Gewinn sinkt deutlich
Weidmann verteidigt die Bundesbank gegen die Euro-Retter

Bundesbank-Chef Weidmann sorgt sich wegen der Geldpolitik der EZB. Die niedrigen Sicherheitsanforderungen für Zentralbankgeld erhöhten das Risiko. Die Bundesbank verdoppelt ihre Rückstellungen - zu Lasten des Gewinns.
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Düsseldorf/FrankfurtDie Bundesbank fürchtet erhebliche Risiken durch die Geldpolitik der EZB. Wegen hoher Rückstellungen zur Risikovorsorge verzeichnete sie im Geschäftsjahr 2011 einen Gewinneinbruch: Ihr Jahresüberschuss sank von 2,2 auf 0,6 Milliarden Euro. „Der Grund für den Rückgang des Gewinns findet sich vor allem in der Erhöhung der Risikovorsorge“, erklärte Bundesbankpräsident Jens Weidmann am Dienstag auf der Jahrespressekonferenz der Deutschen Bundesbank.

Die Bundesbank hat ihre Rückstellungen für allgemeine Wagnisse fast verdoppelt - von 4,1 auf 7,7 Milliarden Euro. Bereits im Vorjahr hatte sie die Rückstellungen um 1,6 Milliarden aufgestockt. Weidmann begründete den Anstieg mit den Risiken aus den geldpolitischen Geschäften der Notenbank - diese hätten im Zuge der Staatsschuldenkrise deutlich zugenommen. „Die Ausfallrisiken des Staatsanleihekaufprogramms und der Refinanzierungskredite haben sich durch den ausgeweiteten Umfang und durch den gestiegenen Risikogehalt deutlich erhöht“, sagte Weidmann.

Zuletzt hatte die EZB mit zwei langfristigen Refinanzierungsgeschäften fast eine Billion Euro für drei Jahre an die Banken im Eurosystem verliehen. Gleichzeitig hatte sie die Sicherheitsanforderungen für Notenbankkredite mehrfach gelockert: Im Dezember legte sie beispielsweise fest, dass die nationalen Notenbanken des Eurosystems selbst bestimmen können, welche Sicherheiten sie für Notenbankkredite akzeptieren.

In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ forderte Weidmann eine schnelle Rückkehr zur konventionellen Geldpolitik. Die Sondermaßnahmen der Notenbanken der Eurozone seien begrenzt und befristet und sie dürften keinesfalls einen Vorwand liefern, die notwendigen Reformen aufzuschieben, schrieb Weidmann. „Für mich ist es ein zentrales Anliegen, dass hierdurch keine Stabilitätsrisiken entstehen, etwa wenn der Eindruck entstünde, die Geldpolitik gerate ins Schlepptau der Finanzpolitik.“ Weidmann verlangte ein zügiges Konzept, wie die derzeit sehr umfangreiche Unterstützung der Banken wieder zurückgefahren werden kann. „Die Risiken, die das Eurosystem übernimmt, sind zu einem gewissen Grad unvermeidlich, aber wir setzen uns mit Nachdruck dafür ein, dass sie in vertretbaren Grenzen bleiben“, erklärte Weidmann.

Während Weidmann die Risiken durch die lockeren Sicherheiten hervorhob, ruderte er in der Debatte um die so genannten Target2-Forderungen zurück.

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Weidmann hält Kritik an Target2 für nicht sachgerecht

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  • Um mit einem Bild zu schließen:
    Jeder Segler weiß, dass er ordentlichen Gegenwind braucht, um schneller zu segeln. Verstehen Sie Ihre Gegner als Gegenwind. Oder wollten Sie wirklich in einem Boot sitzen, dass mit dem Wind dümpelt. Es kommt fast nicht voran. Lassen Sie anderen den Platz darin.

    Herr Weidmann, bleiben Sie wie Sie sind und halten Sie Kurs.

  • Lieber Herr Weidmann, die Aufgabe der Bundesbank ist es nicht Gewinn zu produzieren sondern sie hat unsere Geldwertstabilität zu sichern. Dass sie letzteres nicht mehr tut, ist nicht Ihre Schuld. Die Bundesbank war der Regierung, gleich welche, zu unabhängig, zu stark und aus Sicht der regierenden zur sehr auf Seite des Volkes. Bleiben Sie beim Volk. "Den Rest holen die Hasen."

    Fachwissen und Kompetenz haben die Politiker schlecht aussehen lassen und an die Federn der Bundesbank, mit denen sie sich schmücken wollten, sind sie nicht herangekommen.

    Nun haben wir den Salat, den die Politiker angerichtet haben und der hat bis in die Bundesbank durchgeschlagen.

    Sie haben sich Gedanken, Sorgen gemacht. Schäuble, der dieses Desaster mit angerichtet hat, hat garantiert noch nicht einmal ein Schuldgefühl entwickelt. So sind Sie nicht, so sollten Sie auch nicht werden.

    Deshalb ist es wichtig, dass Sie darüber reden. Es wichtig, dass wir, das Volk, darüber schreiben, dass wir die Zusammenhänge sehen, verfolgen, anprangern und nicht vergessen, wer das deutsche Volk wieder an den Rand des Ruins bringt.

    Schäuble ist es nicht allein. Frau Merkel, Gerhard Schröder, Steinbrück und nicht zuletzt Herr Eichel gehören ebenso zu den Brandstiftern. Wir haben es verfolgt und schreiben darüber. Und zwar einmal mehr als "die" es hören wollen.

    Herr Weidmann,
    Sie haben einen Eid geleistet. Einen Eid, dem deutschen Volk zu dienen. In keiner Passage sind Sie verpflichtet worden, den Regierenden nach dem Mund zu reden, sich anzubiedern. Ich bin sicher und zuversichtlich, dass Sie stark genug sind Kurs zu halten.

  • Man kann dem nur voll und ganz zustimmen, was der "Beobachter" hier ausführt.
    Ich fordere das Handelsblatt auf, zu seiner damaligen Empfehlung griechische Staatsanleihen zu kaufen, Stellung zu beziehen !

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