Geldpolitik der Zentralbanken
Fed will kein Außenseiter sein

Fed-Vizechef Stanley Fischer glaubt, dass auch andere Notenbanken bald die Leitzinsen anheben könnten. Doch ist das realistisch? Die Europäische Zentralbank dürfte in dieser Hinsicht wohl kein Mitstreiter werden.

DüsseldorfWichtige Entscheidungen zu treffen ist nicht einfach, auch nicht als Zentralbanker. Und es sieht so aus, als würde die US-amerikanische Fed nur ungerne die einzige Bank sein, welche den kommenden Monaten die Zinsen anhebt. Das zumindest legen die Äußerungen des Fed-Vizechefs Stanley Fischer nahe. „Einige große Notenbanken werden wahrscheinlich in relativ naher Zukunft damit beginnen, sich schrittweise von Zinsraten nahe null zu entfernen”, sagte Fischer am Donnerstag bei einer Konferenz in San Francisco.

Fraglich bleibt allerding, welche der „großen Zentralbanken” Fischer nun gemeint hat. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte jedenfalls nicht unter den Kandidaten sein. Ihr Chef Mario Draghi hat in den vergangenen Wochen immer wieder das Gegenteil deutlich gemacht, zuletzt an diesem Freitag. Auf einem Bankenkongress bekräftigte Draghi seine Bereitschaft, die europäische Geldpolitik weiter zu lockern: „Wir werden das tun, was wir machen müssen, um die Inflation so schnell wie möglich zu erhöhen”, so Draghi. Die Notenbank könne und werde es nicht ignorieren, dass die Teuerungsrate im Währungsraum schon länger niedrig liege.

Im Oktober waren die Preise in der Euro-Zone um gerade einmal 0,1 Prozent gestiegen. Das ist bei weitem zu wenig, denn eigentlich strebt die EZB eine Teuerungsrate von etwa zwei Prozent pro Jahr an. Mit ihrem großangelegten Anleihenkaufprogramm von Anfang dieses Jahres will die EZB die Inflation beschleunigen – bislang allerdings ohne besonders großen Erfolg. Die niedrigen Energiepreise lassen halten die Teuerungsrate niedrig.

Draghi hält es inzwischen offenbar für notwendig, härtere Geschosse zur Inflationssteigerung aufzufahren: „Insbesondere erachten wir das Anleihen-Kaufprogramm als mächtiges und flexibles Instrument”, so der EZB-Chef. Umfang, Dauer und Zusammensetzung des Programms ließen sich ändern. Konkrete Maßnahmen besprechen die Währungshüter am 3. Dezember. Und – was sicherlich gegen Fischers Hoffnungen auf Notenbank-Nachahmer bei Zinsanhebungen spricht – auch eine Änderung des Einlagezinses ist für Draghi eine Option.

Doch wie sieht es mit anderen großen Zentralbanken aus? Da wäre zum Beispiel die chinesische Notenbank. Ihre Geldpolitik ist zwar noch weit von der europäischen und US-amerikanischen Nullzinspolitik entfernt. Jedoch sorgt sich die Notenbank derzeit vor allem um das schwächelnde Wachstum der Volksrepublik. Bereits fünf Mal hat sie in diesem Jahr den Leitzins gesenkt, zuletzt am 23. Oktober. Am Donnerstag dieser Woche hatte die Zentralbank zusätzlich den Zinssatz für Kurzzeitkredite, welche insbesondere für Unternehmen wichtig sind, gesenkt. Schafft es die chinesische Regierung nicht, ihre Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen, bliebe der Notenbank noch ziemlich viel Raum für weitere geldpolitische Lockerung. Im Moment liegt der chinesische Leitzinssatz bei satten 4,35 Prozent.

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Notenbanken: andere Länder – andere Ziele

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