Geldpolitische Schwächen
Berlin geht auf Konfrontationskurs mit dem IWF

Die lockere Geldpolitik des IWF ist der Bundesregierung ein Dorn im Auge: Deshalb will sie die Gefahren bei der Frühjahrstagung in Washington aufs Tableau bringen. Ein anderes Konfliktthema bleibt dagegen ausgeklammert.
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BerlinDeutschland will bei der IWF-Frühjahrstagung in Washington auf die Risiken der extremen geldpolitischen Lockerungen in der Welt verweisen. Hier liege eine der Gefahren für die Stabilität der Weltwirtschaft, hieß es am Montag in Regierungskreisen in Berlin.

„Die lockere Geldpolitik und die Frage, welche negativen Auswirkungen diese Geldpolitik haben kann, wird jedenfalls ein Thema sein, bei dem wir nicht müde werden, die Risiken immer und immer wieder zu adressieren“, sagte ein Regierungsbeamter. Einen Streit über den niedrigen Eurokurs und den starken Dollar mit den USA erwarten deutsche Regierungsvertreter nicht.

Von Unmut der USA über die starke Abwertung des Euro gegenüber dem Dollar wollen deutsche Regierungsvertreter nichts wissen. „Ich glaube nicht, dass man das so formulieren kann“, sagte ein Beamter. Allerdings beobachteten die USA schon aufmerksam, was sich beim Währungsgeschehen tue. „Aber es gibt keine Anklagen des Währungsdumpings oder ähnliches.“

Dass Deutschland wegen seines hohen Handelsüberschusses ähnlich wie früher einmal wieder in Washington am Pranger stehen könnte, sehen deutsche Regierungsvertreter nicht. „Was ich nicht erwarte, ist, dass Deutschland im Fokus steht“, sagte ein Regierungsbeamter.

„Alle wesentlichen Fragen dürften beantwortet sein“. Er sprach damit die Wirkung des niedrigen Ölpreises auf die deutsche Konjunktur an, aber auch der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die die USA und der IWF lange Zeit gefordert hatten.

Insgesamt dürfte der IWF nach Angaben aus deutschen Regierungskreisen für dieses und das nächste Jahr ein Wachstum um die dreieinhalb Prozent prognostizieren. Dabei hoffe man, dass für das nächste Jahr eine "leicht ansteigende Tendenz" sichtbar werde.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble reist am Dienstag in die USA. Vor den Treffen auf und am Rande des IWF-Konferenz, die am Donnerstag beginnen, will er noch am Mittwoch in New York mit Finanzanalysten und Investoren zusammenkommen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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