Inflation nicht unbedingt etwas zu tun. Zwar gab es schon früher eine steigende Weltbevölkerung, aber damals sind die Löhne in den wachsenden Staate nicht gestiegen, das ist seit 10 Jahren anders und hat mit dem Euro nichts zu tun. Wenn ich mir Ihre Daten ansehe, dann erwarte ich eine Inflation von c. 3-4%. Für Waren die nicht mehr genügend vorhanden sind, kommt dann noch ein paar % Teuerung hinzu. Für den Verbraucher mag es nun gleichgültig sein, ob Teuerung oder Inflation, aber der Verbraucher muss schon akzeptieren, daß Teuerung nichts mit dem Euro zu tun hat, sondern mehr damit, daß die Chinesen auch so viel Fleisch essen wollen wie wir.

  • Mein Tip:
    Einfach mal die HB-Homepage runterscrollen und auf das "Wirtschaftswoche"-Icon klicken. Zuoberst erscheint dann der Artikel: "Ist die DM besser als der €?"
    Dort wird das Thema Inflation ebenfalls beleuchtet und die Mär vom gegenüber der DM achso stabilen € (wie ich finde) sachlich und überzeugend widerlegt.

    Die Aussagen von Herrn Assmussen kann ich hingegen nicht ernst nehmen.

  • Nicht zu vergessen, dass er auch die Reports der BAFin entgegen genommen hat. In der Wirtschaft sagt man dazu: "Alles in einer Hand!" Wenn der zu prüfende gleichzeitig der Berichtsempfänger ist, muss man die Frage nach der Ernsthaftigkeit derartiger Organisationsformen stellen.

    Wer so Bankenaufsicht organisiert, steht mit zwei Beinen schon im Gefängnis. Nur nicht der Staatssekretär Steinbrücks nicht.

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