Geldpolitik

Janet Yellen schwänzt Jackson-Hole-Treffen

Jackson Hole in Wyoming ist ein magischer Ort – nicht nur wegen der Lage in einem Nationalpark. Jährlich treffen sich hier Top-Ökonomen, um über Geldpolitik zu diskutieren. Die mächtigste Frau wird dieses Jahr fehlen.
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Malerische Kulisse im Grand Teton Nationalpark. Quelle: Imago
Wyoming

Malerische Kulisse im Grand Teton Nationalpark.

(Foto: Imago)

Die Präsidentin der US-Notenbank Federal Reserve, Janet Yellen, will nach Auskunft einer Fed-Sprecherin in diesem Jahr nicht an dem traditionellen Zentralbankertreffen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming teilnehmen. Die Veranstaltung in einem Gästehaus mit Blick auf den Nationalpark Grand Teton wird gesponsort von der Federal Reserve Bank of Kansas City.

Das Treffen zieht jedes Jahr immer wieder Spitzenvertreter internationaler Zentralbanken an. In diesem Jahr soll es vom 27. bis 29. August stattfinden und sich thematisch mit Inflationsdynamik und Geldpolitik sowie Einkommensungleichheiten und Staatsdefiziten beschäftigen. Die Europäische Zentralbank veranstaltet seit vergangenem Jahr ein ähnliches jährliches Treffen, das noch bis 2018 im portugiesischen Sintra stattfinden wird.

Wo die nächste Blase platzen könnte
Wenn die Blase lauert
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Seitdem die US-Immobilienblase 2007/2008 mit weltweit katastrophalen Folgen geplatzt ist, versuchen Experten, schon vorab die Risiken eines Luftgebildes an den Anleihemärkten zu erkennen. In einer aktuellen Untersuchung hat die Citigroup nun vier Kriterien für eine Blasenbildung definiert: 1. eine Erfolgsgeschichte eines Marktsegments wird zunächst von überzeugenden Daten gestützt; 2. ein Überschuss an Liquidität befeuert den Markt; 3. ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und, 4., die Unwilligkeit, Kritik an dem Geschäft zu äußern beziehungsweise anzunehmen.

Standardabweichung als Gradmesser
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Anhand dieser Kriterien hat die Bank analysiert, wo derzeit potenzielle Gefahrenherde lauern. Als Gradmesser für die jeweiligen Bereiche hat das Geldhaus einen Durchschnittswert der Aktienkurse im Verhältnis zu Buchwerten ermittelt. Liegen die Kurse deutlich über dem Mittelwert der vergangenen zehn Jahre – konkret, ist die berechnete Standardabweichung größer als 2,0 – droht den Analysten zufolge eine gefährliche Blase. Diese Annahme basiert darauf, dass die Preise auch bei früheren wirtschaftlichen Rezessionen über diesem Wert lagen. Die Tech-Blase 2000 hatte einen Vergleichswert von 3,7 erreicht.

Branchen: US-Werk- und Rohstoffe
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Allgemein gelten der Einzelhandel, Gebrauchsgüter und Kundenservice als gefährdet. Die Citigroup hat die einzelnen Branchen allerdings auch noch mal danach ausgewertet, in welchen Regionen die Preise überbewertet sind. Als kritisch gilt in der Untersuchung demnach die Branche der Werk- und Rohstoffe in den Vereinigten Staaten. Sie berührt mit einer Standardabweichung von 2,0 die Schwelle, an der eine Blase erkennbar ist.

US-Medien
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Etwas kritischer sieht es schon bei den US-Medien aus. Der Einschätzung der Citigroup nach zählt die Branche zu einer der teuersten weltweit und übersteigt auch die kritische Standardabweichung von 2,0.

Pharma- und Biotech-Branche in Europa und Großbritannien
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Auch Europa wird von einer Blase bedroht. Nach Angaben der Citigroup sind erste Anzeichen in der Pharma- und Biotech-Branche auf dem alten Kontinent zu erkennen. Mit einer Standardabweichung von 2,25 könnte auch dort eine Blase entstehen.

Japanische Lebensmittel- und Getränkebranche
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In Japan bildet sich eine Blase bei Lebensmitteln und Getränken. Die Branche wirke überteuert, schreiben die Studienmacher. Mit einer Standardabweichung von 2,4 liegen die Preise klar über der Schwelle von 2,0.

US-Einzelhandel
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Eine weitere US-Branche, der eine Blase droht: der Einzelhandel. Er liegt mit einem Wert von 2,6 deutlich über dem durchschnittlichen Preislevel der vergangenen zehn Jahre, anhand derer die Standardabweichung bemessen wird.

Die Abwesenheit des US-Notenbankgouverneurs in Jackson Hole ist nicht beispiellos. So hat Yellen-Amtsvorgänger Ben S. Bernanke am Treffen in seinem letzten Jahr als Fed-Präsident ebensfalls nicht teilgenommen. Yellen werde in Zukunft im Rahmen ihres Terminplans zeitweise an der Veranstaltung teilnehmen, sagte die Sprecherin.

Treffen in Jackson Hole haben sich immer wieder als entscheidende geldpolitische Veranstaltungen entpuppt. In den Jahren 2010 und 2012 hatte Bernanke hier neue Runden von Anleihekäufen in Aussicht gestellt. Der Ruf des Wirtschaftsprofessors Michael Woodford von der Columbia University nach einer „Forward Guidance“' für den beabsichtigten Lauf der Geldpolitik wurde hier erstmals formuliert und anschließend von Notenbanken in Europa und den USA beherzigt.

Erstmals wurde das Treffen 1978 in Kansas City durchgeführt. Seit 1982 findet es in Jackson Hole statt.

  • Bloomberg
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