Mario Draghi

Der EZB-Präsident will sich das Ende der milliardenschweren Anleihekäufe offen halten, aber der Spielraum ist eng.

(Foto: dpa)

Geldpolitik Die EZB stößt in Deutschland bei ihren Anleihekäufen an Grenzen

Der Spielraum beim Anleihekaufprogramm wird enger: Für die Europäische Zentralbank wird es immer schwerer, genug kauffähige Papiere zu finden.
2 Kommentare

FrankfurtEin Punkt ist Mario Draghi derzeit besonders wichtig. Der Präsident der Europäischen Zentralbank betont stets, dass die milliardenschweren Anleihekäufe der Notenbank nicht abrupt enden werden. „Wir werden niemals das Programm abrupt beenden“, sagt er. Derzeit sind die Käufe im Umfang von monatlich 30 Milliarden Euro bis September befristet.

Vor allem in Deutschland stößt die EZB bei ihren Käufen aber immer stärker an praktische und rechtliche Grenzen. Für die Notenbank wird es immer schwerer, genug kauffähige Papiere zu finden.

Als ein Indiz dafür sehen einige Ökonomen auch die Entscheidung der Notenbank, das Sortiment der von ihr gekauften Anleihen auszuweiten. Dies hat die EZB in der vergangenen Woche auf Antrag der Deutschen Bundesbank beschlossen.

So darf sie künftig Anleihen von sieben weiteren deutschen Förderbanken kaufen. Bei den Instituten handelt es sich um die Investitionsbank Berlin, die Investitionsbank Schleswig-Holstein, die Sächsische Aufbauförderbank, die LFA Förderbank Bayern, die Bayerische Landesbodenkreditanstalt, die Wirtschafts- und Infrastrukturbank sowie die Hamburgische Investitions- und Förderbank. „Ich vermute, dass die Ausweitung der Liste der ankauffähigen Papiere auch mit dem Knappheitsproblem zusammenhängt“, sagt Sebastian Fellechner, Analyst der DZ Bank. Vor allem bei deutschen Staatsanleihen gebe es Engpässe.

Die größte rechtliche Hürde für die EZB besteht darin, dass sie und die angeschlossenen Notenbanken maximal 33 Prozent der ausstehenden Anleihen eines Landes halten dürfen. Dies zielt primär darauf ab, die Notenbank vor Anschuldigungen der Staatsfinanzierung zu schützen und nicht zu stark in den Markt für Staatsanleihen einzugreifen.

Die EZB könne immer mit Zahlen und Parametern spielen, um die Anleihekäufe ein wenig länger dauern zu lassen, sagt Frederik Ducrozet, Ökonom bei Pictet Wealth Management in Genf. „Was sie getan haben, kann ihnen zumindest am Rande helfen, die verbindlichen Begrenzungen zu verschieben“, so Ducrozet.

Das Knappheitsproblem macht sich aus Sicht von DZ-Bank-Analyst Fellechner auch noch an anderer Stelle bemerkbar. So hat die EZB die Zusammensetzung ihrer Anleihekäufe zu Jahresbeginn verändert. Während im vergangenen Jahr im Schnitt etwa 85 Prozent der Notenbankkäufe auf Staatsanleihen der Euro-Länder entfielen, liegt der Anteil seit Jahresanfang im Schnitt bei lediglich 70 Prozent. Dagegen hat sich der Anteil der Käufe von Unternehmensanleihen merklich erhöht.

Besonders bei deutschen Staatsanleihen gehen die Nettoemissionen seit Jahren zurück. Angesichts ausgeglichener Haushalte hält sich der Finanzierungsbedarf des Bundes in Grenzen. Jüngst hat beispielsweise die Finanzagentur des Bundes die Auktionen von Schulpapieren im zweiten Quartal um zweimal jeweils eine Milliarde Euro gekürzt.

Das Angebot an Bundesanleihen ist aber noch aus einem anderen Grund knapp: Viele Investoren wie Versicherer, Banken oder Pensionsfonds müssen die als sicher geltenden Papiere aus regulatorischen Gründen halten. Daher sitzen sie auf großen Beständen, die sie nicht so einfach verkaufen können.

Und auch die EZB hält durch ihre bisherigen Käufe einen hohen Bestand. Daher sind nicht mehr viele Papiere am Markt frei verfügbar. EZB-Direktor Benoît Coeuré hatte jüngst darauf verwiesen, dass weniger als zehn Prozent der ausstehenden deutschen Bundesanleihen in den Händen privater Investoren lägen.

Auch die Ausweitung des Sortiments der kaufbaren Anleihen vergrößert den Spielraum der EZB aus Sicht von Frederik Ducrozet nur marginal. Die Änderungen reichten nicht aus, um die Anleihekäufe „in irgendeiner bedeutsamen Weise ins Jahr 2019 zu verlängern.“

In Notenbankkreisen rechnen derzeit viele damit, dass die Anleihekäufe der EZB über September hinaus um drei weitere Monate verlängert werden. Das monatliche Nettokaufvolumen könnte dann ab November monatlich um jeweils zehn Milliarden Euro reduziert werden.

Alternativ denkbar wäre auch, die Käufe von Oktober bis Dezember bei zum Beispiel 15 Milliarden Euro konstant zu halten. An den Märkten wird derzeit damit gerechnet, dass es die erste Zinserhöhung im Sommer 2019 gibt.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Geldpolitik - Die EZB stößt in Deutschland bei ihren Anleihekäufen an Grenzen

2 Kommentare zu "Geldpolitik: Die EZB stößt in Deutschland bei ihren Anleihekäufen an Grenzen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Dann gebt doch Hausbesitzern Geld gegen Absicherung im Grundbuch. Ich nehme eine halbe Million gebe unser Haus als Sicherheit.

  • GELDPOLITIK
    Die EZB stößt in Deutschland bei ihren Anleihekäufen an Grenzen
    Der Spielraum beim Anleihekaufprogramm wird enger: Für die Europäische Zentralbank wird es immer schwerer, genug kauffähige Papiere zu finden.

    .....................

    Die EZB hat genug in ITALIENS BANKEN an FAULE KREDITE ABZULÖSEN !

    Warum dann jammern daß man in Deutschland nichts mehr findet ?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%