Geldpolitik
Bank von Japan will sich mehr auf Negativzinsen konzentrieren

Die japanische Notenbank will einem Zeitungsbericht zufolge stärker auf Negativzinsen setzen. Das massive Anleihekaufprogramm, das auch Kern der Geldpolitik der EZB ist, stoße allmählich an seine Grenzen.

TokioIn Japan wird die Notenbank im Kampf gegen die hartnäckige Konjunkturflaute und den starken Yen womöglich noch mehr auf Negativzinsen setzen. Auf der Sitzung Mitte nächster Woche soll über sie als künftiges Herzstück der Geldpolitik gesprochen werden, wie Reuters aus mit der Sache vertrauten Kreisen erfuhr. Als erste hatte die Zeitung „Nikkei“ (Mittwochausgabe) über entsprechende Pläne berichtet, da das massive Anleihen-Kaufprogramm der Währungshüter allmählich an Grenzen stoße. Das Kalkül hinter noch niedrigeren Zinsen: Die Kreditvergabe soll angekurbelt und der für Exporteure schädliche Yen-Höhenflug gebremst werden.

Die Bank von Japan (BoJ) hatte Anfang des Jahres beschlossen, dass Finanzinstitute auf ihre laufenden Konten bei der Zentralbank eine Gebühr von 0,1 Prozent zahlen müssen. Das Horten von Geld wird damit unattraktiver. Der Strafzins soll helfen, mehr Kredite auszureichen und so die lahmende Wirtschaft anzukurbeln sowie für Preisauftrieb zu sorgen. Bislang ist das jedoch nicht gelungen. Experten verweisen darauf, dass es bei der Nachfrage nach Darlehen hapert und frei werdende Gelder eher für spekulative Geschäfte als für Investitionen genutzt werden könnten.

Die BoJ wird bei ihrem mit Spannung erwarteten nächsten Treffen eine umfassende Einschätzung abgeben, welche Erfolge ihre ultra-lockeren Geldpolitik gebracht hat. Bislang nahmen die Währungshüter jährlich 80 Billionen Yen - umgerechnet rund 678 Milliarden Euro – in die Hand, um Wertpapiere zu kaufen und so die Wirtschaftsflaute zu bekämpfen.

Der Yen, der dieses Jahr zum Dollar bereits um fast 17 Prozent aufgewertet hat, macht Produkte „Made in Japan“ im Ausland teurer. Im Juli hat dieser Effekt maßgeblich zu einem Einbruch der Ausfuhrzahlen beigetragen. Zudem fielen die Daten zur Industrieproduktion und den Verbraucherausgaben zuletzt schwach aus. Daher könnte die Notenbank nun mit noch niedrigeren Zinsen den Hebel ansetzen, um die Währung für Investoren an den Devisenmärkten unattraktiver zu machen.

Die Schweizerische Nationalbank hat den entsprechenden Satz bereits auf minus 0,75 Prozent gesetzt und kämpft damit gegen die Franken-Stärke an. Die Berichte über Pläne für eine weitere Lockerung der Geldpolitik in Japan drückten nun auch den Yen: Der Dollar stieg auf 103,11 Yen von 102,53 Yen im späten US-Geschäft am Dienstag.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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