Geldpolitische Lockerung
EZB-Hardliner geben sich weich

Vor der nächsten EZB-Sitzung schlagen zwei Hardliner einen neuen Ton an. Bundesbank-Chef Weidmann äußert sich konziliant zu EZB-Wertpapierkäufen – sein finnischer Kollege Liikanen liebäugelt mit einem Banken-Strafzins.
  • 5

Er gilt als größter Gegner von möglichen Wertpapierkäufen der EZB. Doch nun lässt Bundesbank-Chef Jens Weidmann trotz aller Bedenken die Tür hierfür einen Spalt offen. Zwar seien zahlreiche rechtliche Fragen noch nicht beantwortet und das Bundesverfassungsgericht habe der Europäischen Zentralbank (EZB) kürzlich ihre Grenzen aufgezeigt. "Das heißt aber nicht, dass ein derartiges Programm grundsätzlich außer Frage stünde", sagte Bundesbank-Präsident Jens Weidmann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Market News. "Aber wir müssen sicherstellen, dass das Verbot der Staatsfinanzierung respektiert wird."

Market News zufolge wäre für Weidmann zum Beispiel der Kauf privater Anleihen mit bester Bonität eine Option, um die Geldpolitik weiter zu lockern und eine ruinöse Spirale fallender Preise und sinkender Nachfrage zu verhindern, wie sie von manchen Ökonomen derzeit befürchtet wird. Anleihekäufe mit dem Ziel, die Geldmenge aufzublähen und so die langfristigen Zinsen zu drücken, können eine solche Spirale - in der Theorie - verhindern. Allerdings gibt es in der Euro-Zone keinen Markt mit nichtstaatlichen Wertpapieren, der so groß wäre, dass Aufkäufe durch die Notenbank einen durchschlagenden Effekt hätten.

Weidmann bekräftigte in dem Interview seine Zweifel am Sinn einer solchen - im Fachjargon Quantitative Easing genannten - Aktion, mit der unter anderem die Federal Reserve in den USA und die beiden Notenbanken von Großbritannien und Japan in den vergangenen Jahren gegen die Krise vorgegangen waren. "Die jetzt debattierten Maßnahmen sind großteils unbekanntes Terrain. Deshalb brauchen wir eine Diskussion über ihre Effektivität und über ihre Kosten und mögliche Nebenwirkungen." Ein Sprecher der Bundesbank sagte auf Nachfrage von Reuters, Weidmann habe seine Position nicht geändert.

Weidmanns Äußerungen kommen zu einem kritischen Zeitpunkt. Zuletzt hat der Euro deutlich gegenüber dem US-Dollar aufgewertet. Dies verstärkt Sorgen über die niedrige Inflation der Eurozone. Ein höherer Wechselkurs des Euro drückt die Importpreise und schwächt tendenziell die Wirtschaftsentwicklung. Im Gespräch mit Market News sagte Weidmann, wenn der Euro so stark steige, dass er die Inflation spürbar beeinflusse, würde er einer weiteren Zinssenkung den Vorzug gegenüber anderen unkonventionellen Maßnahmen geben. "Um den Folgen einer starken Euro-Aufwertung für den Inflationsausblick entgegenzuwirken, wären negative Zinsen angemessener als andere Maßnahmen", sagte Weidmann.

Seite 1:

EZB-Hardliner geben sich weich

Seite 2:

"Wir müssen das diskutieren"

Kommentare zu " Geldpolitische Lockerung: EZB-Hardliner geben sich weich"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ja, das sieht man schon daran, dass die Notenbanken den Goldbestand nicht wie einen sonstigen Kassenbestand i ihren Bilanzen ausweisen.

    Notenbanken fassen den physischen Bestand mit Forderungen zusammen!

    Würde ein Unternehmen derart bilanzieren, hätte es die Staatsanwaltschaft am Hals.

    Staatliche Behörden dürfen das! (?)

    Es ist zwar nicht richtig, aber gesetzeskonform und damit legal.

    Vielleicht findet sich ein Abgeordneter, der die Frage stellt, wie hoch die Forderungen in dieser Bilanzposition der Bundesbank sind?

  • Doch es geht, ich meine Altersvorsorge betereiben. verkaufen Sie einfach-auch mit Teilverlust- ihre LV oder Riesterrente und kaufen Sie dafür ein paar Gold- oder Silberlinge. Die sind schon aus zwei Gründen die bessere Wahl: man kann sie anfassen und sie müssen bis zum Renteneintritt in der Kaufkraft steigen. Man sagt es doch schon allen: Der Goldpreis ist, wie die Leitzinsen auch manipuliert! Nur, ewig geht das Spiel nicht mehr. Totalverlust riskieren oder....?!

  • Es ist auch notwendig, daß die EZB-Hardliner weich werden im Hinblick darauf, daß die EU in den nächsten Jahrzehnten die Ukraine finanzieren will. Ich schätze, daß da mindestens 100 Milliarden notwendig sein werden. Zu befürchten ist, daß es sich dabei um einen sog. "Verlorenen Zuschuß" handeln wird. Es ist anzunehmen, daß die Finanzierung so laufen wird, daß die Ukraine Anleihen in entsprechendem Umfang begeben wird, die von den Großbanken gekauft werden, die dafür von der EZB Darlehen zu einem Niedrigzins oder sogar zinslos und mit Ausfallgarantien erhalten werden. Im Endeffekt werden dafür natürlich die EU-Bürger, vor allem die der nächsten Generationen bezahlen(in Form stark ansteigender Inflation).

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%