Gewerkschaft schlägt Alarm

Tränen in der EZB

Das Ergebnis eines Burnout-Tests wirft ein Schlaglicht auf die Arbeitsbedingungen der EZB-Mitarbeiter. Ein Insider berichtet von weinenden Kollegen. Die EZB kündigt eine detaillierte Ursachenforschung an.
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Die neue EZB-Zentrale in Frankfurt: Viele Mitarbeiter leiden unter Burn-Out und Erschöpfung.

Die neue EZB-Zentrale in Frankfurt: Viele Mitarbeiter leiden unter Burn-Out und Erschöpfung.

DüsseldorfMit ihrem großangelegten Stresstest wollte die Europäische Zentralbank (EZB) die Banken im Euroraum gegen Stress wappnen. Sie sollten so viel Kapital vorhalten, dass sie selbst starken Stress wie eine schwere Wirtschaftskrise durchstehen. Die meisten Banken haben den Test bestanden. Ganz anders sieht es bei den Mitarbeitern der EZB aus. Deren Stresslevel ist erheblich gestiegen.

In einem Test im September hat der Betriebsrat abgefragt, wie viele Mitarbeiter an Burn-Out leiden. Das Ergebnis: Von 903 teilnehmenden Mitarbeitern war knapp ein Drittel (279 Mitarbeiter) von einem Burnout-Syndrom betroffen oder akut bedroht. Ein weiteres Drittel der Befragten litt unter starker Erschöpfung. 2.500 Mitarbeiter hatte der Betriebsrat angeschrieben. Der Test nennt sich „Maslach Burnout Inventory“ und gilt als gängiges Messinstrument für Burn-out. Jörn Paulini, Vizechef der EZB-Gewerkschaft Ipso, sprach gegenüber dem Hessischen Rundfunk von „alarmierenden Zahlen“.

Ein EZB-Insider berichtet von teilweise dramatischen Szenen: „Mitarbeiter kommen weinend zum Betriebsrat.“ Einige fühlten sich ihrer Arbeit aber so stark verpflichtet, dass sie einfach nicht zum Arzt gingen. Ein anderer erzählt, er habe „vier Monate unter Burn-out gelitten“. Angefangen habe es mit Bauchschmerzen. Dann kamen Schlafschwierigkeiten hinzu. Er konnte nicht mehr richtig essen, habe sich häufig übergeben müssen. „Zuletzt brauchte ich Medikamente.“

Auf den ersten Blick hat die EZB ein Vorsorgeangebot, von dem viele Arbeitnehmer träumen können. So gibt es zum Beispiel Trainings zu Zeit-, Stress - und Konfliktmanagement, medizinische Betreuung, Sprachkurse und Sozialberatung. Andererseits erfasst die Zentralbank die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter nicht. Deshalb gibt es keinen Überblick, wie lange die Mitarbeiter tatsächlich arbeiten. Die EZB teilte auf Anfrage mit, sie nehme die „Testergebnisse sehr ernst“. Bevor gezielte Gegenmaßnahmen getroffen werden könnten, sei für das 1. Halbjahr 2015 eine detaillierte Ursachenforschung geplant.

Kaum Aussichten auf mehr Personal
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11 Kommentare zu "Gewerkschaft schlägt Alarm: Tränen in der EZB"

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  • bei dem Chef kämen mir auch die Tränen.

  • Abgesehen mal von den üblichen gewerkschaftlichen Übertreibungen dürfte Überforderung eines der Prinzipen der EZB sein, um eine zu tief gehende Prüfung der getesteten Banken verhindern zu helfen.

    Dabei handelt es sich um ein typisches Instrument vorsichtig bis ängstlicher Vorstände - bei der EZB des gesamten mit vielleicht einer Ausnahme -, es könnte zuviel Negatives ans Tageslicht kommen.

    Offenbar hat diese Methode wieder einmal funktioniert.

  • >> Tränen in der EZB >>

    Zwangsangeordnete Lügen und Fälschungen hinterlassen halt Spuren.

