Geldpolitik
Norwegen senkt erneut den Leitzins

Erst im Juni hatte die norwegische Zentralbank ihren Leitzins gesenkt, doch der rapide Ölpreisverfall macht eine weitere Senkung nötig – schließlich ist Öl ein Wachstumsmotor für die Konjunktur in Norwegen.

OsloDie norwegische Zentralbank hat ihren Leitzins überraschend um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent gesenkt. Zentralbankchef Øystein Olsen begründete den Schritt mit einem nur mäßigen globalen Wachstum und schwachen Aussichten für die norwegische Wirtschaft – und schloss weitere Zinssenkungen nicht aus. „Die norwegische Wirtschaft befindet sich in einer neuen Ära. Wir sind nicht mehr eine Klasse für sich.“

Norwegen, das zu den größten Öl- und Gasexporteuren gehört, leidet unter dem niedrigen Ölpreis. Der Ölpreis ist seit der letzten Leitzinssenkung im Juni noch einmal um rund 25 Prozent gefallen. Ein Fünftel seiner Wirtschaftsleistung schöpft das Land aus der Ölförderung vor der Küste. Insofern sieht sich die Notenbank einem Dilemma ausgesetzt: Sie muss die Wirtschaft ankurbeln und gleichzeitig einen überhitzten Immobilienmarkt wieder auf Normalmaß bringen. Produktions- und Investitionskürzungen haben die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit zehn Jahren schnellen lassen.

Den Einlagesatz senkte die Notenbank auf minus 0,25 Prozent. Damit müssen Banken in Norwegen erstmals eine Art Strafgebühr auf Gelder bezahlen, die sie kurzfristig bei der Zentralbank parken. Das soll bewirken, dass die Institute die Mittel in Form von Krediten an Kunden weitergeben und nicht horten.
Wahrscheinlich werde es noch vor Weihnachten einen weiteren Schritt geben und dann den nächsten 2016, sagte Analyst Frank Jullum von Danske Bank Markets. „Das war schlechter als wir erwartet haben.“ Norwegen werde sich den Nachbarn Dänemark und Schweden in zwei bis drei Jahren anschließen und ebenfalls negative Leitzinsen haben, sagte Chefvolkswirt Jan Andreassen von der Bank Eika.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Helmut Steuer berichtet für das Handelsblatt aus Skandinavien. Regelmäßig ist er auch in der Ukraine unterwegs.
Helmut Steuer
Handelsblatt / Korrespondent
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