Geldpolitik

„Die EZB wird nichts tun, bevor die Fed handelt“

Anders als vor vielen Sitzungen der Europäischen Zentralbank ist die Volatilität an den Märkten zur Zeit ungewöhnlich gering. Wird das die Entscheidungen von Mario Draghi beeinflussen?

Niedrigzinsen: Das Dilemma der EZB wird nicht kleiner

DüsseldorfDie Volatilität an den Märkten vor der EZB-Sitzung am Donnerstag ist so gering wie zuletzt vor der Verkündung des Anleihekaufprogramms der Notenbank im Jahr 2015. Der VStoxx Index, der die Volatilitätserwartungen des Euro Stoxx 50 misst, liegt 23 Prozent unter dem durchschnittlichen Niveau vor den vergangenen zehn EZB-Entscheidungen.

Die geringen Schwankungen sind deshalb bemerkenswert, weil es an den Märkten vor den vergangenen Sitzungen der Notenbank größere Unsicherheiten gab und entsprechend stärkere Ausschläge vorherrschten. Draghi musste sich etwa zu Beginn des Jahres mit einem Einbruch der asiatischen Märkte und einem Absturz der Ölpreise beschäftigen. Auch das Brexit-Votum sorgte für große Unsicherheiten.

„Die Sparer haben es selbst in der Hand“
„Die Sparer haben es mit ihren Anlage-Entscheidungen auch selbst in der Hand, wie hoch ihre Erträge ausfallen, auch in Zeiten niedriger Zinsen. Die Sparer müssen ihr Geld nicht nur auf dem Sparbuch anlegen, sondern haben auch andere Möglichkeiten.“
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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank, lässt Kritik an sich abperlen. In einem Interview mit der „Bild”-Zeitung sagt er am 28. April 2016, der Wirkungsnachweis seiner Politik benötige Zeit und Geduld. Sparer legt der EZB-Präsident nahe, mehr Risiken am Kapitalmarkt einzugehen.

„Mittlerweile geht die expansive Geldpolitik in ein expansives Versagen über. Aus 'Quantitativer Lockerung' wird 'Quantitatives Scheitern'.“
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Nigel Wilson, Chef des britischen Versicherers Legal & General, im Handelsblatt-Interview am 28 April 2016.

„3 Prozent Zins bei 3 Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie 0 Prozent Zins bei 0 Prozent Inflation.“
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) am 8. April 2016 auf einer Veranstaltung in Kronberg über die unterschiedliche Wahrnehmung einer realen Verzinsung in Höhe von null Prozent. Er sagte zudem laut „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass die Zeit der extrem lockeren Geldpolitik enden müsse.

„[Negative Zinsen] bestrafen die Sparer auf der Welt ganz erheblich.“
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Larry Fink, Chef des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, am 10. April 2016 in seinem Brief an die Aktionäre.

„Wir wären besser dran, wenn wir das Geld unter eine Matratze stecken würden.“
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Das Problem: Er bräuchte nur eine vertrauenswürdige Person, die dann darauf schlafen würde. Der US-Investor Warren Buffett klagt im Programm des US-Wirtschaftssenders CNBC am 29. Februar 2016 über die notorische niedrigen Zinsen in Europa. Die Zinspolitik „verzerrt alles“.

„Das wird eine Reihe ungewollter Konsequenzen nach sich ziehen, die wir nicht verstehen.“
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Der CEO der Investmentbank JP Morgan, Jamie Dimon, kann sich negative Zinsen in den USA nicht vorstellen. Über den Minuszins in Europa sagt er dem US-Wirtschaftssender CNBC am 3. März: „In fünfzig Jahren werden darüber Bücher geschrieben, was wir hätten tun sollen, was wir getan haben, hätten tun können – und was wir daraus lernen können.“

„Die aktuellen Bedingungen könnten das Potenzial für künftige Systemrisiken schaffen.“
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Der Vorstandsvorsitzende der schweizerischen UBS, Sergio Ermotti, mahnt am 2. März 2016 in einem Interview mit Bloomberg vor den niedrigen Zinsen. „Manche Banken übernehmen sich bei der Kreditvergabe“, gibt er zu Bedenken.

Aktuell haben die Märkte den Schock nach der Entscheidung der Briten aber verkraftet, die asiatischen Märkte haben sich gefangen, auch der Ölpreis hat sich auf einem höheren Niveau einigermaßen stabilisiert. Zudem läuft die Konjunktur in den Vereinigten Staaten und auch der Arbeitsmarkt zeigt sich robust. Deshalb haben die Spekulationen über eine Zinserhöhung der US-Notenbank zugenommen, viele Marktbeobachter erwarten nun, dass die Fed schon im September die Leitzinsen erhöhen könnte.

„Es ist ein wenig surreal, dass die Volatilität so gering ist, sagt Peter Garnry, Chef-Aktienstrategie bei der Saxo Bank. „Alle warten ab. Die EZB wird nichts tun, bevor die Fed gehandelt hat. Draghi kann damit leben und die Märkte zunächst auch.“

Der VStoxx Index ist seit seinem Juni-Hoch um 52 Prozent gesunken, nachdem die Zentralbanken in Großbritannien und dem Rest Europas Investoren versichert hatten, dass sie bereit stünden zu reagieren, sollte es weitere Markteinbrüche wegen des Brexit-Votums geben. Druck von der EZB nehmen auch einige Konjunkturdaten aus dem In- und Ausland, die in den vergangenen zwei Monaten besser als erwartet ausgefallen sind.

Auf ihrer Ratssitzung am Donnerstag wird die EZB nach Einschätzung vieler Ökonomen das Anleihekaufprogramm über das bisherige Enddatum März 2017 hinaus verlängern. Außerdem wird es neue Inflationsvorhersagen der Notenbank geben. Diese dürften den Investoren dabei helfen, besser einzuschätzen, was sie für den Rest des Jahres zu erwarten haben.

Daniel Murray, Research-Chef von EFG Asset Management, zeigt sich wegen der bemerkenswert stabilen Makrodaten in Europa optimistisch. Er vermutet, dass die Volatilität auch nach der Ratssitzung am Donnerstag gering bleibt: „Ich glaube nicht, dass es große Überraschungen geben wird“.

  • jut
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