Geldpolitik der EZB
Hallo, wo ist denn die Inflation geblieben?

Die Inflation in Deutschland verharrt im September wieder an der Nullgrenze. Trotz der billionenschweren Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank steigen die Preise einfach nicht. Das hat drei wesentliche Gründe.

FrankfurtFast fünf Jahre ist es her, da titelte die Wirtschaftswoche: „Axel Weber geht, die Inflation kommt.“ Zum damaligen Zeitpunkt hatte Axel Weber gerade seinen Rücktritt als Bundesbank-Chef erklärt. Die Story fasst zusammen, was viele Ökonomen damals dachten: Der Rücktritt sei ein Signal für die Neuausrichtung der europäischen Geldpolitik  –  nun drohe mehr Inflation.

Tatsächlich hat sich die Geldpolitik gewandelt und ist noch viel lockerer geworden. Bis September 2016 will die Europäische Zentralbank (EZB) für 1,1 Billionen Euro Anleihen der Euro-Länder kaufen. Doch von Inflation gibt es bislang weit und breit keine Spur. Im September fiel die Inflationsrate im Vergleich zum Vorjahresmonat auf 0,0 Prozent, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Dienstag mitteilte und damit seine vorläufigen Berechnungen bestätigte. Für die niedrige Inflation gibt es kurzfristige und langfristige Gründe.

Erstens drückt kurzfristig vor allem der niedrige Ölpreis die Preisentwicklung. Die Energiepreise waren im September 9,3 Prozent billiger als noch ein Jahr zuvor. Gerade die Energiepreise unterliegen jedoch starken zyklischen Schwankungen. Rechnet man sie heraus wäre die Inflationsrate mit einem Plus von 1,1 Prozent deutlich höher ausgefallen, erklärte das Statistische Bundesamt.

Doch selbst das ist nicht besonders viel angesichts der billionenschweren Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank (EZB). Das zweite Problem: Die großen Geldspritzen der EZB kommen in der Realwirtschaft (noch) nicht an. Sie sind zu großen Teilen bei den Banken stecken geblieben. Da Unternehmen und Verbraucher sehr verunsichert über die wirtschaftliche Zukunft sind, verschieben sie Konsum – und vor allem Investitionsausgaben. Die Unsicherheit wirkt dabei selbst verstärkend: Sie schwächt die Wirtschaft weiter – was wiederrum die Unsicherheit verstärkt.

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Schwaches langfristiges Wachstum

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