Geldpolitik Weidmann fordert offene Debatte über EZB-Kurs

Der Bundesbank-Chef plädiert für einen öffentlichen Diskurs über den Kurs der EZB. Der beste Schutz gegen Versuchungen der Geldpolitik sei eine aufgeklärte Gesellschaft. Doch die EZB sieht mehr Transparenz skeptisch.
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Bundesbank-Chef Jens Weidmann. Quelle: dapd

Bundesbank-Chef Jens Weidmann.

(Foto: dapd)

FrankfurtBundesbank-Präsident Jens Weidmann plädiert für eine öffentliche Debatte um den richtigen geldpolitischen Kurs in der Euro-Schuldenkrise. Es sei wichtig, „dass sich Notenbanker, die ein öffentliches Gut verwalten - stabiles Geld – auch öffentlich rechtfertigen“, sagte Weidmann am Dienstag laut Redetext in Frankfurt.

Weidmann eröffnete das Kolloquium des Instituts für bankhistorische Forschung (IBF) mit der Forderungen nach mehr Information und Transparenz. „Der beste Schutz gegen die Versuchungen in der Geldpolitik ist eine aufgeklärte und stabilitätsorientierte Gesellschaft.“

Weidmann stemmt sich vehement gegen Staatsanleihenkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Die EZB hatte vor knapp zwei Wochen beschlossen, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten wie Spanien und Italien zu kaufen, um so deren Zinslast zu drücken. Weidmann wurde von EZB-Präsident Mario Draghi als einziger Gegner des Programms öffentlich gemacht. Für Weidmann sind Anleihenkäufe zu nah an einer verbotenen Staatsfinanzierung mit Hilfe der Notenpresse.

Die Unabhängigkeit der Notenbanken diene „im Kern dazu, glaubwürdig sicherzustellen, dass sich die Geldpolitik ungehindert darauf konzentrieren kann, den Geldwert stabil zu halten“, sagte der Bundesbank-Präsident. „Durch den staatlichen Zugriff auf die Notenbank in Verbindung mit großem staatlichem Finanzbedarf wurde die Geldmenge jedoch häufig zu stark ausgeweitet, das Ergebnis war Geldentwertung durch Inflation.“

Mit der Forderung nach mehr Offenheit weiß Weidmann auch das eigene Institut hinter sich. In der Debatte über die Geheimniskrämerei der Europäischen Zentralbank hatte die Bundesbank am Montag für mehr Transparenz geworben. "Wir hätten kein Problem mit einer zeitnahen Veröffentlichung der Protokolle", versicherte ein Sprecher der Bundesbank.

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23 Kommentare zu "Geldpolitik: Weidmann fordert offene Debatte über EZB-Kurs"

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  • @azaziel

    Berechnungen zufolge könnte eine solches "Gewitter" mal locker seine 20 Jahre dauern, also 10 Jahre hinein, 10 Jahre heraus. Das wird kein Spaß, für niemanden auf dieser Welt. Auch Kriege sind nicht ausgeschlossen. Aber egal was versucht wird, ohne Gewitter wird es nicht gehen. Das zeigt immer wieder die Geschichte der Menschheit.

  • @Scratchpatch

    "Nur so haben wir die Möglichkeit, uns eine eigene Meinung zu bilden.
    Weidmann macht also eigentlich nicht nur seinen Job und steht für Preisstabilität, sondern er leistet auch einen ungemein wichtigen Beitrag zur Demokratie"

    Hervorragend formuliert - wirklich. Aber nicht ueberall scheint Demokratie ausserhalb der kurzen Augenblicke vor und in der Wahlurne erwuenscht. Wenn anders, dann wuerden die Politiker viel oefter das Volk um seine Meinung fragen und danach handeln.

    Wir haben letztlich doch noch eine Demokratie - den Lobbyismus.

  • <Bundesbank-Präsident Jens Weidmann plädiert für eine öffentliche Debatte um den richtigen geldpolitischen Kurs in der Euro-Schuldenkrise. Es sei wichtig, „dass sich Notenbanker, die ein öffentliches Gut verwalten - stabiles Geld – auch öffentlich rechtfertigen“, sagte Weidmann am Dienstag laut Redetext in Frankfurt.>

    Bravo Herr Weidmann, so ist es. Und den Bürgern schadet es auch nicht, wenn sie an Stelle der abendlichen Koch- und Krimiserien wieder lernen, sich mit diesen Themen zu beschäftigen. Die Politik und die Bürger haben sich immer weiter voneinander entfernt. Das muss sich ändern.

  • Es muesste eine Web Site geben, in der man mit vollem Namen die Position mancher {Protagonisten unterstuetzen koennte (z.B. Weidmann) oder auch negativ seinem Unmut Geltung verschaffen koennte (z.B. Schaeuble, Merkel, Barosso etc.)

    Ansonsten weiss ich auch nicht, wie man Weidmann und andere unterstuetzen koennte.

  • @ AS1 – Richtig, wir haben den point of no return schon vor Jahren ueberschritten, auch in Deutschland. Und trotzdem ist es wichtig, wie wir weiter vorgehen. Im Prinzip haben wir die Wahl, zur serioesen Waehrungspolitik zurueckzukehren (No-Bail-Out, Vollstanedige Glaeubigerhaftung und Verbot der Staatsfinanzierung durch Zentralbanken). Oder wir machen „pragmatische“ Politik mit Transfers, Inflationierung und finanzieller Repression. Ersteres beshert uns die Mutter aller Wirtschaftskrisen, letzteres wird uns viele Jahre wirtschaftliches Siechtum bescheren und der Ausgang ist hoechst ungewiss. Hyperinflation, Zusammenbruch der Gueterwirtschaft, das Ende der Waehrungsunion und zeruettete europaeische Beziehungen koennten folgen. Der Neustart waere gepraegt von staatlichem Dirigismus, Devisenbewirtschaftung, Zoellen, Ein- und Ausfuehrbeschraenkungen, begleitet von hoher Arbeitslosigkeit und sozialen Unruhen.

