Geldpolitik
Schweizer Notenbank übt sich in Gelassenheit

Die Schweizerische Zentralbank setzt weiter auf Interventionen am Devisenmarkt. Gerade in unsicheren Zeiten ist die Landeswährung bei Investoren sehr gefragt, was zu einer wirtschaftsschädlichen Aufwertung führen kann.
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ZürichDie Schweizerische Nationalbank (SNB) demonstriert trotz des in den vergangenen Wochen wieder stärkeren Frankens Gelassenheit und rüttelt nicht an ihrer Geldpolitik. Die Zentralbank setzt weiterhin auf Interventionen am Devisenmarkt, um einen Höhenflug der aus ihrer Sicht deutlich überbewerteten Landeswährung zu unterbinden, wie sie am Donnerstag anlässlich ihrer vierteljährlichen Zinsentscheidung mitteilte. Zwar laufe die Wirtschaft in wichtigen Regionen der Welt gut und der internationale Handel habe sich belebt. Dennoch warnte die Notenbank vor „erheblichen Risiken“ durch politische Unsicherheiten – etwa über die künftige Wirtschaftspolitik in den USA, die anstehenden Wahlen in Europa und die Brexit-Verhandlungen.

Der Franken gilt bei vielen Investoren als sicherer Hafen und ist daher besonders in turbulenten Zeiten gefragt. Die SNB will eine wirtschaftsschädliche Aufwertung jedoch vermeiden. Neben Deviseninterventionen setzt die Notenbank dafür auf Negativzinsen: Das Zielband für den Referenzzins Dreimonats-Libor beließen die Währungshüter wie erwartet unverändert bei minus 1,25 bis minus 0,25 Prozent. Die Sichteinlagen der Banken bei der SNB werden weiterhin mit 0,75 Prozent belastet.

In den vergangenen Wochen hatte der Franken im Vergleich zum Euro angesichts der Verunsicherung vieler Anleger vor den Wahlen in Frankreich deutlich an Wert gewonnen. Denn Investoren fürchten mit dem Erstarken EU-kritischer Parteien ein Auseinanderdriften der Euro-Zone, was den Euro unter Druck setzt. Die SNB hatte sich jedoch mit milliardenschweren Markteingriffen gegen den Franken-Höhenflug gestemmt – und kann sich nach Einschätzung von Experten noch nicht zurücklehnen: „Die starke Nachfrage nach dem Schweizer Franken dürfte sich in den kommenden Wochen wohl fortsetzen, wenn durch die französischen Wahlen verstärkt sichere Häfen angesteuert werden“, sagte Währungsstrategin Ursina Kubli von der Privatbank Safra Sarasin.

Als Stimmungstest für die Wahlen in Frankreich im April und Mai gelten die Wahlen in den Niederlanden: Dort hat sich Ministerpräsident Mark Rutte überraschend klar gegen seinen islamfeindlichen und EU-kritischen Herausforderer Geert Wilders durchgesetzt. Der Euro notierte wenig verändert bei 1,0709 Franken.

Rückendeckung erhielten die Schweizer Währungshüter auch von der US-Notenbank Fed, die am Mittwochabend wie erwartet erstmals in diesem Jahr die Zinsen anhob – und noch zwei weitere Zinserhöhungen für 2017 in Aussicht stellte. Damit wird der Dollar im Vergleich zu anderen Währungen für Investoren attraktiver. Auch von der EZB gibt es erste Signale für eine Entspannung: EZB-Präsident Mario Draghi hatte jüngst erklärt, die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinssenkung habe sich verringert.

Die SNB ließ ihrerseits mit einer etwas höheren Inflationsprognose für das laufende Jahr aufhorchen: Die Währungshüter erwarten nun eine durchschnittliche Teuerung von 0,3 statt bislang 0,1 Prozent. 2018 geht die SNB dann von 0,4 (bislang: 0,5) Prozent Preisanstieg aus und 2019 von 1,1 Prozent. Für das Schweizer Wirtschaftswachstum erwartet die SNB 2017 weiterhin ein Plus von 1,5 Prozent.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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