Geldpolitik
Bernanke will Niedrigzins-Politik fortsetzen

Die US-Notenbank will ihre Geldpolitik erst wieder straffen, wenn sich die Situation am Arbeitsmarkt weiter verbessert. Einige Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses sind anderer Meinung als Fed-Chef Ben Bernanke.
  • 12

WashingtonUS-Notenbank-Chef Ben Bernanke will auch in naher Zukunft an der Niedrigzinspolitik festhalten. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der niedrigen Inflation sei die amerikanische Wirtschaft weiter auf günstiges Geld angewiesen, sagte Bernanke am Mittwoch. Zudem werde die Wirtschaft von höheren Steuern und den Kürzungen der öffentlichen Ausgaben gebremst. Derzeit liegt der US-Leitzins bei 0 bis 0,25 Prozent.

„Sehr expansive Geldpolitik für absehbare Zeit ist, was die US-Wirtschaft braucht“, sagte er am Mittwoch bei einer Veranstaltung in Cambrigde (US-Staat Massachusetts), wie die Fachagentur Bloomberg berichtete. Er erwarte, dass die Inflation sich wieder der Rate von zwei Prozent annähere, die von der Fed als Ziel ausgegeben wurde.

Bernanke betonte zudem, die Fed werde die Zinsen nicht automatisch anheben, wenn die Arbeitslosenquote auf 6,5 Prozent gesunken sei. Eine Anhebung könne auch erst einige Zeit danach kommen, erklärte er.

Die US-Zentralbank ist allerdings uneins, wann die Politik des billigen Geldes zurückgefahren werden soll. Mehrere Mitglieder des geldpolitischen Ausschusses stehen hinter ihrem Chef und wollen erst weitere Fortschritte auf dem Arbeitsmarkt sehen, bevor sie die milliardenschweren Anleihekäufe reduzieren. Dagegen zielen andere Mitglieder des Ausschusses auf einen baldigen Kurswechsel. Das geht aus dem am Mittwoch veröffentlichten Protokoll (minutes) der Fed-Sitzung vom 18./19. Juni hervor.

Die Frage, wann die Anleihekäufen von derzeit monatlich 85 Milliarden Dollar gedrosselt werden sollen, versetzt die Finanzmärkte seit Wochen in Aufregung.

Erst Ende Juni hatte Fed-Chef Ben Bernanke vage Andeutungen gemacht - und die Börsen hatten mit einer spontanen Talfahrt reagiert. Erst kürzlich gab es Andeutungen, dass ein Herunterfahren beginnen könne, sobald die Arbeitslosenrate in den USA auf sieben Prozent sinke. Das könnte bereits im September soweit sein. Die meisten Fachleute rechnen damit erst 2015.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Geldpolitik: Bernanke will Niedrigzins-Politik fortsetzen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Schon pervers, da beschliessen die Vorturner Bernanke und Draghi einfach, "die Märkte" als vorrangig schützenswertes Gut vor Unannehmlichkeiten zu bewahren, und die Politik schaut nicht nur zu, sie unterstützt das ganze auch noch.

    Natürlich sickern aus dem Meer gedruckten Geldes nur ein paar Tropfen zu den Durchschnittsverdienern durch. Aber selbst diese Tropfen werden die Inflation antreiben. Die für normal erklärten 2% werden nicht mehr lange zu halten sein. Bei Luxusgütern wie Top-Immobilien oder erstklassigen Oldtimern sind sie bereits deutlich überschritten.

  • @ Marco99
    "Das Szenario "Schrecken ohne Ende", das beste aller möglichen Szenarien, ...
    ... würde voraussetzen, dass die perversen Mengen Giralgeld völlig gleichmäßig von den Finanzprodukt-Märkten, wo sie im Augenblick herumgeistern, in die Asset Märkte und dann in die Konsumgütermärkte gehen. "

    Das stimmt, nur der Grund müsste mal benannt werden: "EIGENTUM"!
    Die Giralgeldmengen, die da rumgeistern, gehören ja jemandem. Zwar besitzt die Bank es nur, aber wenn sie es nicht zurückzahlen muss, weil sie gerettet würde, hat sie faktisch heute schon die Eigentumsrechte dran.
    Im Moment der Geldschöpfung, kann der Schöpfer das Geld zum "alten Wert" nutzen. Dadurch dass er es ausgegeben hat, wird der Rest entsprechend der Menge des neuen Geldes zur alten Geldmenge "enteignet".
    Bei den Banken wird Besitz aufgebaut, der über Bonis etc. wegwandert. Und bei den Südländern wird Besitz aufgebaut.
    Wenn dieses Geld in die realen Assets fliesst, gehört den Griechen halb Berlin und den Italienern halb München.
    Und dann hatten wir erst 5 Jahre 20 % Inflation.
    Die Spanier müssten dann aber die entsprechenden Gelder für Gold aufbringen und eine Jahresproduktion Gold für ca 90-100 Mrd. aufkaufen.
    Ich denke an den Hütchenspieler-Artikel:
    Wo ist Euro? Weg ist Euro!

  • Wenn es Bernanke wirklich um Arbeitsplaetze ginge, dann wuerde er nicht jedesmal wenn die Aktienkurse purzeln, ein neues "billiges Geld Statement" abgeben. Der verfolgt ganz andere Interessen durch seine Bubble- und Enteignungspolitik.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%