Griechenland-Haircut
EZB hat Anleihen bereits getauscht

Mit einem Trick entzieht sich die Europäische Zentralbank der Gefahr, an einem Schuldenschnitt in Griechenland beteiligt zu werden. Den notwendigen Schritt dazu hat sie wohl bereits heute vollzogen.
  • 32

FrankfurtDie Europäische Zentralbank (EZB) will sich an einem Schuldenschnitt für Griechenland nicht beteiligen. Zur Vermeidung von möglichen Verlusten haben die Euro-Zentralbanken ihre griechischen Anleihen in neue Papiere getauscht. Davon betroffen sind nach Informationen aus Notenbankkreisen vom Freitag Staatsanleihen, die die EZB über die nationalen Notenbanken seit Mai 2010 auf dem Sekundärmarkt gekauft hat.

Mit dem Schritt wollen die Notenbanken Nachteile für den Fall vermeiden, dass die griechische Regierung die Anleihebedingungen per Gesetz ändert. Athen könnte sogenannte Collective Action Clauses (CAC) einführen, falls bei dem Schuldenschnitt nicht genügend private Gläubiger wie Banken und Versicherungen mitziehen. Dann stünde auch eine Beteiligung von öffentlichen Gläubigern wie der EZB im Raum. Der EZB-Rat habe entschieden, die Zentralbanken gar nicht erst in eine solche prekäre Lage kommen zu lassen, hieß es am Freitag in den Kreisen.

Schließlich seien die Anleihen von Pleitekandidaten wie Griechenland nicht aus Investitionsgründen, sondern zur Stützung der Geldpolitik gekauft worden. „Das Eurosystem ist mehrheitlich zu der Auffassung gelangt, dass man aus geldpolitischen Operationen keine Verluste nehmen sollte.“ Die getauschten neuen Anleihen seien identisch mit den alten, was Laufzeit und Konditionen angehe, sie trügen lediglich eine andere Kennnummer. Der Austausch werde auf der Grundlage von Verträgen mit der griechischen Regierung abgewickelt.

Die Sonderbehandlung birgt jedoch Risiken, wird auch in den Notenbank-Kreisen eingeräumt. „Am Ende des Tages geht es um die Frage, ob ich als Emittent einzelne Gläubiger besserstellen kann. Alles, was in diese Richtung deutet, ist rechtlich kritisch zu bewerten.“ Es bestehe zudem die Gefahr, dass das Vertrauen von Anlegern auch in anderen Euroländer leide. Denn ein Investor könnte befürchten, dass die Zentralbank auch bei Zahlungsproblemen etwa Portugals außen vor bleiben und er bei einem Forderungsverzicht umso stärker zur Kasse gebeten würde.

Seite 1:

EZB hat Anleihen bereits getauscht

Seite 2:

Bundesbank stimmte gegen Umtausch-Beschluss

Kommentare zu " Griechenland-Haircut: EZB hat Anleihen bereits getauscht"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Solange es unterschiedliche Schuldnerqualitäten gibt, gibt es auch unterschiedliche Zinssätze. Sie sind Ausdruck des Ausfallrisikos.
    Auch auf der Gläubigerseite gibt es unterschiedliche Qualitäten im Rang der Forderung. Das ist marktwirtschaftlichter Alltag - vom Grundbucheintrag bis zur Nachranganleihe.
    Hier stellen sich offenbar einige dumm, die sich verspekuliert haben, als sie Griechenlandanleihen zum Schrottpreis erworben haben, um sich dann vom Steuerzahler "retten" zu lassen.




  • Ich bin mächtiger als Du !
    Ich bestimme die Gesetze !

  • Nach der Staatsschuldenkrise wird als nächstes die Geldwertkrise kommen. Man konnte sich noch vor einigen Jahren nicht vorstellen, dass Staaten im Euro Raum pleite gehen könnten. Und man konnte sich bis vor kurzem auch nicht vorstellen, dass die EZB von südländischen Mafiosi dominiert wird. Das Vertrauen ist dahin. Und mit jeder Schweinerei schwindet das Vertrauen. Und was ist ohne Vertrauen der Euro? Richtig - bedrucktes Papier.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%