Geldpolitik
Britische Notenbank bereitet Zinserhöhung vor

Die EZB flutet die Wirtschaft mit Geld. Anders sieht es in Großbritannien aus. Die Bank von England heizt die Spekulation über eine baldige Straffung ihrer Geldpolitik an. Sie könnte schneller kommen, als erwartet.
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LondonIm Gegensatz zur Euro-Zone dürften die Zinsen in Großbritannien schon bald wieder steigen. „Es könnte schneller gehen als von den Märkten derzeit erwartet“, sagte Notenbankchef Mark Carney vor Vertretern der Londoner Finanzwelt. Einen festen Zeitplan habe die Bank von Englang (BoE) aber nicht. Anleger erwarten den Schritt allerdings nun bereits im Dezember. Darauf deuteten am Freitag die Entwicklung der Terminkontrakte auf das Pfund Sterling und die Zinsen am britischen Interbanken-Markt hin. Bislang hatten sie eine Zinserhöhung im ersten Quartal 2015 signalisiert.

Die BOE setzt sich damit klar von der Europäischen Zentralbank ab. Die EZB hatte ihren Leitzins jüngst auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt und ein Bündel von Maßnahmen angekündigt, um der Euro-Wirtschaft weiter auf die Beine zu helfen. Die US-Notenbank Fed fährt ihre Konjunkturspritzen ebenfalls Schritt für Schritt zurück. „Seit gestern Abend scheint die BoE gegenüber der Fed, was Zinserhöhungen angeht, die Nase leicht vorn zu haben“, sagte Commerzbank-Analyst Lutz Karpowitz.

Carney begründete seine Einschätzung am Donnerstagabend damit, dass es bislang wenig Anzeichen für die eigentlich erwartete Verlangsamung des Wirtschaftswachstums im zweiten Halbjahr gebe. Diese Äußerungen kommen überraschend. Denn bisher hatte er stets betont, die britische Wirtschaft sei noch weit davon entfernt, auf vollen Touren zu laufen. Daher gingen nur wenige Volkswirte davon aus, dass die Zinsen vor dem zweiten Quartal 2015 angehoben werden. Robert Wood von der Berenberg Bank erwartet nun gar eine Straffung bereits im November. „Die geänderte Tonlage ist spürbar, rekordniedrige Zinsen sind zunehmend unnötig.“ Zuletzt war die Arbeitslosigkeit auf den tiefsten Stand seit fünf Jahren gefallen.

Die britische Währung profitierte von den Nachrichten und stieg um 0,3 Prozent auf ein Fünfeinhalb-Wochen-Hoch von 1,6987 Dollar. „Das war genau das, was das Pfund noch gebraucht hatte“, sagte Commerzbank-Experte Karpowitz zu Carneys Rede. Gleichzeitig gab der Euro 0,2 Prozent nach und war mit 0,7986 Pfund so billig wie zuletzt im November 2012.

Die Aussicht auf steigende Zinsen und strengere Regeln zur Kreditvergabe schickte zudem die Aktien britischer Baufirmen auf Talfahrt. Finanzminister George Osborne hatte angekündigt, er wolle der Notenbank mehr Macht geben, damit diese die Vergabe von Hypothekenkrediten begrenzen könne. Die britischen Immobilienpreise sind im vergangenen Jahr um elf Prozent gestiegen und haben damit die Furcht vor einer Blase genährt.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Geldpolitik: Britische Notenbank bereitet Zinserhöhung vor"

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  • "„Es könnte schneller gehen als von den Märkten derzeit erwartet“"

    Na, wird das physische Gold langsam knapp oder kauft keiner mehr die nicht werthaltig rückzahlbaren Staatsjunkbonds? Volcker hatte Anfang der 80-er Jahre in der letzten vergleichbaren Gelddruck-Krise die US-Zinsen ja schnell auf bis zu sportlichen 20% hochgeschraubt, um den Vertrauensverlust in das hochinflationäre Papiergeld zu stoppen. Ob das bei der beispiellosen Bilanzverlängerung der FED und ihrer Satelliten diesmal noch hilft, ist fraglich.

  • Hier zahlt sich die Eigenständigkeit und Selbstbestimmung der Briten aus, im Gegensatz zum korrupten Draghi-Clan.

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