Geldpolitik
EZB will auf bessere Daten warten

Die Europäische Zentralbank hält den Leitzins auf dem Rekordtief von null Prozent. Die Folgen des Brexit-Votums werde man erst bei einer besseren Datenlage umfassend bewerten können, sagte EZB-Präsident Mario Draghi.

FrankfurtTrotz wachsender Konjunktursorgen nach dem Brexit-Votum bleibt die Europäische Zentralbank (EZB) vorerst abwartend. Die Währungshüter beließen den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von null Prozent. Das beschloss der EZB-Rat nach Angaben der Notenbank am Donnerstag in Frankfurt. Der Strafzins, den Banken und Sparkassen zahlen müssen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken, liegt weiterhin bei 0,4 Prozent.

Volkswirte erwarten, dass die EZB im September angesichts der wachsenden Unsicherheit nach dem Nein der Briten zur Europäischen Union ihre milliardenschwere Geldflut ausweiten könnten.

EZB-Präsident Mario Draghi äußerte sich am Nachmittag zu den Gründen des Beschlusses. Er betonte, dass die EZB alles tun werde, was nötig sei, um die geldpolitischen Ziele der Zentralbank zu erreichen. Allerdings sei man wegen der unzureichenden Datenlage noch nicht in der Lage, die Folgen der Brexit-Entscheidung umfassend zu bewerten.

Sobald ausreichend makroökonomische Daten vorlägen, werde man die Geldpolitik daran anpassen. Damit dürfte die kommenden Sitzung der Notenbank im Spätsommer mit Spannung erwartet werden. Auch die Frage, ob es Probleme bei der Verfügbarkeit von Bundesanleihen für das Anleihekaufprogramm gebe, wollte Draghi mit Verweis auf die schwache Datenlage nicht beantworten.

Die Währungshüter hatten erst im März ihren Kurs gegen Mini-Inflation und Konjunkturschwäche drastisch verschärft. Erstmals wurde der Zins, zu dem Banken frisches Zentralbankgeld bekommen, auf Null gesenkt. In Staatsanleihen und andere Wertpapiere steckt die EZB noch mehr Geld: 80 Milliarden Euro monatlich. Seit Juni kauft die Notenbank auch Unternehmensanleihen. Die EZB bekräftigte, dass das Kaufprogramm bis mindestens März 2017 und notfalls darüber hinaus aufrechterhalten wird.

Die Geldflut soll die Kreditvergabe ankurbeln und so Wachstum und Inflation anschieben. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise gelten als Konjunkturrisiko. Darum strebt die EZB mittelfristig eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an - weit genug entfernt von der Nullmarke. Im Juni lag die Inflation im Euroraum gerade einmal bei 0,1 Prozent.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Julian Trauthig
Julian Trauthig
Handelsblatt / Deskchef Finanzen
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