Geldpolitik
Jain zweifelt an der EZB

Er wolle nicht undankbar klingen, sagt Anshu Jain. Doch zufrieden ist der Chef der Deutschen Bank offenbar nicht mit der EZB. Im Vergleich zur Fed in den USA sei die Geldpolitik in der Euro-Zone wenig wirksam.
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BerlinAnshu Jain, Co-Chef der Deutschen Bank, hält die geldpolitischen Instrumente der der Europäischen Zentralbank (EZB) für wenig wirksam. Dagegen seien die Maßnahmen der Federal Reserve in den USA besser geeignet, um das Wirtschaftswachstum anzutreiben. „Die Werkzeuge, die der EZB zur Verfügung stehen, sind möglicherweise nicht so allumfassend oder so wirksam, wie es die quantitative Lockerung der USA war“, erklärte Jain am Mittwoch in Berlin.
Jain zufolge ist die Fed den US-Immobilienmarkt direkt mit ihren teuren Maßnahmen angegangen. Europa hingegen sei von der Kreditvergabe durch Banken abhängig – was bei geringem Vertrauen der Banken untereinander und sinkendem Appetit auf Kredite Unterstützung erschwere.
EZB-Chef Mario Draghi hatte in diesem Monat den Einlagensatz auf minus 0,1 Prozent gesenkt. Damit führte erstmals eine bedeutende Zentralbank einen ihrer Zinssätze unter null. Um den Kreditfluss in den Teil der Wirtschaft zu lenken, der diesen benötigt, eröffnete die EZB auch einen 400 Milliarden Euro schweren, an die Kreditvergabe der Banken gebundenen Liquiditätskanal. Außerdem werden die Währungshüter mit Arbeiten zum Ankauf von Aktiva beginnen.

„Ich möchte nicht undankbar gegenüber der EZB klingen“, sagte Jain. Er lobte die EZB für ihren Beitrag zur Stabilisierung der Euro-Zone, verwies jedoch auf die strukturellen Unterschiede in den jeweiligen Volkswirtschaften. „Die Schritte der quantitativen Lockerung, die in den USA funktionierten, lassen sich vielleicht nicht auf Europa übertragen.“ Die EZB habe das getan, was sie tun konnte, aber dieser Staffelstab müsse weitergereicht werden.
Eine Verschlechterung der Konjunkturperspektiven und eine längere Phase niedriger Inflation hatte die EZB zum Handeln bewogen, um der zerbrechlichen Konjunkturerholung im Euroraum zu begegnen. Die bereits lockere Geldpolitik der EZB war längst nicht in allen Segmenten der aus 18 Ländern bestehenden Währungsgemeinschaft angekommen.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Geldpolitik: Jain zweifelt an der EZB"

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  • Was die EZB vom EURO hält, hat sie mit dem Nachwerfen von EURO klargestellt. Und was die Spielbanker untereinander diskutieren darf eine funktionierende Volkswirtschaft nicht interessieren. Erst wenn wir Spiel-Banken und Industriefinanzierer wie die Kassen strikt auseinander getrennt haben, wird die Finanzwirtschaft wieder ernst genommen. Aber dann heißt die Währung nicht mehr EURO.

  • Wen wunderts?

    Die Massnahmen von Herrn Draghi wollen doch gar nicht zur Problemlösung passen.

    Draghi geht es doch gar nicht darum die EU zu stabilisieren. Er verfolgt doch zwei andere Ziele.

    1. Geld aus der Altersvorsorge der Deutschen nach Südeuropa zu transfgerieren und
    2. die staatliche Verschuldung möglichst zu Nullzinsen zu finanzieren.

    Im letzten Punkt findet er die uneingeschränkte Unterstützung der Politiker - nicht nur in Deutschland -. Damit agiert die EZB nicht mehr als neutrale Zentralbank sondern als Statsfinanzierer und dies war das alleinige Ziel der Politiker, als sie die Deutsche Bundesbank entmachteten.

    Deutschland hat den "Löwenanteil" an der EZB und jetzt kommt das Kuriose noch dazu, dass Deutschland zeitweise nicht mehr stimmberechtigt ist. Ich bin total gespannt, wie das Bundesverfassungsgericht jetzt argumentiert, dass Deutschland noch die Kontrolle über das "Monster" besitzt.

    Hoffen wir, dass in der AfD noch möglichst lange Vernunft reagiert und in den politischen Reihen aufgeräumt wird. Dazu sollte auch eine Verschärfung des Strafrechts für Abgeordnete kein Tabu sein.

  • Draghi´s Truppen bröckeln. Zu Recht stehen selbst die Banker nicht mehr geschlossen hinter Goldman Draghi ... das sollte der Politik doch nun wirklich zu Denken geben und vielleicht auch endlich Anlass zum Gegensteuern sein.

    Solange die Bundesregierung nichts gegen Draghi´s Enteignungspolitik unternimmt, werden alle Deutschen täglich ärmer! So sieht´s aus!

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