Geldpolitik Ist die EZB reif für eine Generalüberholung?

Es liegt auch an der Struktur der EZB, dass die geldpolitische Wende auf sich warten lässt. Wie es besser geht, zeigt die US-Notenbank Fed.
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EZB: Ist die EZB reif für eine Generalüberholung? Quelle: dpa
EZB-Zentrale in Frankfurt am Main

Im EZB-Rat sitzen alle nationalen Zentralbank-Chefs der 19 Mitgliedsstaaten.

(Foto: dpa)

DüsseldorfFast zehn Jahre ist es mittlerweile her, dass auch der europäischer Währungsraum seinen ersten großen Crash erlebte. Durch die Immobilienblase in den USA kamen zunächst wichtige Unternehmen der Finanzbranche in Schieflage. Darauf folgte schließlich eine Staatsschulden- und Bankenkrise in Europa. Seitdem hat die im Jahr 1998 gegründete Europäische Zentralbank (EZB) alle Hände voll zu tun mit dem Scherbenhaufen, den die Finanzkrise verursacht hat.

Und noch immer streiten sich die Ökonomen, ob die EZB für diesen Aufräumprozess richtig aufgestellt ist. Kulminationspunkt der Debatte ist die Frage, ob die EZB die Zinswende nach der Finanz- und Eurokrise nicht früher hätte einleiten müssen.

Zwar meinen manche Experten, dass die EZB-Präsidenten Jean-Claude Trichet und Mario Draghi zunächst Schlimmeres abgewendet hättet. „Man könnte sagen, dass die EZB die Krise gemeistert hat,“ sagte etwa der Berliner Ökonom Michael Burda dem Handelsblatt. Ob der aktuelle Aufbau der EZB aber langfristig tragfähig ist, wird zunehmend kritisch hinterfragt. Einige Ökonomen sehen in der Struktur der EZB fundamentale Fehler.

Häufig verweisen diese Kritiker auf die Situation in den USA: Dort hätten die Politiker von vergangenen Krisen gelernt – und strukturelle Fehler der heimischen Notenbank Fed über die Jahre systematisch behoben.

Krisen gab es auch auf der anderen Seite des Atlantiks genug: Im 19. Jahrhundert hatten sich viele US-Bundestaaten – ähnlich wie heute die Staaten der EU – mit großen Krediten für Infrastruktur-Projekte hoffnungslos überschuldet. Um die Wiederkehr solcher Krisen zu vermeiden, entkoppelten die USA vor mehr als 100 Jahren die Fed-Distrikte von den politischen Grenzen. Die Bundesstaaten konnten somit als politische Einheiten keinen Einfluss auf die Kreditvergabe der Notenbanken nehmen.

Das reichte jedoch nicht: Beim amerikanischen Zentralbanksystem tobten in der Folge ständige Kleinkriege zwischen den neu geschaffenen regionalen Ablegern. Dabei hatte die Federal Reserve Bank of New York häufig Vorrang und konnte Entscheidungen durchsetzen. Erst der 25. Oktober 1929 bewegte die Politiker zu einer erneuten Reform der Notenbank.

Der Tag hat sich in das kollektive Gedächtnis der US-Amerikaner als der Schwarze Freitag eingebrannt. An der Wall Street in New York platzte damals eine gewaltige Spekulationsblase. Der folgenreichste Börsencrash des 20. Jahrhunderts markierte den Beginn der Weltwirtschaftskrise. Millionen von Anlegern verloren ihr Vermögen – fast 90 Prozent des US-Aktienvermögens lösten sich in Rauch auf. Am Ende waren 30 Millionen Amerikaner arbeitslos, lagen die Industrie und eine Reihe von Banken am Boden.

Um eine Wiederholung zu verhindern, änderte man mit dem „Banking Act“ von 1935 die Struktur und damit die Machtverhältnisse bei der Fed. Erneut ging es vor allem darum, Geldpolitik und regionale Interessen auseinander zu halten. Daher beseitigte man die Verbindung zwischen den Präsidenten der zwölf Distriktnotenbanken und ihren Wahlkreisinteressen. Denn diese wurde als eine Ursache für die fehlerhaften geldpolitischen Maßnahmen identifiziert, die zur Großen Depression geführt hatten.

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