Geldschleusen geöffnet
US-Notenbank befeuert die Aktienmärkte

QE 3“ ist da: Die US-Notenbank hat ein weiteres Stützungsprogramm für die Wirtschaft beschlossen. Das hilft dem Euro und dem Goldkurs - und beflügelt weltweit die Börsen. Der Dax steigt auf ein Jahreshoch.
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WashingtonMonate hatten die Märkte begierlich gewartet, und immer wieder spannte sie Ben Bernanke auf die Folter: Noch, sagte der Chef der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) dann regelmäßig, noch sei die Zeit nicht reif für ein neues, milliardenschweres Hilfspaket für die schwächelnde Konjuntur, für das so genannte „Quantitativ Easing 3“ (QE 3). Würde es also jemals kommen?

Es kommt. Und zwar in Form eines milliardenschweren Programms zum Ankauf von Anleihen. So will die Fed unter anderem bis Jahresende pro Monat für 40 Milliarden Dollar Immobilienpapiere ankaufen, um den schwächelnden Häusermarkt zu stärken, wie der Offenmarktausschuss am Donnerstag nach seiner Sitzung in Washington mitteilte.

Die Aktienmärkte in Amerika reagierten darauf bereits am Donnerstag mit deutlichen Kursgewinnen. Am Freitag beflügelte die Aktion die Börsen in Fernost. Der Nikkei-Index legte um mehr als zwei Prozent zu. Auch der Dax dürfte mit starken Kursgewinnen in den Präsenzhandel starten. Vorbörslich liegt das Marktbarometer bei 7.400 Punkten, zur Börseneröffnung erreichte der Index 7.428 Punkte. Das sind über 100 Punkte mehr als zum Schluss des Präsenzhandels am Donnerstag. Der Dax erreichte damit ein Jahreshoch - gleichzeitig ist dies das höchste Niveau seit dem ersten Halbjahr 2011.

Auch der Goldkurs und der Euro profitierten von der Fed-Entscheidung. Gold ist mit 1775 Dollar so teuer wie seit dem Frühjahr nicht mehr. Der Euro steigt erstmals seit Mai wieder über 1,30 Dollar.

Neu an dem Fed-Programm ist: Anders als bei QE 1 und QE 2 soll das Programm theoretisch unbegrenzt weiterlaufen, sollte die Konjunktur Ende des Jahres nicht wieder deutlich an Fahrt aufgenommen haben. „Wir wollen erst mehr Jobs sehen, eine niedrigere Arbeitslosigkeit, mehr Wachstum“, sagte Bernanke auf einer Pressekonferenz auf die Frage, warum die Fed diesmal keine zeitliche Grenze gesetzt hat. Selbst wenn die Arbeitslosenrate zurückzugehen beginne, „werden wir es nicht eilig haben“, die Programme schnell zurückzufahren.

Zudem wollen die Notenbanker ihren bei faktisch null Prozent liegenden Leitzins bis Mitte 2015 nicht erhöhen. Die Wirtschaft erhole sich „in moderatem Tempo“, heißt es in der Mitteilung der Fed. Schneller sogar, als die Notenbanker zuvor angenommen hatten: Im kommenden Jahr werde die Wirtschaft statt um 2,2 bis 2,8 Prozent nun um 2,5 bis 3 Prozent wachsen. Für 2014 rechnet die Fed nun mit bis zu 3,8 Prozent (vorher 3 bis 3,5 Prozent).

Dennoch könnte es sein, dass das Wachstum ohne Konjunkturspritze nicht stark genug ist, „um die Lage auf dem Arbeitsmarkt nachhaltig zu verbessern“, hießt es in der Mitteilung weiter. Der Beschluss des Ausschusses fiel mit nur einer Gegenstimme von Jeffrey Lacker, Gouverneur der Fed von Richmond.

Zur Enttäuschung vieler Investoren sparten sich die Notenbanker allerdings das ganz große Geschütz – weitere massive Staatsanleihenkäufe – noch auf. Schließlich droht zum Jahreswechsel die nächste Unsicherheit: Sollte sich der Kongress bis dahin nicht geeinigt haben, laufen Ende Dezember Steuererleichterungen für viele Amerikaner aus.

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  • Was kommt nach Dollar und Euro?

    Die USA und EUROPA zerstören ihre Währungen per Gelddrucken und nachfolgender Inflation.

    Die Frage ist was kommt danach?

    Werden andere Währungen "aufrücken"?

    Eine goldgedeckte Papierwährung?

    Oder implatierbare Geldchips? ..Wahnsinn? Das hoffe ich. Schließlich gibt es schon Leute, die sich einen RFID-Chip als Eintrittskarte für die Disco implantieren lassen.

  • Es war einmal…

    Stellen Sie sich mal vor, ein Mensch aus 2012 würde schneller als das Licht reisen und landet dann im Jahr 1987. Dort würde er Händlern,
    Reportern von CNBC, Politikern oder anderen Finanzkollegen etwas ganz neues und geniales vorstellen:

    „Die FED kauft einfach alles auf, jedes Wertpapier auf diesem Planeten, dann wird alles SUPER!“

    Was wäre wohl passiert damals im Jahr 1987? Nun, ich vermute mal, man hätte diesem Menschen eine weiße Weste angezogen, damit er sich
    in seiner neuen sehr gut gepolsterten Wohnung nicht selber verletzen kann. Aber neuer Notenbankchef, oder zumindest Berater von Alanus
    Greenspanus wäre er wohl nicht geworden…klingt zwar blöd, dürfte aber wohl so sein! Vermutlich würde er da heute noch sitzen und vor sich
    hin brabbeln, aber Notenbankchef oder Berater von Helikopter Ben…naja und wenn er nicht gestorben ist, reist er zurück ins Jahr 1987!

    Auch wenn dies kurzfristig genial klingt, dürften die langfristigen Folgen einen weiteren Finanztsunami auslösen, der seinesgleichen suchen wird.
    Schon heute ist es ja für Lebensversicherer und Pensionsfonds ein Riesenproblem bei diesen niedrigen Zinsen neue Kunden zu gewinnen und die
    Bestehenden zu halten.

    Am besten wäre zum Ausgleich und um die schwelende Versicherungskrise direkt abzuwenden, wenn jeder Weltenbürger zur Kompensation dieser
    Schieflage eine Lebensversicherung abschließen muss, wenn die letzte Ziffer eines aktuellen Jahres mit der seines Geburtsdatums zusammenfällt. So
    könnte man ewiges Neugeschäft generieren und für den Vertrieb wäre dann auch gesorgt. Im Gegenzug müssten sich leider die Vorstände dieser
    Gesellschaften zur Kompensation mit einem gedeckelten Gehalt von maximal 150 Mio.€ zufrieden geben.

    rkurevic@tass.de

  • Muuaaah, der Absturz wird kommen, ganz sicher. Alles über DAX 5.000 ist Blase. Deshalb bin ich seit 6.000 dauershort. Gruß aus dem Urlaub, Euer Pleitier aus dem Norden!

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