Goldpreis-Verfall
Schweizerische Nationalbank erleidet massive Verluste

Die Talfahrt des Goldpreises schlägt sich in der Bilanz der Schweizerischen Nationalbank nieder. Die Zentralbank der Schweiz muss eine zweistellige Milliarden-Summe abschreiben. Der Bundesbank bleibt dies jedoch erspart.
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Bern/Zürich/FrankfurtDer Absturz des Goldpreises hat der Schweizer Notenbank in der ersten Jahreshälfte einen Verlust von 7,3 Milliarden Franken (5,9 Milliarden Euro) eingebrockt. Auf die gut 1000 Tonnen des Edelmetalls resultierte ein Bewertungsverlust von 13,2 Milliarden Franken, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) am Dienstag mitteilte. Der Goldbestand der Notenbank verlor seit Jahresanfang ein Viertel an Wert. Vor allem im zweiten Quartal hatten die Anleger das Edelmetall unter anderem wegen der Rally an den Aktienmärkten aus ihren Portfolios geschmissen und Gold das größte Quartalsminus seit vielen Jahrzehnten beschert.

Zentralbanken passen die Bewertung ihrer Goldreserven von Zeit zu Zeit an die Marktpreise an - dadurch können hohe Buchgewinne oder -verluste entstehen. Die Deutsche Bundesbank bewertete ihre Goldbestände und -forderungen Ende Juni auf 100,3 Milliarden Euro - nach 136,5 Milliarden Euro zum Ende des ersten Quartals. Allerdings wirken sich Bewertungsunterschiede bei der Bundesbank nicht auf den Überschuss aus, Abschreibungen gibt es nicht. Vielmehr werden Bilanzpositionen, die Marktpreisschwankungen unterliegen, auf der Passivseite der Bilanz in einem „Ausgleichsposten aus Neubewertung“ ausgewiesen.

Mit ihren Devisen-Beständen verdiente die SNB dagegen gut: Die Fremdwährungspositionen warfen in den ersten sechs Monaten 5,8 Milliarden Franken ab. Dazu trugen die Aufwertung der beiden wichtigsten Währungen Euro und Dollar ebenso bei wie Beteiligungsgewinne, Zins- und Dividendenerträge.

Die SNB hat ihre bei der Verteidigung des Frankenkurses erworbenen Devisen-Milliarden im Gegenwert von rund 440 Milliarden Franken im Ausland angelegt. Im September 2011 ist für den Euro ein Mindestkurs von 1,20 Franken festgelegt worden, der mit Eurokäufen am Devisenmarkt verteidigt wird. Das Gros ist in Staatsanleihen investiert. 15 Prozent entfallen auf Aktien, die besonders gut rentierten. Kursgewinne und Dividenden brachten der SNB 6,3 Milliarden Franken ein, während die Zins-Anlagen mit 2,9 Milliarden Franken Verlust zu Buche schlugen. Wechselkursgewinne beliefen sich auf 2,3 Milliarden Franken.

Die SNB hat jüngst in Singapur ihre erste ausländische Niederlassung eröffnet, um ihre in Fernost angelegten Devisenreserven zu verwalten. Die Notenbank hat im Zuge der Diversifizierung ihrer Anlagen auch in koreanische Won und Singapur-Dollar investiert. Zugleich übernimmt der Außenposten die Überwachung des Devisenmarktes, um intervenieren zu können, falls der Euro unter den Mindestkurs zu fallen droht. Diese Aufgabe musste bisher in Zürich in Nachtschichten erledigt werden.

Das Gros der SNB-Devisenbestände entfällt mit 48 Prozent auf Euro-Anlagen. 27 Prozent der Reserven sind in Dollar investiert, neun Prozent in Yen und sieben Prozent in Pfund Sterling.

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  • Handelt es sich bei der SNB nun um einen tatsächlichen Verlust oder um einen "Buchverlust" ? Welchen Sinn ergibt ein "Buchverlust" für einen Edelmetallbestand ? 1000 to bleiben 1000 to.
    Die Frage ist nur zu welchem Preis wurde das Material gekauft.Darüber läßt uns SNB und HB leider im Dunkeln.Wir können deshalb nur vermuten.
    Ich erinnere mich, daß die SNB Gold verkauft hat als der Preis sehr niedrig war -wie BoE auch.Zuletzt besaß die SNB meiner Erinnerung nur noch 450 to.Anscheinend hat man zum Höchstpreis zugekauft.Das wäre dann eine plausible Erklärung für den "Buchverlust".
    Das sind die richtigen Geschäfte : Zum Niedrigstpreis verkaufen und zum Höchstpreis kaufen.Das geht nur mit stupid Steuergeld.
    Übrigens hat jeder Verkauf auch einen Käufer und umgekehrt.Wer mag wohl der Niedrigpreiskäufer und Hochpreisverkäufer gewesen sein ??

  • @Rechner

    Mit den Bräuten ist das immer so eine Sach. Ohne Maples/Eagles kannst sie auf Dauer nicht befriedigen.


  • 'BudEkins' sagt
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    Hoffentlich läuft Ihnen nicht die gnädige Frau weg. Bei Ihren Klug-S-Sprüchen/ geballten Sachverstand.
    -------------------

    Die ist schon lange weg.

    Was auch seine Vorteile hat.

    ...

    Ihr Sinn für Logik ist dem Ihren allerdings ähnlich.

    Vielleicht möchten Sie daß ich Sie einander vorstelle?

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