  • Kein Wunder. Bei jeder Zahl die Herr Draghi veröffentlicht, müssen die unterbezahlten Mitarbeiter mindestens 9 Nullen schreiben. Das ermüdet mit der Zeit, schon wegen der Langeweile. Also Tränen in den Augen haben bestimmt viele Menschen in Deutschland wenn sie sich ihre Bankabrechnungen und Schreiben zu den Lebensversicherungen ansehen. Ich finde, für den Mist den die EZB abliefert sind die alle überbezahlt. Je weniger die tun, desdo besser geht es uns. Wie kann man als intelligenter Mensch nur in einer Behörde arbeiten die soviel Mist produziert? Jetzt wollen sie sogar künstlich Inflation herstellen, früher hat sich die Bundesbank dagegen gewehrt. Früher waren 2 % mal das Ziel in Richtung weniger, jetzt wollen sie unbedingt und mit allen Mitteln die 2 % schaffen und die dummen Deutschen erhöhen ihre Preise nicht. Wie kann man nur so dumm sein und mit weniger als 2 % Inflation leben wollen? Dazu haben wir also die EZB: die Erhöhung der Inflation. Kein Wunder, dass die Mitarbeiter aus Italien und Spanien Tränen in den Augen haben. Das haben die früher viel einfacher geschafft, das mit der Inflation.
    Weint Draghi auch, täglich? Als Italiener ist er doch sicher sehr emotional ausgelegt. Wer es noch immer nicht verstanden hat: mein Mitleid für die bestbezahlte Chaotentruppe der Welt hält sich in Grenzen. Vielleicht sollte das HB mal gleichzeitig das Einkommensniveau, die Steuererleichterungen und sonstigen Vorteile der Weinenden abdrucken. Die Ausländer haben sogar Buschzulage, bei den harten und unmenschlichen Verhältnissen in Deutschland sicher auch verständlich.

  • Ich könnt auch jeden Tag weinen, wenn ich sehe, wie unser Steuergeld per ESM zum Fenster rausgeworfen wird.
    Wie unsere Altervorsorge/Sparguthaben dadurch aufgezehrt werden. Wie mit einen grünsozialistischen Energiewendezwang per EEG unsere Strompreise politisch gewollt in die Höhe getrieben werden. Wie sich die EU-Deutsche Wirtschaft mit dem CO2-Reduzierungswahn (CO2-Klimalüge) immer mehr aus EU-Deutschland verabschiedet und das EU Wachstum mit diesem grün-sozialistischen Ökogedankentum gegen NULL gefahren wird.

  • Mir kommen auch die Tränen - vor Lachen...

    Für diese hochbezahlten Frauen und Männer wurde sogar eine tolle Straßenverbindung über den Main gebaut. Drinnen aller Schnickschnack.
    Deswegen, ein Aufruf: Stell dir einen supergeldmäßigen Job vor und keiner geht hin!!!!!

  • In einem Bunker zu arbeiten, mit einem derart dekonstruktionistischen Vorbau, bei dessen Betrachtung schon Übelkeit auftaucht, kann schon aus rein ästhetischen
    Gründen nur Stress und Depression die Folge sein.

    Zukünftige vermehrte Selbstmorde würden mich keineswegs wundern.

    Wer etwas von "Feng Shui" versteht, weiß was ich meine.

  • Da hilft die Kündigung. Oder ist das monatliche Schmerzensgeld zu attraktiv?

  • Wenn sie den ganzen Müll als Bankbilanzen bearbeiten müssen, ist das auch kein Wunder. Die Banken bezahlen Tausende "Berater" wie sie es nennen, um ihre Leichen im Keller zu verbergen, da reichen einige huntert Heinis um diese auszugraben nicht aus.

  • Hehe, kein Wunder. Jedesmal wenn ich die drei Buchstaben "EZB" lese, treibt es mir auch die Tränen in den Augen.

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