    Selbst wenn es gelaenge das System langfristig wieder zu stabilisieren ist die Verteilung der Kosten hoechst ungerecht. Die Deutschen tragen als Nation die hoechsten Kosten, europaweit tragen die Armen, die Rentner, die Sozialhilfeempfaenger, die Sparer die Kosten. Aber es gaebe auch Gewinner, naemlich alle Schuldner und hier ganz besonders die ueberschuldeten Staaten. Und selbstverstaendlich die Banken. Und diese unselige Allianz zwischen Politikern ueberschuldeter Staaten und hoch im Risiko stehender Banken muss zerstoert werden.

    Der Rueckkher zu solider Politik ist allemal der Vorzug zu geben. Nach einem reinigenden Gewitter koennen wir die Truemmer wegrauemen und einen Neubeginn machen.

  • Eine Inflation würde alle treffen, gerade die "kleinen Leute" und eben nicht die Banker. Ohne Weidmann hätten wir überhaupt keine Diskussion, alles wäre uns als selbstverständlich verkauft worden. Unsere Regierung stellt sich nicht den vielen Argumenten, die die Entscheidung der EZB für Rechtsbruch und geldpolitisch gefährlich halten. Man versucht einfach, das klammheimlich im allgemeinen Maßnahmenkatalog untergehen zu lassen. Man tut so, als sei jeder, der das in Frage stellt, Anti-Europäer, Populist, ohne Fachwissen etc.. Dann kommt jemand wie Weidmann, dem man das eben nicht vorwerfen kann. So ein Pech für die Politiker.
    Weidmann schafft Vertrauen, indem er, der unbestritten den nötigen Sachverstand hat, an Stabilität festhält und gleichzeitig bereit ist, seine Haltung offen zu legen und sich seinen Kritikern zu stellen.
    Nur so haben wir die Möglichkeit, uns eine eigene Meinung zu bilden.
    Weidmann macht also eigentlich nicht nur seinen Job und steht für Preisstabilität, sondern er leistet auch einen ungemein wichtigen Beitrag zur Demokratie.

  • In Jens Weidmann we trust!

  • lol, ja genau, Transparenz ist immer gut.
    Weidmann hat einfach nicht überzeugen können, nicht mehr und nicht weniger. Und auch nicht die Vertreter der anderen Staaten, die mehr in den Kassen haben als die Krisenländer.
    Notenbank und Transparenz, da kann man "den Märkten" doch gleich vorhersagen auf was sie am besten wetten sollten.
    Dann kann man sich die Kurssprünge an den Börsen sparen.
    Es ist Aufgabe der Politik hier Transparenz in Sachen Staatsverschuldung und Staatenlenkung zu schaffen, und klarzumachen - Finger weg vom Euro.
    Hätte die Politik nicht den Banken erlaubt, auf jede Größe eines Hauskaninchens zu wetten, müßte sich die EZB nicht so aus dem Fenster lehnen.
    Darin würde ich Weidmann unterstüzten, aber die EZB versucht nur wett zu machen, was in der Politik verpennt wurde, und Weidmann versucht sich als einsamer Rächer in der Wüste. Sinnlos, der Zug ist weg.

  • Die Deutsche Bank mischt sich ja spätestens seit Ackermann gerne in die Politik. Tingelt der eigentlich noch durch die Welt mit seinen Horrorszenarien und der Botschaft, dass D unbedingt den Euro retten muss? Wahrscheinlich vergisst er aber dabei zu erwähnen, was die Rolle der DB in der Hypothekenkrise war.
    Und die beiden Neuen probieren schon wieder kräftig ihren ungefragten Kommentar abzugeben anstatt sich darum zu kümmern, um zumindest einen Teil des Imageschadens zu herstellen.
    Meine Familie war seit Generationen Kunde bei der DB. Mit Nachdruck bei WAR. Eigentlich erwähne ich das nur im Zuge der Weidmanndiskussion, ansonsten ist doch jedes Wort über diese Firma zu schade.

    Herr Weidmann, prima! Lassen Sie sich nicht in's Bockshorn jagen, auch wenn Schäuble und Draghi wahrscheinlich ein paar Alpträume und schlaflose Nächte wegen ihnen haben. Schadet ihnen garnicht und den anderen auch nicht. Langsam beginnen doch auch die anderen ein bisschen aufzuwachen (Finnland und Österreich). Tja manche Leute sind halt nicht so schnell im Denken, die brauchen ein bisschen länger!

    Und die Kanzlerin hat scheinbar auch begriffen, dass sie ihre nächste Wahl verloren hat, wenn sie sich gegen Sie stellt. Hart bleiben und nur weiter so, auch wenn es viele Nerven kostet. Ist halt wie mit kleinen Kindern, denen muss man auch alles hundert Mal sagen bis sie es endlich kapieren.

  • Eigentlich sollten die Worte des Herrn Weidmanns von unseren Politikern kommen. Aber es hat sicherlich seinen - dem Volke wenig vermittelten Grund - warum dem nicht so ist.

    Aber nachdem unsere Politiker ja offensichtlich nicht freiwillig das Volk aufklaeren wollen, waeren hier wirklich verstaerkt die Medien gefragt - wer sonst koennte mehr Transparenz schaffen?

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